Heiko Mell

Welcher Aufwand steckt in dieser Serie?

Wie lange schreiben Sie an einer Folge?

Antwort:

Die Frage taucht ständig auf, jetzt stelle ich meinen Widerstand dagegen ein. Also, in meinem Fall müssen Sie einbeziehen:

– Begeisterung für Schulaufsätze von frühester Kindheit an, sofern „freie Themen“ anstanden (gehasst habe ich „Was dachte sich Goethe, als er schrieb …?“; eine Bemerkung von mir in der Richtung, er sei sicher oft froh gewesen, dass es sich reimte, hat zu einem Wutanfall des Deutschlehrers geführt); seitdem schreibe ich, wo immer sich eine Chance bietet;

– Leidenschaft für – auch unerbetene – gute Ratschläge an andere Leute; mit 10 Jahren Leiter einer Übungsgruppe im Fach Mathematik für Klassenkameraden, das „Talent“ wurde seither ausgebaut und ist im Bekanntenkreis gefürchtet;

– Schulung des Sprachverständnisses ebenfalls von Anfang an (ich soll als Kind gesprochen haben, bevor ich laufen konnte – habe heute allerdings den Verdacht, ich hätte vielleicht nur spät mit dem Laufen angefangen); die Methode: Lesen in jeder Lage; alles, was greifbar ist, vom Roman bis – notfalls – zur Frauenzeitung beim Friseur;

– spontane Konzentration auf die Frage „Wie funktioniert der Laden hier eigentlich, warum sind Chefs so, was bewegt Mitarbeiter, wie macht man Karriere?“ etwa drei Wochen nach Eintritt ins Berufsleben vor 44 Jahren; ich finde das heute noch immer doppelt so interessant wie die Frage „Wie funktioniert die EDV?“;

– regelmäßige öffentliche Auftritte mit dem Ziel, in unmittelbarer Konfrontation mit dem Publikum zu sehen, wie bestimmte Aussagen, Thesen und Regeln ankommen;

– ein zum Thema der Serie passender Hauptberuf, in dem ich seit 39 Jahren nahezu täglich Besetzungswünsche von Unternehmen kennenlerne, Personalanzeigen texte, mit Bewerbern telefoniere, Bewerbungen analysiere und Vorstellungsgespräche führe; Karriereberatungsgespräche mit privaten Interessenten, die ich seit etwa 30 Jahren regelmäßig führe und die fast noch ergiebiger sind (weil die Partner dort wahrheitsgemäß berichten);

– das Durchdenken von wichtigen Fragen und Antworten vor der Niederschrift (unter der Dusche, beim Autofahren und – seltener – im Büro).

 

Und auf der Basis setze ich mich dann hin und schreibe in ein paar Stunden eine Folge dieser Serie nieder. Dabei klingelt das Telefon, ich muss wegen anstehender Probleme oder fester Termine unterbrechen, manchmal kann ich erst am übernächsten Tag fortfahren. Dann lese ich das durch und korrigiere es, dann lese ich es am Schluss noch einmal – und dann bin ich fertig. Ach ja: Manchmal sagt meine Mitarbeiterin dann, diese Folge sei 28 Zeilen zu lang. Dann muss ich streichen, da fließt Herzblut, das nimmt sehr viel mehr Zeit in Anspruch als das Verlängern eines Textes, wenn noch zehn Zeilen fehlen.

Und wie lange dauert nun alles in allem die Formulierung eines Wochenbeitrages? Ich weiß es nicht. Aber rechnen Sie vorsichtshalber noch meine frühen Auseinandersetzungen mit Deutschlehrern anteilmäßig hinzu, die unter meine lichtvollen Ausführungen schrieben „Du neigst zu Sprachschöpfungen“ oder „Die deutsche Sprache ist noch nicht so weit“.

Aber, darauf lege ich Wert: Die neueren Rechtschreibreformen sind nicht von mir – dazu hätte es mir an Fantasie gefehlt.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2266
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-10-29

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