Heiko Mell

Begeisterung – vom Facharzt bis zur Ehefrau

(Einleitung des Autors: Hartnäckig hält sich das Gerücht, ich und meine Arbeit hier – man beachte die Reihenfolge, aber es geht ja nicht um Lob, im Gegenteil – seien nicht allgemein beliebt. Ich kann, ja ich will mich deswegen nicht gleich ändern, schließlich strebe ich kein Wahlamt an. Aber Zweifel an diesem Gerücht äußern darf ich aufgrund der eingehenden Zuschriften. Sehr viele konkrete Fragen übrigens beginnen mit einem Lob, das wir meist gar nicht mehr abdrucken, aber das ich immer mit Freude lese. Da aber jeder Leser das Recht hat, auch die Meinung anderer, z. T. fachkompetenter Nutzer unserer Karriereberatung zu erfahren, hier eine repräsentative Auswahl allgemeiner Zuschriften aus der jüngsten Zeit.)

Leser A: Ihre Beantwortung der Frage 2067 (Anfangsdreißiger erwägt, nach erster Führungspraxis jetzt wieder rein fachorientiert zu arbeiten, d. Autor) möchte ich meisterhaft nennen, wenn nicht Ihre sämtlichen Beiträge meisterhaft wären. Aus meiner Sicht, das ist die eines Facharztes für Psychotherapeutische Medizin, ist Ihre Antwort einfach perfekt.

Leserin B: Zunächst möchte ich Ihnen für Ihre guten Ratschläge danken. Ich hatte mich mit Frage 1952, „Wenn der Chef fragt, wie lange man noch bleibt“, an Sie gewandt. Ihren Rat habe ich weitgehend befolgt und so den Stellenwechsel gut bewältigt. Nachdem ich über mehrere Wochen Zeitungen und das Internet durchsucht hatte, hatte ich eine Stellenanzeige gefunden, die sehr gut zu mir passte. Sowohl für den telefonischen Kontakt als auch für Bewerbung und Vorstellungsgespräch habe ich mir die Anregungen aus Ihrer Serie und von Ihrer Homepage zu Herzen genommen und die Stelle bekommen. Diesen Erfolg rechne ich nicht zuletzt Ihnen an. Mein damaliger Vorgesetzter ist mir (soweit das überhaupt zu erreichen war) nicht gram und meinte, ich solle mein Zeugnis selbst abfassen, es könne ruhig sehr gut sein.

Leser C: Ihr (als Extrakt meiner Aussagen in dieser Serie geschriebenes, d. Autor) Buch „Spielregeln für Beruf und Karriere“ bildet die berufliche Realität sehr gut ab und ist jedem Absolventen einer Universität oder Fachhochschule als Lektüre zu empfehlen.
Das Gleiche gilt für die mit feinem Humor formulierte „Karriereberatung“ in den VDI nachrichten, die zu lesen trotz der mitunter bitter ernsten Themen zudem Vergnügen bereitet.

Ich spreche aus Erfahrung sowohl als Angestellter/Führungskraft als auch in der Rolle desjenigen, der über die Besetzung von Stellen in Unternehmen (mit) zu entscheiden hat.

Leser D: Da ich in meiner Studienzeit auch ein skeptischer Leser war, inzwischen meine Meinung jedoch grundlegend geändert habe, möchte ich die Hintergründe meines Meinungswandels schildern:

Ich war Student im 2. Semester und noch mit reichlich Idealen ausgestattet. Diese haben sich aber nicht so recht mit Ihren Schilderungen vertragen. Sich mit 19 Jahren einzugestehen, dass andere (und zudem ältere) Personen recht haben könnten, war nicht gerade meine Stärke. Deshalb durften Sie nicht recht haben – und selbst wenn: Sobald ich erst mal in dem Laden angefangen habe, würde ich den ohnehin gehörig umkrempeln.

Beim ersten Praktikum in der F&E-Abteilung eines Weltkonzerns war es regelrecht schockierend, wie präzise manche Schilderung von Ihnen zutraf. Nach einem Auslandspraktikum bei einem zweiten Weltkonzern habe ich mir überlegt, ob Sie nicht vielleicht doch recht haben könnten.

Als dann die Diplomarbeit – wieder beim ersten Konzern – anstand, habe ich beschlossen, davon auszugehen, dass Sie vollständig recht haben. Es war eine kluge Entscheidung. Bei Abschluss meines Studiums vor zwei Jahren hatte ich meine Meinung über Ihre Serie geändert. Ich erlebe jetzt täglich, dass es tatsächlich so zugeht.

Ich habe mit 25 Jahren immer noch viele Ideale. Nur heißt „ideal“ in zunehmendem Maße „ideal zum System passend“. Sie helfen dabei, dass das Verständnis für das System nicht erst durch schmerzhafte Erfahrungen entsteht, sondern schon vorher durch simples Lesen.

Leserin E: Als Ehefrau eines Ingenieurs habe ich regelmäßig Zugang zu den VDI nachrichten und bin jede Woche gespannt auf Ihre Seite. Ich bewundere Ihre scharfsinnigen Analysen und wohlformulierten Antworten, die mich immer wieder staunen und gelegentlich schmunzeln lassen. Insofern stimme ich dem Verfasser eines früheren Leserbriefs (2.045) zu. Wenn er jedoch meint, die meisten Leser würden diese Beratung „überhaupt nicht richtig zu schätzen wissen“, irrt er. Wie sonst ließe sich der Erfolg Ihrer Karriereberatung erklären, wenn er nur einer auserlesenen Gesellschaft von Nutzen wäre? Selbst einer völlig fachfremden Leserin wie mir (selbstständig tätig), die keinerlei Ambitionen auf eine Ingenieur-Karriere hegt, geben Ihre Ausführungen immer wieder neue Denkanstöße.

Antwort:

Danke für diese netten und mich weiter motivierenden Zeilen.

Frage-Nr.: 2090
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 4
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-01-25

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