Heiko Mell

Der nächste Wechsel kommt bestimmt

Antwort:

In diesem Lande sind Zeugnisse eine extrem wichtige Säule der Qualifikation eines Arbeitnehmers, denn wie auf anderen Märkten auch, will ein neuer „Käufer“ der Arbeitskraft gern wissen, wie zufrieden denn andere Menschen mit dem angebotenen „Produkt“ gewesen waren. Kurz: Der mögliche neue Chef liest gern, was frühere Chefs von diesem Kandidaten gehalten haben.

Besonders interessant wäre die Beurteilung des aktuellen – heutigen – Chefs, aber die gibt es zum Bewerbungszeitpunkt noch nicht. Umgekehrt, also aus der Sicht des Arbeitnehmers, ergibt sich die Erkenntnis: „Die Beurteilung meines heutigen Arbeitgebers brauche ich für meine aktuellen Bewerbungen nicht, eine neue Position bekomme ich, normale Umstände vorausgesetzt, ohne das Zeugnis meines derzeitigen Chefs.“ Das stimmt absolut – also neigen viele Arbeitnehmer zu einer fatalen Geringschätzung dieses Dokuments. Denn man bewirbt sich aus ungekündigter Stellung, unterschreibt beim neuen Arbeitgeber den Vertrag, kündigt beim alten – und bekommt dann erst sein Zeugnis. Zu diesem Zeitpunkt hat man den neuen Job fest in der Tasche, geht eigentlich davon aus, dieses Zeugnis „vermutlich nie mehr“ zu benötigen – und schätzt es gering.

Einmal abgesehen davon, dass der neue Arbeitgeber – wenn er klug ist – dieses Dokument noch während der Probezeit nachfordert („für die Akten“), ist diese Geringschätzung aus einem anderen Grund gefährlich: „Passiert“ im neuen Arbeitsverhältnis irgendetwas, wird dieses „eigentlich gar nicht mehr so wichtige“ Dokument zur tragenden Säule der gesamten Qualifikation anlässlich der nun fälligen Bewerbungsaktion.

Ich muss hier nicht noch einmal darauf hinweisen, dass es in keinem Arbeitsverhältnis außerhalb eines Beamtenstatus noch die Sicherheit gibt, dass dem neuen – wie auch jedem „alten“ – Mitarbeiter nichts geschieht. Dieses Risiko ist ständig vorhanden und absolut systemimmanent. Also rechnen Sie in jedem Fall mit der Notwendigkeit, sich schnell wieder bewerben zu müssen.Und dann sind es zwei Kriterien, die das fragliche Zeugnis zu einem extrem wichtigen Baustein Ihrer Beweisführung („ich bin gut“) machen:

1. Es ist das letzte Dokument dieser Art, das Sie haben.

 

2. Es ist „frisch“, erst wenige Monate o. ä. alt, der dort beschriebene Mensch ist noch weitgehend derselbe, der sich jetzt bewirbt. Ältere Zeugnisse hingegen beschreiben den persönlichen und fachlichen Entwicklungsstand einer Person vor fünf oder siebzehn Jahren.

 

Fazit: Das Zeugnis vom aktuellen Arbeitgeber wird fast zu einer Art „Lebensversicherung“ für Sie. Und warum ich diese Selbstverständlichkeit hier aufgreife? Weil so oft Klienten in meiner Karriereberatung sitzen, die beispielsweise erklären:

– „Ich habe mir damals gar kein Zeugnis geben lassen, weil ich den neu gefundenen Job für endgültig hielt.“

– „Ich hatte ja die neue Position in der Tasche, da habe ich dem Dokument keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt, es schien mir nicht wichtig zu sein.“

– „Ich habe es nach Erhalt einfach abgeheftet und nicht einmal gelesen; mit Firma und Chef war ich damals fertig.“…

Kurzantwort:

In diesem Lande sind Zeugnisse eine extrem wichtige Säule der Qualifikation eines Arbeitnehmers, denn wie auf anderen Märkten auch, will ein neuer „Käufer“ der Arbeitskraft gern wissen, wie zufrieden denn andere Menschen mit dem angebotenen „Produkt“ gewesen waren. Kurz: Der mögliche neue Chef liest gern, was frühere Chefs von diesem Kandidaten gehalten haben.

Frage-Nr.: 222
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 51
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-12-17

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