Heiko Mell

Geht Macht vor Recht?

Antwort:

Der Bewerber strebt die Position eines kaufmännischen Leiters in einem Industriebetrieb an. Er hat eine solche bis vor einiger Zeit bekleidet. War dann aber durch Kündigung arbeitslos geworden. Durch eigene Kündigung, wohlgemerkt. Im Fachjargon wird das Resultat bezeichnet als „arbeitslos auf eigenen Wunsch“.

Der Bewerber weiß, dass er das begründen muss. Gut begründen, keine Frage. Er schreibt: „Der Eigentümer hat die Unternehmenspolitik wesentlich geändert, ohne irgendjemand auch nur zu fragen.“ Man spürt noch immer die Entrüstung.Dabei lautet die einzig angemessene Entgegnung doch letztlich nur: „Na und?“

Wir leben in einem System, in dem Eigentum einen extrem hohen Stellenwert hat. Für manches davon ist die Verfügungsgewalt gesetzlich eingeschränkt, sonst aber gilt: Wer Eigentümer ist, bestimmt über die Sache. Sie alle tun das mit Ihren Sachen auch. Und manchem gehört halt ein Unternehmen. Auch damit macht der Eigentümer, was er will (im Rahmen der schon genannten Grenzen). Er liquidiert, er verkauft an den Wettbewerb oder an einen Finanzinvestor. Er halbiert die Größe, geht an die Börse oder stellt die Produktion ein und wird Handelsgesellschaft. Was immer er will.

Das betrifft den aktiven Inhaber an der Spitze eines Mittelständlers, aber ebenso den Konzern, der Eigentümer einer Tochtergesellschaft ist. Oder die klassische Kapitalgesellschaft, bei der es dann lediglich „die Eigentümer“ heißen muss – wenn die mit einer Stimme sprechen, ist ihre Macht absolut.

Wesentliche Änderungen der Unternehmenspolitik sind ein geradezu klassisches Operationsfeld für Eigentümer. Dort dürfen die völlig problemlos etwas ändern wollen – und das dann auch umsetzen. „Fragen“ muss der Eigentümer höchstens die Bank – falls die Geld geliehen hat. Aber kaufmännische Leiter muss er nicht. Konfrontieren Sie doch einmal den Konzernvorstand der XY AG mit der Vermutung, er müsse erst den kaufmännischen Leiter seiner Tochter fragen, bevor er dort Änderungen … Der lacht nicht mal über diese Idee.

Schön, der betroffene Manager darf sich ärgern. Darüber, dass er vorher nicht gehört und im Vorfeld nicht informiert wurde. Aber wer abhängig ist von anderen, wird sich noch öfter ärgern müssen, das ist Teil seines Lebens. Nur: Sich zu ärgern ist schlimm, arbeitslos zu sein ist schlimmer. Vielleicht war der Eigentümer in jenem Falle sogar unklug. Aber der – ehemalige – kaufmännische Leiter war ganz sicher unklüger.

Geht Macht sogar vor Recht? Bismarck soll es gesagt haben. Hat er aber nicht, man hat es ihm nur in den Mund gelegt. Goethe lässt Mephistopheles im Faust sagen: „Man hat Gewalt, so hat man Recht.“ Das ist sicher auch heute noch in sehr vielen Bereichen so – und es wäre naiv, vagabundierende Reste dieses uralten Prinzips nicht auch im heutigen Rechtsstaat zu vermuten. Aber hier trifft das gar nicht zu: Der Eigentümer hat nicht nur die Macht, die Unternehmenspolitik ohne Diskussion im Management zu ändern – er hat zusätzlich sogar noch das Recht dazu.

Es waren Windmühlen, gegen die unser kaufmännischer Leiter da in die Schlacht gezogen ist. Jetzt hat er das Problem – und die Flügel drehen sich weiter …

Bei jeder strategischen Entscheidung – und dies war für den Betroffenen eine – muss man sich nicht nur fragen, ob mit einer Variante Nachteile (wie etwa Ärger) verbunden sind. Sondern auch, bei welcher Variante der Ärger größer ist. Das hat unser Beispielkandidat hier entweder versäumt oder er hat die Varianten total falsch gewichtet. Schon weil den „Ärger“ draußen niemand bemerkt hätte. Während die Arbeitslosigkeit jeder sieht.

Kurzantwort:

Der Bewerber strebt die Position eines kaufmännischen Leiters in einem Industriebetrieb an. Er hat eine solche bis vor einiger Zeit bekleidet. War dann aber durch Kündigung arbeitslos geworden. Durch eigene Kündigung, wohlgemerkt. Im Fachjargon wird das Resultat bezeichnet als „arbeitslos auf eigenen Wunsch“.

Frage-Nr.: 225
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 3
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-01-20

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