Heiko Mell

Die Wahrheit ist oft schlecht verborgen

Antwort:

Es hat sich herumgesprochen: Der anspruchsvolle Bewerber soll sein Anschreiben textlich auf die Zielposition ausrichten. Und das tut er dann auch. Jedenfalls mitunter.Die Anzeige verlangt schwerpunktmäßig spezielle Erfahrungen im Bereich XYZ? Also steht im Anschreiben ein Absatz, der sich exakt damit auseinandersetzt. So gehört es sich! Oder sagen wir besser: So ist es verkaufstaktisch optimal – man zeige dem „Kunden“, dass man genau und vor allem sein Problem lösen kann. Dann erkennt dieser beim Lesen, dass hier jemand auftritt, der gerade das mitbringt, was gesucht ist. Hoffentlich.

Denn, das weiß natürlich auch der Adressat der Bewerbung: Papier ist grundsätzlich geduldig. Ein wenig Misstrauen gegen Aussagen des Bewerbers ist schon aus professioneller Sorgfaltspflicht heraus angebracht. Es wäre doch schön, wenn man diese vollmundige Darstellung zum fraglichen Thema zumindest einer groben Grundkontrolle unterziehen könnte. Tatsächlich: Man kann!

Nehmen wir ein Beispiel: Die Anzeige legt in der Aufgabenbeschreibung den deutlichen Schwerpunkt auf Projekterfahrung im internationalen Rahmen – Internationalität ist gefragt. Es geht um Verständnis für Partner aus anderen Kulturen, natürlich auch um Sprach- und Landeskenntnisse ganz allgemein.

Er sei, so schreibt der Bewerber, geradezu entzückt von dem Profil, sei doch Internationalität absolut dominierend in der heutigen Position. Ständig arbeite er in internationalen Projekten hautnah mit ausländischen Kunden, Lieferanten und konzerneigenen Institutionen zusammen, gebrauche sein Englisch täglich und sei eigentlich pausenlos in Europa unterwegs.

Das klingt doch schon einmal sehr gut! Und dann schlägt der von Berufs wegen misstrauische Analytiker – nein, noch nicht zu, aber doch schon einmal den Lebenslauf auf. Rubrik: Darstellung der heutigen Position. Da steht die Positionsbezeichnung, da gibt es eine Strichaufzählung der wichtigsten (darf man wohl annehmen) Tätigkeiten. Alles vorbildlich – aber die Wörter „international“, „Ausland“ und „Englisch“ kommen nicht einmal vor, geschweige denn, dass sie etwa dominierten.

Und jetzt ist für den Leser die Geschichte klar: Der Lebenslauf ist in den Augen des Bewerbers eine Sachdarstellung, eine Faktensammlung. Irgendwann hingeschrieben, aus dem Gedächtnis heraus aufgebaut, dem tatsächlichen Berufsalltag entsprechend. Und nie wieder überarbeitet („warum auch; so ist es eben und geändert hat sich doch nichts“).

Aber nun entlarvt die nüchterne Darstellung im Lebenslauf den tapferen Versuch, im Anschreiben „Punkte zu machen“, als reine Aufbauscherei.

Woraus sich die Regel ergibt: Wenn man seine Bewerbung auf die Zielposition ausrichtet, dann ist stets auch der Lebenslauf mit in die individuelle Überarbeitung einzubeziehen (und wenn man z. B. in einem Einzelfall einmal die hohe Zahl unterstellter Mitarbeiter weglässt, weil die Anzeige den Verdacht nährt, in der Zielposition könnten es deutlich weniger sein).

Sagen wir es technisch: Anschreiben und Lebenslauf sind wie zwei Zahnräder, die problemlos ineinander greifen müssen: Wer eines verändert, muss auch das andere neu definieren.

Kurzantwort:

Es hat sich herumgesprochen: Der anspruchsvolle Bewerber soll sein Anschreiben textlich auf die Zielposition ausrichten. Und das tut er dann auch. Jedenfalls mitunter.

Frage-Nr.: 195
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 14
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-04-02

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