Heiko Mell

„Unbekannt und unbeliebt“

(Anmerkung v. H. Mell: Der Beitrag erschien am 18.01.2008. Ein Student äußerte sich sehr umfassend und sehr kritisch zu dieser Serie. Eine Woche später rief ich dringend nach Zeugen dafür, dass mich auch in Karlsruhe jemand liest. Der Fall löste das weitaus umfangreichste Leserecho aus, das wir in den letzten Jahren erlebt haben. Hier eine Auswahl der zwangsläufig gekürzten Zuschriften.)

Leser A: … erschreckt mich die Vorstellung, dass das hier der Level von vielen Studenten sein könnte. Haben die „Kinder“ keine berufstätigen Eltern, die aus den Realitäten des Berufslebens berichten, wo es Vorgesetzte und Disziplin gibt?

Ich finde Ihre Beratung sehr gut und sehr wichtig. Ihre Antworten haben keine „Halbwertzeit“, sie gelten einfach.

Leser B: Dieser „Junge“ hat in seinem Leben noch nie gearbeitet. Er hat noch nie eine Nachtschicht abgeleistet, geschweige denn ein Problem gelöst. Ich kenne seinen Lebenslauf nicht, aber ich bin mir sicher, dass er versagen wird. Es wird dann an uns Steuerzahlern liegen, diesem Jungen ein Dach über dem Kopf zu gewährleisten und seine Butter zu bezahlen.

Ich bedaure zutiefst, dass Sie sich mit solch verhaltensgestörten Menschen auseinandersetzen müssen. Meines Erachtens leisten Sie mit Ihrer Arbeit einen der wichtigsten und nachhaltigsten Beiträge für die deutschen Ingenieure und die deutsche Wirtschaft.

Leser C: Seit meinem Studium, das ich vor zwanzig Jahren abgeschlossen habe, bin ich ein ständiger Leser Ihrer Serie. Ich habe viel von dem wiedergefunden, was Sie geschrieben haben. Ich erinnere mich an einen der ersten Beiträge von Ihnen, in dem ein Jungingenieur sich einen Porsche zulegte, mit dem er auf der abendlichen Heimfahrt seinen Chef in dessen Familienkutsche überholte. Sie stellten klar, dass das nicht von Vorteil für seine Karriere sein würde. Wir haben uns vor Lachen auf die Schenkel geklopft. Heute weiß ich, Sie hatten recht.

Leser D: „Oh Herr (Mell), vergib ihm, denn er weiß nicht, wovon er schwätzt …“ (auf gut Schwäbisch). Bitte lassen Sie sich nicht von einigen wenigen Grünschnäbeln von Ihrem Vorhaben abbringen, die „Spielregeln des Berufslebens“ möglichst vielen Personen bekannt zu machen. Die Jugend hat das Recht, „quer“ zu denken. Aber wenn, dann bitte sachlich und konstruktiv. Ich habe vieles von Ihren Ratschlägen und Anregungen in meinem langen Berufsleben anwenden bzw. beherzigen können und verdanke Ihnen sehr viel. Machen Sie bitte noch lange Zeit so weiter.

Leser E: Wenn das, was hier ein intelligenter Mensch zu Papier gebracht hat, dem Denken der nachfolgenden Ingenieurgeneration entspräche, könnte man von dieser Generation nicht mehr viel erwarten. Ich bewundere Ihren Langmut bei der Antwort. Personalverantwortliche sortieren solche Bolzen rechtzeitig aus, und das ist gut so. Bleiben Sie bitte bei Ihrem Stil!

Leser F: Ich bewundere Sie, dass Sie sich mit so einem kindlichen Erguss an realitätsfernem Protestgeschwätz gegen die Lebenswirklichkeit dieses pubertären Proleten überhaupt abgeben. Weiterhin viel Freude bei Ihrer sehr lehrreichen und nützlichen Karriereberatung – und möglichst wenig Belästigung durch solche Dummköpfe.

