Das „Nichts“ als Waffe

Antwort:

Ich muß früher ein nicht immer angenehmer Diskussionspartner gewesen sein (lassen Sie mir die Illusion, das habe sich zum Positiven hin gebessert). Das Argument war Waffe, das einzig denkbare Ziel der verbalen Auseinandersetzung war Sieg.Den konnte ich denn auch oft erreichen – leider, wie ich heute weiß. Denn die Siege waren meist nur (gesprächs-)taktischer Natur, der geschlagene Gegner zog sich grollend zurück und sann auf Rache. Strategisch war ich oft schlechter dran als vor dem „Sieg“.Irgendwann bin ich auf ein ganz anderes taktisches Instrument gestoßen: das „Nichts“ als „Waffe“, die dann eigentlich schon keine mehr ist. In einer beruflich wichtigen Auseinandersetzung das entscheidende Argument zu haben, das Ihnen den Sieg und dem anderen die Niederlage bringen muß – und es nicht zu verwenden, verhilft oft zum eigentlichen, zum strategischen Sieg. Den anderen, den Chef, Kunden, Kollegen im Projekt mit voller Absicht durch Zurückhaltung gewinnen zu lassen, kann in entscheidenden Situationen den Durchbruch bringen.Eine junge Ingenieurin war in einem großen Konzern zuständig für die Koordinierung unterschiedlicher Abteilungsinteressen innerhalb eines Projekts. Und gerade die „alten Haudegen“ auf Abteilungsleiterebene gingen zu ihren Vorhaben auf Konfrontationskurs, widersetzten sich ihren Sachvorschlägen, torpedierten ihre selbstgesteckten Ziele, trieben sie schier zur Verzweiflung.Ich fragte sie, was denn ihr Chef in diesem Punkt von ihr erwarte. „Eigentlich nichts, Hauptsache, es gibt keinen Ärger.“ Für mich lag die Lösung auf der Hand: „Dann machen Sie eben dieses ““““Nichts““““. Verzichten Sie auf Ziele, die man von Ihnen gar nicht verlangt. Berufen Sie Ihre Sitzungen ein, produzieren Sie engagiert ““““gepflegten Leerlauf““““. Lassen Sie alle reden, halten Sie alles im Protokoll fest, bitten Sie Gegner um ausführliche, am besten schriftliche Stellungnahmen. Hängen Sie dem ärgsten Widersacher die Aufgabe an, auf Basis seiner Ideen einen Konsens zu finden – und lehnen Sie sich ruhig zurück. Und dann berichten Sie Ihrem Chef, es liefe prächtig.“Natürlich geht das nicht immer. Und nie darf aktives „Nichts tun“ mit simplem Nichtstun verwechselt werden. Aber die Erfolge sind oft verblüffend. Probieren Sie es aus.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 49
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-12-10

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