Heiko Mell

„Einfach alles so gemacht, wie Sie es sagen“

Antwort:

Wenn man nur lange genug wartet, hat man irgendwann einmal eine Sternstunde. So auch ich.In „grauer Vorzeit“ war ich der von den Studenten meines Abschlussjahrgangs benannte Redner auf der mehr oder minder feierlichen Veranstaltung zur Zeugnisüberreichung gewesen. Und jetzt, genau vierzig Jahre später, hatte ich die Ehre, Festredner auf der uneingeschränkt feierlichen Abschlussveranstaltung meiner alten Institution zu sein (die heute anders heißt, aber damit will ich Sie nicht langweilen). Das war auch eine Art Demonstration einer Karriere – vom studentischen zum geladenen Festredner in vier Jahrzehnten. Es hat mir viel Spaß gemacht, ich habe es gern getan. Den Studenten übrigens habe ich von einer Nachahmung abgeraten: Die Geschichte wird schlecht (weil selbstverständlich gar nicht) bezahlt – und, sehr wichtig, der Job des Festredners erschließt keinerlei Aufstiegschancen, vom „Oberfestredner“ ist keine Rede.

Aber die Veranstaltung hatte noch einen anderen Höhepunkt: Es war als einer der Vertreter der Wirtschaft eine Persönlichkeit anwesend, die bei dieser Gelegenheit bekannte, seit vielen Jahren meine Ratschläge zu lesen – und zu befolgen. Er habe, so sagte der Manager, schlicht das getan, was ich immer predige: Mindestens fünf Dienstjahre pro Firma, so etwa alle fünf Jahre eine Beförderung, klare Zielsetzung mit rotem Faden, mit 45 die angestrebte Endposition erreicht haben. Das habe nicht nur alles funktioniert, es gäbe inzwischen sogar noch einen zusätzlichen Aufstieg über die Ursprungsplanung hinaus. Und ich solle so weitermachen.

Ich habe mich ganz besonders über diese Rückäußerung gefreut. Sieht man doch an diesem Beispiel, dass das hier vertretene Konzept auch unter Langfristaspekten realistisch ist und erfolgreich sein kann. Wobei die passende Persönlichkeit auf der einen und Glück sowie geeignete Umstände auf der anderen Seite unabdingbar dazugehören.

Gern gebe ich ja zu, dass insbesondere der junge Mensch nach dem Studium, den Kopf voller Ideale und hochgesteckter Erwartungen, sich etwas schwer tut, „vorsichtshalber“ einmal diesen Empfehlungen zu folgen – von denen die Lehrer in der Schule so gut wie nie, die Professoren beim Studium auch eher nicht gesprochen haben und von denen die eigenen Eltern wegen völlig anderer Berufe oft nicht einmal andeutungsweise etwas wissen.

Sagen wir es so: Wenn das Erzielen und das Absichern eines langfristigen beruflichen Erfolges leicht wären, brauchte man ja Rubriken wie diese und Leute wie mich gar nicht.

Und da ich zu griffigen, einprägsamen Formulierungen neige – und dafür auch gelegentliche Vereinfachungen in Kauf nehme – sage ich allen, die noch jung sind: Ihre Professoren wissen alles darüber, wie man Ingenieur wird, wenig darüber, wie man „Ingenieur im Job“ bleibt und fast nichts darüber, was man tun muss, um Chef von Ingenieuren zu werden. Das ist systemimmanent so und überhaupt nicht gegen jene Wissensvermittler gerichtet. Also müssen Sie sich nebenbei anderweitig informieren, z. B. hier.

Kurzantwort:

Wenn man nur lange genug wartet, hat man irgendwann einmal eine Sternstunde. So auch ich.

Frage-Nr.: 217
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 45
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-11-04

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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