Heiko Mell

„Das eben ist der Fluch der bösen Tat, …

Antwort:

…, dass sie fortzeugend Böses muss gebären.“ Wie Recht Schiller doch hatte (Octavio in „Die Piccolomini“) – und wie gleichbleibend doch ist, was sich im Umfeld menschlichen Tuns so abspielt. Und lange vor Schiller hatten große Geister schon Ähnliches formuliert.

Für uns interessant: Es gilt uneingeschränkt auch heute noch, nicht nur, aber eben auch im Umfeld unseres Themas. Und es zeigt einmal mehr, dass man gar nicht vorsichtig genug sein kann.

Was ist nun eine „böse Tat“ im obigen Sinne? Ein Angestellter hat, so die allgemeine Auffassung, geschmeidig und vor allem reibungslos zu „funktionieren“. Neben guter Sacharbeit, versteht sich. Um es anders auszudrücken: „Ärger“ zu haben, zu machen, in solchen verwickelt zu sein, ist verpönt.

Solcher mit dem Chef an erster Stelle. Und um es ganz deutlich zu sagen: Es kommt nicht darauf an, wer Recht hat. Das von Ihnen gekaufte Auto soll ja auch auf Schlüsseldreh anspringen, ob Ihr Fahrtziel nun nach höheren Maßstäben sinnvoll ist oder nicht. Sie haben bezahlt, Sie entscheiden, wo es langgeht, Sie wollen einwandfreie Funktionen. So ähnlich denkt auch Ihr Arbeitgeber (über Sie, nicht über sein Auto).

Wer als Mitarbeiter innerhalb eines laufenden Arbeitsverhältnisses jenen „Ärger“ hat, fühlt sich eigentlich schon durch die kurzfristigen Auswirkungen hinreichend gestraft dafür: entgangene Beförderungschancen, schlechte Beurteilungen mit dem Effekt, später ein schlechtes Zeugnis zu bekommen, eine blockierte Gehaltsentwicklung und sogar die schwebende Drohung einer Entlassung sind schlimm genug.

Aber sie sind allzu oft nicht alles! Probleme dieser Art können Sie noch viele Jahre später (mehr als zehn habe ich schon erlebt) wieder einholen: Da liegt Ihre Bewerbung 2009 bei einem Unternehmen, bei dem Sie eine Managementposition anstreben. Und der Entscheidungsträger erinnert sich, dass er doch neulich auf einem Seminar den Geschäftsführer Ihres alten Arbeitgebers getroffen hat. Und schon ruft er den an. Der sagt dann, Sie hätten damals „eine Menge Ärger gemacht“, seien praktisch zum Wechsel gedrängt worden. Oder Sie hätten – noch subtiler – keine Leistung gezeigt, „nichts gebracht“, Ihre Vorgesetzten enttäuscht und dergleichen.

So sicher wie das Amen in der Kirche lehnt der Bewerbungsempfänger daraufhin Ihr Bemühen um den Job dort ab. Denn: Gutes über andere will der Mensch bewiesen haben, Schlechtes hingegen glaubt er sofort.

Was wiederum den Rat zur Folge hat: Sie sind frei in der Wahl Ihres Arbeitgebers. Aber wenn Sie irgendwo hingehen, übernehmen Sie im ureigenen Interesse praktisch die Verpflichtung, die Vorgesetzten dort dauerhaft für sich zu begeistern. Das ist Teil Ihrer Rolle als „abhängig Beschäftigter“.

So manche unvermutet kommende Absage auf eine Bewerbung findet hier ihre Erklärung. Aber das Prinzip der „schlechten Information“ über Sie schlägt auch durch, wenn Sie schon zwei Jahre dort sind und sich alter und neuer Chef beim Golf treffen. Plötzlich sieht letzterer Sie mit ganz anderen, kritischeren Augen. Mit den üblichen Konsequenzen.

Natürlich gilt zusätzlich: Je enger die Branche, desto enger die Kontakte auf höchster Ebene über Firmengrenzen hinweg.

Kurzantwort:

…, dass sie fortzeugend Böses muss gebären.“ Wie Recht Schiller doch hatte (Octavio in „Die Piccolomini“) – und wie gleichbleibend doch ist, was sich im Umfeld menschlichen Tuns so abspielt. Und lange vor Schiller hatten große Geister schon Ähnliches formuliert.

Frage-Nr.: 203
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 26
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-06-24

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