Heiko Mell

Ich suche, ich erwarte, ich will

Antwort:

Das Formulieren solcher Wünsche ist ein beliebtes Thema beispielsweise in Kontaktanzeigen. Nicht dass ich in den letzten vierzig Jahren eine aufgegeben hätte, aber gelegentlich gewinnt man auch als Zufallsleser Einblicke in jenes System des Abgleichs von Angebot hier und Nachfrage dort. Beide Partnerseiten stellen ihre Forderungen, machen aus ihren Idealvorstellungen keinen Hehl.

Man darf nur nicht vergessen: Die potenziellen Liebenden sind gleichberechtigt – sie darf fordern, er darf wollen. Das nun ist bei Bewerbungen grundlegend anders: Wollen dürfen auch da beide, aber auf gleicher Augenhöhe sprechen sie nicht miteinander. Weil der eine davon Arbeitgeber ist, als Käufer auftritt und vielleicht schon tausend andere Mitarbeiter hat, während der andere ein einzelner Mensch ist und vom Status her abhängig Beschäftigter. Und so direkt feuern kann der sich bewerbende spätere Mitarbeiter seine künftigen Arbeitgebervertreter auch nicht. Die aber können ihn.

Also hat es sich in Würdigung dieser Ausgangslage eingebürgert, dass der künftige Arbeitgeber nicht nur die jeweils zu besetzende Position ausschreibt, sondern auch ziemlich exakt umreißt, wen er dafür sucht, was er erwartet. Und der sozial Schwächere auf Bewerberseite bemüht sich um den Nachweis, das genau könne er bieten. Woraufhin das Unternehmen die Einladung zum Gespräch verschickt, sofern es von den Bemühungen des Kandidaten angetan ist.

Ach ja, auch das ist ein interessanter Aspekt: Diese Einladung zum (gegenseitigen) Kennenlernen ist Sache des Arbeitgebers. Briefe von Bewerbern an Arbeitgeber des Inhalts „… erwarte ich Sie am … um … Uhr zur Vorstellung in meinen Privaträumen“ sind eher nicht üblich.

In diesem fein austarierten Kräfteverhältnis ist kein Platz für – leicht als anmaßend empfundene – Forderungen des sozial schwächeren Partners. Kürzlich las ich sogar eine Formulierung, die auflistete, was „für mein Wohlbefinden“ am Arbeitsplatz als erforderlich zu gelten hatte.

Aber auch ganz sachlich klingende Darstellungen allgemeiner Art, wie sich der Bewerber die Firma, die Aufgabe, das Betriebsklima und die Geschäftsphilosophie vorstellt, sind höchst gefährlich. Potenzielle Arbeitgeber können schon an der Tatsache Anstoß nehmen, dass der Kandidat sich überhaupt so etwas anmaßt, häufig sind aber auch die Formulierungen im Detail unglücklich. Da hat der Bewerber vor drei Monaten im Schweiße seines Angesichts formuliert: „… suche ich ein expandierendes Unternehmen, das mir durch seine erfolgreiche Wachstumsstrategie die Basis für meine positive Weiterentwicklung bietet …“ Und dann wächst das zufällig viele Wochen später mit dieser Formulierung aus dem Speicher des PC beglückte Unternehmen derzeit ausgerechnet nicht. Schon aus Gründen der Korrektheit muss der Personalchef diese Bewerbung beiseite legen: Man kann eine zentrale Forderung des künftigen Großaktionärs – ich korrigiere mich: des kleinen neuen Angestellten – nicht erfüllen.

Und besonders kritisch sind solche Formulierungen auf Lebensläufen – wo sie ohnehin nicht hingehören. „Beliebt“ sind Rubriken wie „Mein Ziel“. Und dann steht da etwas, bei dem sich der Leser ratlos am Kopf kratzt. Das hat vor einem Jahr in einem konkreten Fall, für den es kreiert worden war, einmal gestimmt. Aber jetzt passt es zur angestrebten Position wie die „Faust aufs Auge“. Nein, strafbar ist Dummheit nicht. Aber im Anforderungsprofil einer neuen Position steht sie extrem selten ….

Kurzantwort:

Das Formulieren solcher Wünsche ist ein beliebtes Thema beispielsweise in Kontaktanzeigen. Nicht dass ich in den letzten vierzig Jahren eine aufgegeben hätte, aber gelegentlich gewinnt man auch als Zufallsleser Einblicke in jenes System des Abgleichs von Angebot hier und Nachfrage dort. Beide Partnerseiten stellen ihre Forderungen, machen aus ihren Idealvorstellungen keinen Hehl.

Frage-Nr.: 220
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 49
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-12-03

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