Heiko Mell

Zu wissen, was ich kann

Antwort:

Niemand beherrscht alles gleichermaßen gut – zum Glück, sonst würden die anderen ihn erschlagen. Denn der Mensch erträgt keine Vollkommenheit. Deshalb sollte er sie bei sich selbst auch gar nicht erst vermuten.Nein, dies wird kein allgemeiner Hinweis auf die allfällige Stärken- und Schwächenanalyse. Hier geht es um eine ganz spezielle aus der letztgenannten Kategorie.

Wenn man sehr viele Jahre lang nahezu täglich Lebensläufe liest – dann verliert man nicht nur einen Teil des Glaubens an die Menschheit, man erkennt auch verschiedene Gesetzmäßigkeiten. Darunter diese: Manche bis recht viele Menschen haben offensichtlich kein Glück mit ihren Entscheidungen, die sie treffen. Oder volkstümlich: Sie greifen mit sicherem Instinkt jeweils in den „Mustopf“.

Bei manchen beginnt das mit der Wahl der Art von Hochschule und/oder Fachrichtung und setzt sich später im Berufsleben fort, bei anderen fängt es erst mit der Wahl des Start-Arbeitgebers an und zieht sich dann wie ein roter Faden durch den Rest des Werdeganges. Was auch noch auffällt: Meist wird es mit den Fehlhandlungen immer schlimmer, je mehr das Berufsleben fortschreitet. Kaum jedoch wird es besser.

Daraus lassen sich Schlüsse ziehen:
Analysieren Sie Ihre relevante Vergangenheit. Ergeben sich Häufungen von Fällen, in denen die Dinge nicht so gelaufen sind oder sich nicht so entwickelt haben wie erwartet, ist äußerstes Misstrauen angesagt. Letzteres nicht gegen andere, sondern gegen Ihre Fähigkeit, in solchen Situationen das Richtige zu tun. Jeder kann irgendetwas nicht gut oder gar nicht, Sie müssen halt nur herausfinden, was das bei Ihnen ist. Und dann müssen Sie – das ist der schwerste Teil – dies als Erkenntnis in Ihrem Denken verankern und akzeptieren! Also: Die Schwäche in neuen Fällen als gegeben unterstellen, es nicht wieder unverzagt dennoch selbst versuchen, sondern jetzt andere Wege einschlagen.

Denn so banal es ist, man muss aus Fehlern lernen. Es ist fast unvorstellbar, aber viele Menschen suchen sich mehrfach nacheinander die falsche Firma aus, die dann in Insolvenz geht o. ä., geraten mehrfach nacheinander mit ihren Chefs aneinander, fallen stets auf – vermeintlich – „feste Zusagen“ des Arbeitgebers herein, lassen sich jedes Mal wieder von der „interessanten, ungewöhnlichen Aufgabe“ blenden und finden beim nächsten Wechsel niemanden, der diese Kuriosität von Qualifikation kauft.

Da in diesem Bereich sehr viel nach Empfindungen „im Bauch“ gehandelt wird (z. B.: wie reagiere ich auf als Provokation empfundene Chef-Bemerkungen) muss die Erkenntnis lauten: In diesen und jenen Fällen kann ich meinem „Bauch“, meinem Instinkt nicht trauen, darf ich ihm nicht folgen. Das wäre doch schon die halbe Lösung.Die andere Hälfte besteht in einem darauf aufbauenden anderen Verhalten: Bei als Provokation empfundener Kritik z. B. durch den Chef antworte ich grundsätzlich nicht spontan, sondern erst nach sorgfältigem Überlegen („ich werde intensiv darüber nachdenken, danke für den Hinweis“) und mindestens einer Stunde Bedenkzeit; die Festlegung auf einen neuen Arbeitgeber treffe ich erst nach Beratung durch erfahrene Vertrauenspersonen, Versprechungen in Vorstellungsgesprächen stufe ich als das ein, was sie sind: nettes Geplauder, Fakten hingegen stehen im Vertrag. Und bevor ich erneut nach kurzer Dienstzeit „die Reißleine ziehe“, schildere ich mein Problem einmal jemandem, der mir verdeutlicht, dass ein eingewachsener Zehennagel keine Beinamputation rechtfertigt, beispielsweise (obwohl das Problem damit ja tatsächlich gelöst wäre – aber zu welchem entsetzlichen Preis!).

Kurzantwort:

Niemand beherrscht alles gleichermaßen gut – zum Glück, sonst würden die anderen ihn erschlagen. Denn der Mensch erträgt keine Vollkommenheit. Deshalb sollte er sie bei sich selbst auch gar nicht erst vermuten.

Frage-Nr.: 190
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 6
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-02-06

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