Heiko Mell

In zehn Jahren vom frustrierten Anfänger zum GM

In Ihrer Antwort zur Frage 1.118 vom 19. April 1996(!) baten Sie mich darum, Ihnen in zehn Jahren meine Visitenkarte zuzusenden; Sie wollten dann sehen, ob auf dieser Karte etwas steht, das meinem Potenzial entspricht.

Mit diesem Schreiben möchte ich Ihrer Bitte nachkommen.

Ihre zentrale Aussage zu meiner damaligen Frage war uneingeschränkt richtig. Was mich damals bewegte, erwies sich tatsächlich als eine Chance. Die Vorfälle waren eine Episode und aus heutiger Sicht nicht wirklich bedeutend.

Ihrem Rat bin ich gefolgt und habe das Unternehmen damals nicht verlassen. Für meinen weiteren Werdegang war dies eine wichtige Entscheidung, die ich bis heute nicht bereut habe.

Der Zeitungsausschnitt mit Ihrer Antwort ist inzwischen vergilbt. Der Inhalt ist jedoch auch heute noch aktuell und richtig.

Ich wünsche Ihnen für Ihre weitere Zukunft Gesundheit und Zufriedenheit. Mir und den anderen Lesern der VDI nachrichten wünsche ich noch viele Ihrer spannenden Beiträge in der Karriereberatung.

Antwort:

Wie waren Sie damals, frisch promoviert, in Ihrer ersten Anstellung verzweifelt! Nur ein kleines Zitat aus Ihrem damaligen komplexen Fall: „… fehlt die Unterstützung durch meinen Chef oder die Geschäftsführung. Der dahinter verborgene tiefere Sinn dieses Verhaltens ist mir bis jetzt verborgen geblieben.“ Sie fühlten sich allein gelassen, überfordert, waren enttäuscht, sprachen engagiert über ein vorliegendes Wettbewerbsangebot mit + 34 % im Gehalt und in Aussicht gestellter Beförderung nach zwei Jahren.

Ich riet ab, wie Sie schon erwähnt haben: „Arbeiten Sie dort insgesamt mindestens drei Jahre konzentriert durch, bringen Sie Erfolge und sichern Sie sich … eine Top-Beurteilung.

„Sie haben es dort auf gut fünf Jahre gebracht und haben aus dieser Zeit ein Zeugnis auf dem Briefkopf eines deutschen Spitzenkonzerns beigefügt, in dem von „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“, von „sehr guten Führungseigenschaften“, von einer „Führungskraft, deren Fähigkeiten sich auf einen weiten Bereich erstrecken“, vom „Verlassen auf eigene Wunsch“ und von „umso mehr bedauern wir, dass er unser Unternehmen … verlässt“ die Rede ist.

Da zeigt sich doch schon ein guter Teil Ihres von mir vermuteten Potenzials! Und heute? Natürlich liegt Ihre aktuelle Visitenkarte bei: „Deputy General Manager“ heißt es dort, genannt ist die Europa-Tochter eines namhaften ausländischen Konzerns.

Ich gratuliere Ihnen. Für solche Resultate schreibe ich hier. Danke, dass Sie sich nach so vielen Jahren noch an die Vorgeschichte erinnern und so nett reagieren.

Und jetzt, liebe Leser, hänge ich hier schnell noch eine andere Episode an, in der ein damals junger Mensch mit dieser Serie vertraut gemacht worden ist und das bis heute nicht vergessen hat. Das Leben spielt sich schon auf kuriosen Wegen ab, mitunter.

Vor mir sitzt ein inzwischen erfahrener Dipl.-Ingenieur, der in der persönlichen Karriereberatung meinen Rat sucht, wie er das in der Vergangenheit gelegentlich schon getan hat. Heute aber hat er ein „Bonbon“ für mich. Warum er damit erst heute herausrückt, bleibt offen:

„1985 hatte ich mein Grundstudium abgeschlossen und absolvierte ein Praktikum. Dabei war ich an eine eindrucksvolle Chef-Per­sönlichkeit geraten: einen durch und durch hanseatischen Unternehmer, der auch ‚sp’ und ‚st’ so sprach, wie man es mitunter von in der Wolle gefärbten Hamburgern hört. An einem Freitag rief er mich in sein gepflegt-re­präsentatives Büro. Auf dem Schreibtisch lag allein ein aufgeschlagenes Exemplar der VDI nachrichten. Er zeigte auf die ‚Karriereberatung’ und bedeutete mir, diesen Beitrag, der für mich sehr wichtig wäre, laut vorzulesen.

Danach durfte ich gehen, ermahnt durch ein “Sie müssen noch viel lernen, junger Mann’.

Das wiederholte sich jeden Freitag, solange mein Praktikum andauerte. Und stets kam jene Ermahnung am Schluss.

Ich habe diese “Karriereberatung’ gehasst! Einmal glaubte ich als Student ohnehin nicht, dass die Praxis so sein könnte (heute weiß ich es besser), aber dann hat natürlich auch die Zwangsbeschäftigung (lautes Vorlesen!) mit diesem Thema zu einer soliden Abneigung beigetragen.

„Das hat offenbar nicht angehalten. Später las er dann freiwillig wieder (vorzugsweise leise, unterstellen wir einmal) und fand Gefallen daran.

Mein Kompliment gilt dem damaligen Chef. Der hatte die Defizite im Wissen um die Spielregeln bei seinem jungen Praktikanten wohl erkannt und zum Ausgleich derselben zu einer ungewöhnlichen Methode gegriffen. Das Resultat: Alle Details aus Studium und Praktika hat der heutige Anfangsvierziger inzwischen vergessen, immerhin sind zwanzig Jahre vergangen. Aber die seltsame Art der Informationsvermittlung ist ihm im Gedächtnis geblieben. Und geholfen hat das alles auch noch – meinem Gesprächspartner geht es beruflich gut, er schaut nur, ob es ihm nicht noch besser gehen könnte. Was will man mehr?

Frage-Nr.: 2052
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 36
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-09-09

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