Leser G: Ob Professoren Ihre Karriereberatung lesen? Antwort: Ja. Ich bin zwar nicht aus Karlsruhe, sondern aus Saarbrücken, aber „ein wenig exzellent“ sind wir dort auch. Während des Studiums und der anschließenden Promotion haben mir die Beispiele aus der Praxis und Ihre Kommentare sehr geholfen, mich auf das Berufsleben vorzubereiten. Mittlerweile empfehle ich die VDI nachrichten und speziell Ihre Rubrik den Studierenden als eine gute Möglichkeit der Berufsvorbereitung. Also bitte weiter so! Sie mit Ihrer Rubrik und die VDI nachrichten mit interessanten Technik-Neuigkeiten!

gez. Prof. Dr. …, Universität des Saarlandes

Leser H: Der gesuchte eine Student aus Karlsruhe bin ich! Ich bin 23 Jahre alt und studiere seit fünf Semestern Maschinenbau an der Universität Karlsruhe. Ihre Karriereberatung lese ich, seit ich 17 bin. Anfangs zwar nur auf Drängen meines Vaters, mittlerweile aber doch sehr gerne. Ich finde Ihre Karriereberatung einfach klasse und hoffe, dass sie mir den Einstieg ins und die ersten Schritte im Berufsleben dann irgendwann erleichtert.

Leser I: Es gibt die Hochschullehrer aus Karlsruhe, die ihre Studenten schon viele, viele Jahre auf Ihre Karriereberatung hinweisen (s. Anlage: Bilder meines Aushangs). Außerdem habe ich dafür gesorgt, dass die Fachschaft Maschinenbau wöchentlich zwei Exemplare der VDI nachrichten gratis erhält. Leider komme ich nun nicht von der Universität. Ich bin seit über 20 Jahren an der FH und fühle mich hier sehr wohl. Ein fester Bestandteil meiner Lehre ist z. B. Ihre Karriereberatung 213: „Herr Direktor, die Firma brennt“ (erschienen als „Notizen aus der Praxis; Persönlichkeitsfragen; VDI nachrichten 24.09.2004/Nr. 39). Im Rahmen einer Lehrveranstaltung „Praxissemester“ zitiere ich Ihren Beitrag und versuche, bei den Studenten Eigeninitiative zu wecken. Auf jeden Fall wird es immer ganz ruhig – und alle überprüfen geistig ihre bisherige Firmentätigkeit. Vielen Dank!

Bitte vergessen Sie die Kritik des Studenten aus Karlsruhe. Er hat keine Ahnung! Bleiben Sie uns noch viele Jahre erhalten!

gez. Prof. Dr. …, Hochschule Karlsruhe, Technik und Wirtschaft

Leser J: Ich bin zwar nur Fernstudent und dies in Dresden, nicht in Karlsruhe. Dennoch war dies der Auslöser, Ihnen nach der 2.189. Frage zu schreiben und Ihre Arbeit zu loben. Seit 2004 begleitet mich Ihre Karriereberatung und hilft mir sehr, das System zu verstehen. Die Leserzuschrift, in der Ihnen ein Student Vorschläge zu mehr Akzeptanz gab, warf mich fast um. Kann man wirklich ein so seltsames Bild von der Praxis haben? Absolvieren Universitätsstudenten nicht auch Praktika? War die Zuschrift doch eher ein fiktiver Scherz? Oder hat mich die Praxis schon so sehr geprägt?

Kurzum: Danke für Ihre Beiträge und machen Sie so weiter! (Aber das würden Sie ja ohnehin machen.)

Leser K: Als Reaktion auf jene Frage soll diese E-Mail lediglich als Beweis dienen, dass es mindestens einen Studenten der Uni Karlsruhe gibt, der die Karriereberatung in den VDI nachrichten liest. Ich studiere im 5. Semester Maschinenbau an der Uni Karlsruhe und hoffe, ich konnte Ihnen damit einen Gefallen tun.

