Heiko Mell

„Aus heutiger Sicht wäre ich damals besser dageblieben“

Antwort:

Der Bewerber Hans S. aus B. hatte – nach problemlos absolviertem Studium – bei einem hochrenommierten Großunternehmen angefangen. Knapp zwei Jahre später ging er wieder, wechselte zu einem völlig unbekannten kleineren Hause, blieb dort nur achtzehn Monate. Jetzt steckt er in einer merkwürdig klingenden dritten Position bei einem etwas ausgefallenen Arbeitgeber, ist dort seit einem halben Jahr tätig – und will wieder weg. Was ich aus absoluter Betrachtung verstehen kann: Der Job taugt wirklich nichts.

Mit der berufsbedingten Bosheit des Werdeganganalytikers lege ich den Finger auf die Darstellung seines derzeitigen Engagements im Lebenslauf und frage: „Und um das hier zu bekommen, haben Sie damals jenes (die erste Position beim Top-Unternehmen) aufgegeben?“ Hans S. wehrt sich: „Natürlich nicht! Aus der zweiten Position sollte doch etwas werden. Da hatten erst meine künftigen Vorgesetzten und dann ich mir große Hoffnungen gemacht, da gab es tolle Aufgaben und interessante Perspektiven. Leider kam dann alles anders.“Was sich hinter „anders“ verbirgt, ist nicht wichtig. Irgendwas ist schiefgegangen mit den hochfliegenden Plänen, wie das so geht. Und dann war Hans S. Bewerber mit einer sehr und einer extrem kurzen Dienstzeit – und bekam auf dieser Basis nur noch die „Schrottpositionen“ des Marktes angeboten. Vielleicht hatten auch mehrere Bewerbungsempfänger kein Vertrauen in seine kaum beweisbaren Begründungen für das Scheitern beim zweiten Arbeitgeber gehabt.“

Ich hätte damals nicht so schnell das Handtuch werfen und das erste Unternehmen verlassen sollen“, sinniert S. „Aber“ – Menschen, die hinterher Fehlentscheidungen verteidigen wollen, finden immer ein Aber – „es schien mir dort alles so festgefahren, verkrustet zu sein. Die Aufgabe war nicht herausfordernd, es waren keine Perspektiven erkennbar.“ Was man so sagt, hinterher.

Die Fehler unseres Kandidaten:

1. In Großunternehmen gibt es gemeinhin nach 1,5 Jahren (als der Entschluss zum Wechsel fiel) systembedingt noch keine Perspektiven. Über irgendwelche „richtigen“ Fortschritte redet man dort nicht vor drei, selten vor fünf Jahren.

 

2. Das, was man dort am Anfang tut, ist erst einmal der Einarbeitung zuzurechnen. Niemand setzt einen Anfänger (man bedenke, einen Anfänger) an „kriegsentscheidende“ Aufgaben. Der junge Mensch muss ja zumindest erst einmal zeigen, was er überhaupt kann. Das merkt man erst in Jahren. Also erwarte man von seiner ersten Tätigkeit nicht gleich die totale Erfüllung.

 

3. Da jeder Wechsel ein Experiment ist und schief gehen kann, erwirbt man vorher besser ein „Guthaben-Polster“ im Werdegang. Man bleibt beispielsweise bei einem soliden, namhaften Arbeitgeber (sofern es keinen direkten Wechseldruck gibt) eher länger als die „Norm“. Der bisherige Werdegang ist das Netz unter jenem Drahtseil, auf dem man nach einem Wechsel turnt. Stürzt man ab, freut man sich über ein solides Gewebe aus dicken Seilen mit engen Maschen.

 

4. Ob man einen Top-Arbeitgeber nach viel zu kurzer Dienstzeit freiwillig wieder verlassen soll, ist eine sehr komplexe Fragestellung – die ein Berufsanfänger mit weniger als zwei Jahren Praxis (Dinosaurier wie ich haben davon 40) gar nicht beantworten kann. Daher sollte er sich in den ersten Monaten auch gar nicht jene Frage stellen, sondern diese: „Wie schaffe ich es trotz der gegebenen Verhältnisse, aus diesem Engagement eine hervorragende Beurteilung zu erhalten – die entweder den späteren hausinternen Fortschritt fördert oder eine Grundlage für das spätere erfolgreiche Verkaufen auf dem Arbeitsmarkt bietet?“ Darum allein geht es!

 

5. Natürlich kann man das alles auch ganz anders machen – aber dann muss es auch klappen! Der Erfolgreiche darf im Rückblick gegen jede Regel verstoßen haben, der „Erfolgsarme“ besser nicht gegen eine. Ach ja: Wenn die Regeln gut sind, gibt es bei Beachtung aller kaum Misserfolge. Also muss, wer letztere hat, etwas falsch gemacht haben. Hat er meist auch.

Kurzantwort:

Der Bewerber Hans S. aus B. hatte – nach problemlos absolviertem Studium – bei einem hochrenommierten Großunternehmen angefangen. Knapp zwei Jahre später ging er wieder, wechselte zu einem völlig unbekannten kleineren Hause, blieb dort nur achtzehn Monate. Jetzt steckt er in einer merkwürdig klingenden dritten Position bei einem etwas ausgefallenen Arbeitgeber, ist dort seit einem halben Jahr tätig – und will wieder weg. Was ich aus absoluter Betrachtung verstehen kann: Der Job taugt wirklich nichts.

Frage-Nr.: 223
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 1
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-01-06

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