Heiko Mell

Ich habe mich gekümmert

Sie bemerken oftmals die sprachlichen Unsicherheiten und Fehler der Bewerber. Beim Durchlesen der Antwort zu Frage 1.883 ist mir ein fehlerhafter Gebrauch von „sich kümmern“ aufgefallen. Ich habe im Duden (Band 4, Grammatik) nachgeschlagen und wurde bestätigt, dass „sich kümmern“ ein relatives Verb ist, das eine Ergänzung („um jemanden/etwas“) benötigt. Im Falle eines Irrtums von meiner Seite wäre ich über eine Aufklärung sehr dankbar.

Antwort:

Ich will ja ganz gewiss hier keinen Kleinkrieg mit meinen Lesern anfangen, dies vorab. Aber ich nehme diese Einsendung zum Anlass, ein Prinzip dieser Serie zu beleuchten: Ich weise hier u. a. darauf hin, dass Sie – Karriereambitionen unterstellt, siehe auch Titel dieser Rubrik – gut beraten sind, eigene interne Ausarbeitungen, Vorlagen, Anträge und vor allem Bewerbungen sprachlich möglichst richtig zu gestalten. Eben weil die allermeisten ranghohen Entscheidungsträger immerhin so gebildet sind, dass sie Fehler im Gebrauch der Muttersprache erkennen, wenn sie bedeutend sind. Dann „zuckt“ ein solcher Top-Manager förmlich und murmelt etwa: „Was ist denn das für einer?“ (Beispiele: Aquisition, Endgeld).

Bitte, liebe Leser, Ingenieure regen sich ja schon auf, wenn man als armer Serienautor einmal volkstümlich (und lt. Duden erlaubt) von „5 Kilo Kartoffeln“ spricht. Dann dürfen sich auch Manager über unverständliche Formulierungen, fehlerhaften Sprachgebrauch u. ä. mokieren. Und wenn sie es auch nicht dürften – sie tun es in jedem Fall.

Ich helfe also meinen Lesern, indem ich die besonders auffallenden Fehler öffentlich darstelle. So gut ich es vermag. Denn ich bin kein Sprachexperte, habe keinerlei Spezialausbildung, meine entsprechende Basis ist tatsächlich eher unterdurchschnittlich. Vielleicht habe ich ein bisschen Talent, nun ja.

Aber ich bin nicht der Maßstab! Wenn ich kritisiere, geht es nur darum, ob ich damit Recht habe oder nicht. Ob ich selbst Fehler mache, hat damit nichts zu tun. Und natürlich mache ich Fehler, das ist überhaupt keine Frage. Verlöre ich wegen der Gefahr, dabei ertappt zu werden, den Mut, andere zu kritisieren, wäre es schlecht um mich bestellt. Übrigens ist der Gebrauch der deutschen Sprache, ohne dabei Fehler zu machen, gar nicht möglich (warten wir ab, wer mir widerspricht).

Wer kritisiert, braucht schon solides Stehvermögen. Nehmen wir als Beispiel diese Einsendung: Ich halte „bemerken“ im ersten Satz nicht für glücklich gewählt, „bemängeln“ wäre wohl treffender. „Ich wurde bestätigt“, ist auch nicht so besonders glücklich. „Ich fand bestätigt“, scheint mir besser. „…wäre ich über eine Aufklärung sehr dankbar“, halte ich für falsch, es muss eher „für eine Aufklärung“ heißen. Das ist nicht etwa die „Rache des Kanalarbeiters“, ich zeige nur auf, wie schwierig das alles ist.

Mit Ihrer Beanstandung nun haben Sie absolut Recht. Ich schrieb: „Wichtig ist, dass Sie demonstrieren: Ich habe mich gekümmert, mich um Informationen bemüht, mich vorbereitet.“

Sagt jemand, er habe sich gekümmert, folgt sofort die Anschlussfrage: „Um was, worum?“ Also ist der Gebrauch des Wortes „kümmern“ allein in diesem Zusammenhang nicht korrekt, ein Deutschlehrer müsste mir das als Fehler anstreichen. Nun habe ich zwar ein wenig „dichterische Freiheit“, aber auch die deckt nicht jeden Missgriff zu. Vielleicht aber lesen wir schon im nächsten oder übernächsten Duden: „sich kümmern, eigentlich um etwas, ugs. auch allein stehend für die Mühe, die man sich generell gibt, wenn der Rest aus dem Zusammenhang hervorgeht.“

PS. Ein wirklich souveräner, über den Dingen stehender Mensch an meiner Stelle übrigens hätte sich allein mit Ihrer Kritik beschäftigt, ohne Ihnen gleichzeitig Schwächen nachzuweisen. Das war der zentrale Fehler, der damals von den Verantwortlichen dieser Zeitung bei der Auswahl dieses Autors gemacht wurde: Sie hatten nicht im Anforderungsprofil stehen, dass der Gesuchte wirklich souverän und über den Dingen stehend sein müsse. Das rächt sich nun.

Frage-Nr.: 1894
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 46
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-11-11

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