Heiko Mell

Lesen – aber richtig

Antwort:

Leider zeigt die tägliche Praxis, dass Bewerber in der Regel das wichtigste Dokument eines Bewerbungsvorgangs, nämlich das Stellenangebot, eigentlich eher nicht lesen. Nach 35 Beraterjahren neige ich dazu, dies als unabänderlich einzustufen.

Daher folgen jetzt hier überraschenderweise auch keine besonderen Ermahnungen in dieser Richtung. Nein, ich stehe Bewerbern auch weiter gern am Telefon zur Verfügung und beantworte Fragen, indem ich vorlese, was dazu in der Anzeige steht. Und ich lese dann gern Bewerbungen, die klare Forderungen meines liebevoll-engagiert entstandenen Textes ignorieren und im Übrigen eine Qualifikation offerieren, die mit dem Anforderungsprofil etwa so viel zu tun hat wie … – ach, denken Sie sich selbst etwas dazu aus.

Anzeigen lesen die meisten Bewerber also wohl eher nicht, schon gar nicht bis zu Ende und absolut nicht sorgfältig. Na schön, leben wir für heute damit.Wenn diese Bewerber jetzt wenigstens dabei blieben, könnte man sich darauf einstellen. Aber sie verändern ihr Verhalten im Laufe des Prozesses: Kommt dann eines Tages die Absage (die statistische Wahrscheinlichkeit dafür ist extrem hoch), dann wird deren Text nicht nur gelesen, er wird im Detail analysiert und interpretiert.Häufig sind erfolglos gebliebene Bewerbungen Gegenstand meiner Karriereberatungsgespräche. Den Unterlagen liegen Absagebriefe bei. Und dann registriere ich immer wieder verblüfft, welche Aussagen die Kandidaten den einzelnen Sätzen beimessen. Wie sie einen davon als Basis nehmen für Überlegungen, woran sie gescheitert sein könnten und aus einem anderen Hoffnungen ableiten, dass es doch fast geklappt hätte.

Dabei ist es – von mir allerdings unbekannten, aber immerhin denkbaren Ausnahmen angesehen – in diesem Lande absolut nicht üblich, in Absagen auch nur teilweise die Wahrheit zu sagen. Die Gründe dafür sind ebenso vielfältig wie nachvollziehbar.

Absagetexte sind in der Regel Speicherformulierungen, die auf Knopf- oder besser Tastendruck abgerufen werden. Gehen Sie davon aus, dass oft auch das nicht stimmt, was anscheinend klar gesagt worden ist: Selbst wenn es heißt, „wir haben uns leider für einen Mitbewerber entschieden“, kann in Wirklichkeit die Position immer noch offen sein usw.

Die Unternehmen wollen lediglich nett und höflich sein. Schließlich gilt es, ein Image auf dem Markt aufzubauen und/oder zu verteidigen. Mehr ist nicht!

Alles, was Sie in der Regel aus einem Absagebrief entnehmen können ist, dass man sich nicht für Sie entschieden hat. Warum auch immer.Wenn Sie lesen, dabei analysieren und interpretieren wollen, nehmen Sie die Anzeige als Objekt der Begierde. Das wäre des Schweißes der Edlen wert (nach Klopstock, um 1750)!

Kurzantwort:

Leider zeigt die tägliche Praxis, dass Bewerber in der Regel das wichtigste Dokument eines Bewerbungsvorgangs, nämlich das Stellenangebot, eigentlich eher nicht lesen. Nach 35 Beraterjahren neige ich dazu, dies als unabänderlich einzustufen.

Frage-Nr.: 209
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 34
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-08-23

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