Heiko Mell

Leserreaktionen – Wenn die Leistungselite sich verstecken muss …

Anmerkung des Autors: Als Beitrag 309 der „Notizen aus der Praxis“ erschien am 06.07.2007 ein Artikel über Gymnasiasten, die ihre guten Leistungen bzw. ihre Fähigkeit dazu verstecken müssen, um Angriffen durch ein leistungsfeindliches (Mitschüler-)Umfeld zu entgehen. Er rief ein besonders starkes Echo hervor. Hier ausgewählte Leserkommentare in Auszügen.

Leser A: Ihre Betrachtungen kann ich nur bestätigen. Meine zwölfjährige Tochter war als Klassenbeste in der Grundschule ständigen Hänseleien und Repressalien ausgesetzt, wobei es anderen leistungsstärkeren Kindern der Klasse ähnlich erging. Teilweise wurden diese Entgleisungen von den Eltern gefördert. Mit dem Wechsel auf das Gymnasium hat meine Tochter ihre Lektion gelernt. Sie erhält gute schriftliche Noten. Wobei sie nie vergisst, genügend Flüchtigkeitsfehler einzustreuen, um eine sehr gute Note zu vermeiden. Damit sie nicht auffällt, beteiligt sie sich kaum mehr am Unterricht. Bis zu Ihrem Artikel hatte ich gedacht, es würde sich um ein lokales Problem handeln. Was soll nur werden, wenn diese Generation in die Arbeitswelt kommt?

Leser B: Ich war (in der DDR) selbst betroffen und habe keinen grundlegenden Unterschied zwischen Ost und West festgestellt.

Es gab schon Untersuchungen zum Thema, z. B. Klaus Boehnke: Du Streber! (Psychologie heute, Heft 2/2004). Danach handelt es sich um ein spezifisch deutsches Problem. In vergleichbaren Industrieländern wie Kanada ist die Situation völlig anders. Im Sinne des dort herrschenden Pioniergeistes werden schulische Leistungen von den Mitschülern anerkannt.

Leser C: Was ich Ihnen gerne mitteilen wollte, ist, wie gut Sie mit Ihrem Beitrag die Situation auch in unserer schwäbischen Stadt charakterisiert haben. Mein Sohn hat in der Schule weit weniger geleistet als er konnte, um nur ja nicht in der Klasse als „Streber“ zu gelten. Auch der folgende zwangsweise Wechsel vom Gymnasium auf die Realschule und der ständige Streit mit den Eltern haben ihn nicht „gejuckt“. Erst als er keine genehme Lehrstelle fand, hat er sich auf den Hosenboden gesetzt, innerhalb eines Vierteljahres den Notendurchschnitt um eine ganze Note gesteigert und die Aufnahme in ein Fachgymnasium geschafft. Er wurde einer der Besten in der Klasse und fängt jetzt mit dem Studium an.

Merkwürdig, wie sich solche Verhaltensweisen im ganzen Bundesgebiet ausbreiten. Man könnte den Verdacht bekommen, das Fernsehen sei daran schuld …

Leser D: Ihre Ausführungen über die Leistungsfeindlichkeit des deutschen Schulsystems können meine Frau und ich nur bestätigen. Unser Ältester wurde von seinen Lehrern gemobbt, für minderbegabt und verhaltensgestört gehalten, man empfahl den Besuch einer Sonderschule. Dabei war er eigentlich nur gelangweilt und unterfordert und stellte deshalb im 2. Schuljahr seine Mitarbeit ein. Wir ließen ihn eine englische Privatschule besuchen; heute spricht er drei Fremdsprachen, demnächst wird das Chinesische angegangen. Alle Noten sind „A*“ oder „A“, d. h. „sehr gut“ bis „gut“.

Bei unserem Jüngsten sind es die Eltern anderer Kinder, die sich zurückgesetzt fühlen, weil er schon Aufgaben für das nächsthöhere Schuljahr lösen darf.

Ähnliche Nachrichten erreichen uns aus der Verwandtschaft. Wie schade!

Leser E: Mir fällt eine Randbemerkung ein, die ich von einem Freund aufgeschnappt habe: „Tja, Neid ist nun mal die deutsche Form der Anerkennung.“

 

Frage-Nr.: 2153
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 34
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-08-24

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