Leser L: … möchte ich hinzufügen, dass die VDI nachrichten, die der Einsender an der Universität Karlsruhe vergeblich gesucht hat, sowohl in elektronischer Form im Netz der Universität als auch in der gedruckten Ausgabe in der Universitätsbibliothek zur Verfügung stehen. Die Bibliothek ist für alle Interessierten 24 Stunden am Tag, auch an Sonn- und Feiertagen, geöffnet.

gez. … Oberbibliotheksrat, Universitätsbibliothek Karlsruhe

Leser M: Eigentlich haben Sie es gar nicht nötig, auf die teilweise beleidigende Kritik eines Studenten öffentlich einzugehen. Allein die Dauer Ihrer Artikelserie, aber auch die vielen anerkennenden Zuschriften von Berufskollegen aus der Praxis sind genug Beweise eines respektablen Erfolges. Es gibt zwar heute einige einschlägige Ratgeber in Buchform, aber nichts ist so lebendig wie das Gegenüber von „Frage“ und „Antwort“, ausgerichtet auf die Probleme im Berufsalltag – und wer hätte nie welche gehabt? Für bedeutend und sehr wertvoll halte ich Ihre Ratschläge zu richtigem taktischen Verhalten als Voraussetzung für Karriere.

Die oben genannte Leseranfrage stammt von dem typischen Vertreter einer „verwöhnten Generation“.

Leser N: Beim Lesen schwankte ich – Kummer eigentlich gewohnt – zwischen kopfschüttelndem „ist das denn möglich?“ und „die Typen sehen das tatsächlich so!“ Mein Gedanke am Ende des Beitrags war: Nun ja, geehrter Einsender, Ihre Ansicht hat auch was Gutes. Taugt das Elaborat doch wenigstens als Abendgebet: „Lieber Gott, bitte gib, dass dieses Machwerk das Dümmste bleibt, worunter jemals mein Name stand!“

Dass Sie sich nicht beirren lassen werden, weiß ich. Und ich freue mich sehr darüber.

Leser O: Ich bin Maschinenbaustudent an der Universität Karlsruhe im 7. Fachsemester und ein begeisterter Leser Ihrer Karriereberatung. In jeder Ausgabe der VDI nachrichten lese ich immer Ihre Karrieretipps, welche mir schon sehr viele lehrreiche Informationen für mein späteres Arbeitsleben, aber auch für mein Studium (Promotion) geliefert haben.

Ich konnte die Argumente meines Kollegen (Vertiefungsrichtung: Theoretischer Maschinenbau??) aus Karlsruhe nicht wirklich nachvollziehen. Ich fand Ihre Antwort sehr gut, Sie haben humorvoll gekontert, es auf den Punkt gebracht und es gleichzeitig mal wieder geschafft, dem Leser wichtige praxisnahe Tipps zu vermitteln. Ich kann Ihnen also hiermit versichern, dass ein Student aus Karlsruhe begeisterter Leser Ihrer Kolumne ist!

Durch Gespräche mit Kommilitonen (wie soll man sie denn auch sonst nennen??) und aus Unterhaltungen mit meinen Professoren weiß ich, dass Ihre Beratung sehr wohl an der Universität Karlsruhe bekannt ist und natürlich auch an anderen renommierten Hochschulen. Ich hoffe, mein Beitrag motiviert Sie, weitere lehrreiche und amüsante Antworten zu geben.

Leser P: Vielleicht tröstet es Sie, dass es zumindest bis Ende 1989 (Termin meiner Diplomprüfung) einen Studenten der Universität Karlsruhe gab, von dem Sie, wenn auch teilweise ungläubig, gelesen wurden. Leider konnte ich seither feststellen, dass die Realität teilweise Ihre Beschreibungen sogar noch übertrifft.

Ich kann auch verstehen, dass ein Student das nicht glauben kann oder will. Dies ist vielleicht auch gut so, allerdings sollte man Ihre Schilderungen im Hinterkopf behalten und rechtzeitig darauf zurückgreifen.

Leser Q: Vielen Dank für die Karriereberatung in den VDI nachrichten. Bitte erlauben Sie mir zwei freundliche Hinweise:

1. Ja, ich bin Master-Student (Hochschule Darmstadt, keine Universität, aber immerhin, oder?) und lese Ihrer Karriereberatung seit dem ersten Semester regelmäßig.

2. Zu Punkt 7 Ihrer Antwort zu 2.186: Ein vollkommen überflüssiger Punkt, der Ihre sonst gute Ausführung stark schwächt! Nun, der Punkt zeigt deutlich Ihre Unkenntnis über die Funktionsweise von Suchmaschinen und die Verwendung dieser „Ergebnislisten“ zum Beleg irgendwelcher Thesen oder Argumente.

