Heiko Mell

Das Schrotschussprinzip – längst nicht jedes Körnchen trifft

Antwort:

Man müsste nach Abschluss einer größeren Jagdveranstaltung, bei der es um Enten, Rebhühner, Hasen oder ähnliches ging, einmal statistische Spielchen betreiben: Wie viele Schrotkörner wurden insgesamt in die Luft geblasen an diesem Tag – und wie viele finden sich letztlich in einem Beutetier wieder, vielleicht sogar auf diejenigen reduziert, die entscheidend zum angestrebten Erfolg führten? Das Verhältnis dürfte ernüchternd sein – da sind extrem viele Schrote „umsonst“ abgefeuert worden. Dennoch treten die Jäger demnächst unverzagt wieder an – und freuen sich über ein erlegtes Tier auf x Schrotkörner. Und x dürfte dabei ziemlich groß sein.

Sie können das Beispiel auch näher an Ihrem Beruf haben: Wer Briefkastenwerbung betreibt („Mailing“ auf Neudeutsch), freut sich über Rückläufe im einstelligen Prozent- oder eher noch Promillebereich. Angebote im Geschäftsleben führen nur in Bruchteilen zum Erfolg. Und wie sagen die berufsmäßigen Immobilienvermittler? „Maklermüh“ ist oft vergebens.“

Spätestens jetzt werde ich wohl die Frage beantworten müssen, was damit gesagt sein soll. Also dann:Es ist in vielen Bereichen des Lebens für die Betroffenen selbstverständlich, dass nur ein kleiner Teil der Bemühungen auch zum Erfolg führt – der Fachmann zuckt die Schulter, nimmt die Streuverluste in Kauf und freut sich, wenn doch gelegentlich ein paar Schrotkörnchen ihr Ziel finden.

Das Streben nach beruflichem Erfolg, nach Anerkennung, Orden und Ehrenzeichen muss ebenso gesehen werden: Sie reisen häufig zu geschäftlichen Terminen oder gar Vorstellungsgesprächen? Einhundert Mal fahren Sie eine Stunde zu früh los – um jenen einen Stau zu vermeiden, der Ihnen eine Verspätung und einen verärgerten Gesprächspartner eingebracht hätte.

Sie machen zwei Jahre lang (unbezahlte) Überstunden an drei Tagen in der Woche, bevor Sie eine Gehaltserhöhung oder eine höhere Sachverantwortung bekommen. Und sicher ist noch nicht einmal das. Sie nehmen viele Monate lang Arbeit mit nach Hause, bevor der Chef das einmal anerkennt. Sie lesen dreihundert E-Mails, Briefe, Protokollnotizen oder Präsentationen mehrfach sorgfältigst durch, bevor Sie jenen einen kapitalen Fehler finden, der Ihnen sonst geschadet hätte.

Den hohen Streuverlust müssen Sie also gelassen ertragen. Und ebenso das überlegene Lächeln des Kollegen, der gar nicht daran denkt, bei so ungewissen Gewinnchancen zu investieren. 50 Wochen lang geht der pünktlich nach Hause, hat seinen festen Termin zum Kegeln, zum Biergartenbesuch, zum Fußballtraining. Und erreicht im Betrieb das gleiche Ergebnis wie Sie mit sehr viel weniger Aufwand. Aber irgendwann im zweiten Jahr steckt der Chef um 18.30 Uhr den Kopf zu Ihrer Tür herein, ist höchst erfreut, dass Sie noch da sind und sagt: „Der Vorstand hat angerufen und nach dem Fortschritt in Ihrem Projekt gefragt. Ich muss zum Bericht. Kommen Sie am besten gleich mit.“ Dann haben Sie plötzlich Ihre heißersehnte Profilierungschance – zum Preis von etlichen Biergartenbesuchen o. ä.

Die Beispiele zeigen auch: Wenn man diesen Einsatz im beruflichen Bereich aus reinem Streben nach einem „guten Eindruck“ heraus bringt, wird das Resultat, betrachtet man Aufwand und Nutzen, nicht befriedigen.

Aber wenn ein Vorgehen in diesem Sinne Teil Ihres persönlichen Stils (geworden) ist, stehen Sie auf der sicheren Seite. Trauern Sie nicht den Schrotkörnern nach, die nicht getroffen haben, freuen Sie sich über diejenigen, die ihr Ziel finden. Die Jäger tun das auch.

Kurzantwort:

Man müsste nach Abschluss einer größeren Jagdveranstaltung, bei der es um Enten, Rebhühner, Hasen oder ähnliches ging, einmal statistische Spielchen betreiben: Wie viele Schrotkörner wurden insgesamt in die Luft geblasen an diesem Tag – und wie viele finden sich letztlich in einem Beutetier wieder, vielleicht sogar auf diejenigen reduziert, die entscheidend zum angestrebten Erfolg führten? Das Verhältnis dürfte ernüchternd sein – da sind extrem viele Schrote „umsonst“ abgefeuert worden. Dennoch treten die Jäger demnächst unverzagt wieder an – und freuen sich über ein erlegtes Tier auf x Schrotkörner. Und x dürfte dabei ziemlich groß sein.

Frage-Nr.: 214
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 40
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-09-30

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