Heiko Mell

An ihren Spuren sollt ihr sie erkennen

Antwort:

Nehmen wir einmal an, ein Unternehmen sucht per Anzeige einen Abteilungsleiter für das Fachgebiet X. Dann wird es etwa fordern: ein „erfolgreich abgeschlossenes Studium“ einer bestimmten Fachrichtung, „mehrere Jahre Berufspraxis im Fachgebiet X“, „Führungserfahrungen“ und noch ein paar eher allgemeine Eigenschaften.

Zusätzlich gilt unausgesprochen(!): Die Berufspraxis möge bitte aus einem Unternehmen kommen, das dem Typ des suchenden Hauses möglichst nahe kommt, die Dienstzeiten mögen im Rahmen der üblichen Erwartungen liegen (keine häufigen Wechsel), das Alter möge zum Anforderungsprofil passen (wer mit 52 kein Abteilungsleiter ist, wird auch keiner mehr); wenn aus der Anzeige irgendwie ein besonderes „Format“ als Anforderung erkennbar wird, dann muss auch der Werdegang mit seinen Erfolgen(!) das unterstreichen, die Zeugnisse mögen bitte möglichst gut sein, zumindest aber nicht zu Bedenken Anlass geben.

Das alles ist – für den Fachmann mehr, für den betroffenen Bewerber eher weniger – eigentlich selbstverständlich. Für letzteren beginnt das Problem, wenn er seine Unterlagen zusammenstellt: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Mappe – alles irgendwie korrekt, aber häufig auch irgendwie unbefriedigend. Wo, so denkt er, bleibe ich hinter diesen seelenlosen Fakten und immer wieder gleichen Dokumenten? Ich gehe doch mit meiner Zuschrift in einem großen Haufen Papier auf dem Schreibtisch des Empfängers einfach unter, werde dort zur „Nummer“.

Jetzt habe ich mein ganzes bisheriges Leben intensiv um eine angemessene Ausbildung gerungen, mich erfolgreich um Anstellungen bemüht, dort um sachliche Erfolge gekämpft und gegen harten Wettbewerb den Aufstieg erreicht, habe Niederlagen teils durchgestanden, teils abgewendet und kann auf Siege verweisen. Wo bleibt die individuelle Note, wird überhaupt meine ganz spezielle Persönlichkeit deutlich? In einer Mappe, die aussieht wie alle, in einem Brief und einem Lebenslauf, der statt all der Details, die ich geprägt habe und die mich geformt haben, nur ebenso dünn und letztlich nichtssagend ist wie die anderen? Und müsste man nicht sehr viel deutlicher machen, dass hier nicht irgendwer auftritt, sondern dass dahinter ich stehe: die besondere Persönlichkeit?

Ein klares Nein auf die letzte Frage, aber Verständnis für die Gedanken davor!

Der Wunsch nach Unterstreichung der Individualität ist berechtigt – aber das klassische Verfahren erfüllt ihn absolut ausreichend! Denn die Empfänger wissen, welche individuelle Leistung hinter dem Abitur mit 1,8, dem kurzen Studium mit Auslandssemestern und brillantem Examen, den anspruchsvollen beruflichen Stationen mit den schnellen Beförderungen und den hervorragenden Zeugnissen steckt.

Der Bewerber hatte mehrere Jahrzehnte Zeit, Spuren zu hinterlassen, die jetzt „gelesen“ werden. Wenn er überdurchschnittlich gut ist, werden diese Spuren das bestätigen. Tun sie das nicht, hilft auch keine Auslassung über Lebens-, Berufs- oder Wirtschaftsphilosophie – und schon gar kein übergroßes Foto, verbunden mit einer massiv Eigenlob atmenden Selbstbeurteilung.

Vor dem Eintritt in die Bewerbungsphase ist die Zeit, um sich zu profilieren. 20 oder 30 Jahre lang. Dann ist der Zug davongefahren …

Kurzantwort:

Nehmen wir einmal an, ein Unternehmen sucht per Anzeige einen Abteilungsleiter für das Fachgebiet X. Dann wird es etwa fordern: ein „erfolgreich abgeschlossenes Studium“ einer bestimmten Fachrichtung, „mehrere Jahre Berufspraxis im Fachgebiet X“, „Führungserfahrungen“ und noch ein paar eher allgemeine Eigenschaften …

Frage-Nr.: 193
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 9
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-02-27

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