(Der damalige Einsender hatte u. a. behauptet, er sei selbst überdurchschnittlich intelligent, wolle aber trotzdem nicht zur „Elite“ gezählt werden; der Begriff sei de facto „tot“. Ich hatte u. a. geschrieben, Google weise millionenfache Nennungen des Begriffes aus. H. Mell.)

Leser R: Ich studiere zwar nicht in Karlsruhe, bin aber erst 23 Jahre alt und immerhin Student an der Hochschule in Nürnberg. Ihre Karriereberatung ist immer der Teil der VDI nachrichten, welchen ich mit dem größten Interesse lese. Der Meinung meines Kommilitonen kann ich mich keinesfalls anschließen.

Jeder Student in Deutschland ist privilegiert. Auch die Studiengebühren decken kaum das Geld, welches der Staat (und damit letztlich die Gesellschaft) in uns investiert. Deswegen ist jeder Student auch in einer gewissen Pflicht, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Der Studienerfolg ist ohne ein gewisses Maß an Disziplin unmöglich zu erreichen. Warum also die Angelegenheit unnötig kompliziert machen und das Thema nicht einfach beim Namen nennen? Ich halte so einen Sprachgebrauch nicht für antiquiert, sondern einfach nur für praktisch. Auch das Wort Kommilitone ist zumindest hier in Franken durchaus gebräuchlich.

Leser S: Der Mensch ändert leider sein Verhalten nicht, wenn er nicht dauernd „in den Hintern getreten“ wird – und das denn auch noch starke Schmerzen bereitet.

Allein die Tatsache, dass besagter Leser, dessen Kommentar Sie abdruckten, diesen geschrieben hat, ist eigentlich Beweis dafür, dass dies bei ihm bereits eine gewisse Änderung bewirkt hat.

Leser T: Die Ausführungen des studentischen Lesers habe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge gelesen. Lachend deshalb, weil die Ausführungen zuerst doch recht naiv sind und von einer großen Unkenntnis des wahren Ingenieuralltags zeugen. Weinen ab etwa der Hälfte, weil dieser Schrott täglich die Bewebungsstapel verstopft und man heutzutage nur sehr wenige brauchbare Ingenieurabsolventen findet.

Ich lese die Karrierebratung seit meinem 2. Semester. Sie wurde mir von meinem Vater, ebenfalls Ingenieur, wärmstens empfohlen. Das hat mich dazu gebracht, das Studium in der Regelstudienzeit mit einem Auslandssemester abzuschließen, früh die Praxisnähe über Praktika und Diplomarbeit zu suchen und im Bewerbungsverfahren alle Türen offen stehend zu erleben.

Ich arbeite jetzt seit einer Reihe von Jahren bei BMW in München in der Entwicklung, inzwischen in der unteren Führungsebene. Die Karriereberatung hat daran einen nicht unerheblichen Anteil, da sie einen gewissen Wissensvorsprung vor anderen Neueinsteigern bietet.

Zur „Elite“: Der immer noch aktive Personalvorstand von BMW, Herr Ernst Baumann, hat uns Einsteigern damals geraten: „Sie sind Bildungselite, werden Sie Leistungselite.“ Im gerade brandneu formulierten Grundsatzpapier zur Personalpolitik taucht dieser Begriff übrigens auch auf. „Elite“ ist alles andere als tot.

Ich möchte die Karriereberatung nicht missen und wünsche Ihnen alles Gute, Gesundheit und noch viele Jahre eine scharfe Feder, die zumindest mir jede Woche großes Vergnügen bereitet.

Antwort:

Das ist noch längst nicht alles, was zu diesem Thema kam; wir hätten den „Leser Z“ mühelos erreicht – und damit das Buchstabensystem gesprengt. Aber mein Platz hier ist begrenzt.

Herzlichen Dank allen Einsendern für ihr Engagement, wir haben uns sehr, sehr darüber gefreut. Und: Es gab niemanden, der die Partei des Studenten aus Frage 2.186 ergriffen hätte. Aber ich halte es da mit dem Schlusssatz von Leser S.

 

Frage-Nr.: 2198
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 9
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-02-27

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