Heiko Mell

Beim zweiten Mal wird vieles schlechter

Antwort:

Wenn aus hundert Bewerbern sieben für ein Vorstellungsgespräch ausgewählt werden, dann „überleben“ diesen persönlichen Kontakt meist nur zwei davon, höchstens drei. Diese Kandidaten „kämen in Frage“, sind aber oft noch ziemlich gleichberechtigt im Rennen.

Was auch bedeutet: Die Arbeitgebervertreter können sich auf dieser Basis noch nicht so recht entscheiden, wer das Vertragsangebot erhalten soll. Es gibt in diesem Stadium sogar ausgesprochen „tote Rennen“. Was also kann man tun, um eine klarere Rangreihe aufstellen zu können? Man macht schlicht das Gleiche noch einmal – die verbliebenen Kandidaten werden zum zweiten Gespräch gebeten. Und danach? Danach fällt die eindeutige Entscheidung! Die Prozedur gilt übrigens auch, wenn von Anfang an nur ein Bewerber übrig blieb – dann dient das zweite Gespräch mit ihm der Überprüfung oder Absicherung des Eindrucks aus dem Erstkontakt.

Dieses System funktioniert! Dabei ist klar: Würde das zweite Vorstellungsgespräch fast immer nur die Resultate aus dem ersten bestätigen, gäbe es keinen Anlass dazu – dann wäre „außer Spesen nichts gewesen“. Das aber ist nicht zu befürchten – das „zweite Mal“ bringt hinreichend oft neue, zusätzliche, wichtige Eindrücke. Und das nur, weil die Kandidaten dann ein „anderes“ Bild hinterlassen, anders auftreten, anders agieren oder reagieren.

Nun könnte „anders“ ja auch „besser“ bedeuten – aber das kommt kaum vor. Die Bewerber, die schon vorher schlecht waren, werden gar nicht mehr eingeladen. Wer zum zweiten Gespräch gebeten wird, braucht also tatsächlich nicht besser zu sein als beim Erstkontakt – ebenso gut zu sein reicht grundsätzlich völlig aus.

Tatsächlich jedoch rutschen viele Kandidaten beim zweiten Mal völlig ab, versagen in den Augen der Beurteiler total, hinterlassen Kopfschütteln statt Begeisterung. „Wie ausgewechselt“, heißt es dann auf Firmenseite. Diese Erfahrungswerte sind so gesichert, dass jedem Entscheidungsträger nur geraten werden kann: Keine Festlegung auf einen Bewerber ohne zweites Gespräch (mit und bei jemandem, der auch das erste geführt hat; am besten: selber Ort, identischer Personenkreis).

Warum liefern Bewerber so oft so unterschiedliche Bilder von sich? Ich bin auf Spekulationen angewiesen: Die Tagesform ändert sich. Oft ist der Kandidat inzwischen in einer anderen Situation: „Damals“ drohte bloß die Entlassung, inzwischen ist er „draußen“; beim Erstgespräch träumte er noch vom aussichtsreichen Kontakt mit der XY AG, inzwischen hat die ihm abgesagt. Oder er zeigte seinerzeit großes Engagement und bemühte sich um diesen Job, inzwischen glaubt er, den sicher in der Tasche zu haben. Damals „bewarb“ er sich, jetzt sieht er sich – fälschlicherweise – schon auf einer Ebene mit den vorher respekteinflößenden Gesprächspartnern.Fazit: Wenn Sie zum zweiten Gespräch anreisen, seien Sie gewarnt – und möglichst so gut wie bei Ihrem ersten Besuch in diesem Hause.

Kurzantwort:

Wenn aus hundert Bewerbern sieben für ein Vorstellungsgespräch ausgewählt werden, dann „überleben“ diesen persönlichen Kontakt meist nur zwei davon, höchstens drei. Diese Kandidaten „kämen in Frage“, sind aber oft noch ziemlich gleichberechtigt im Rennen.

Frage-Nr.: 200
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 17
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-04-22

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