Heiko Mell

Da kann man nichts machen? Von wegen!

Antwort:

Was mag in einem anspruchsvollen, akademisch gebildeten Menschen vorgehen, wenn er sich bewirbt – und keine Einladung, sondern eine Absage erhält? Nach so vielen Jahren in diesem Metier, in denen ich alle möglichen Theorien in diesem Zusammenhang gewälzt und selbst „geboren“ habe, glaube ich, jetzt vor dem Durchbruch zu stehen: nichts geht in ihm vor. Unterstellt man diese Annahme als richtig, versteht man plötzlich vieles.

„Nichts“ soll heißen, er beschäftigt sich nicht mit den Gründen für den negativen Bescheid, weil er sich sagt (beispielsweise):

– „die haben mich eben nicht gewollt, da kann man nichts machen“,

– „dann passe ich da wohl nicht hin, das muss ich akzeptieren, da kann man nichts machen“,

– „es gab ja schon in der Schule und im Studium Leute, die besser waren, von denen hat jetzt wieder einer das Rennen gemacht, da kann man nichts machen“,

– „es sind halt die Fakten meines Werdegangs, die nicht optimal sind, da kann man nichts machen“,

– „ich weiß selbst, wo meine Schwächen liegen, die Leute merken das ja auch – und da kann man nichts machen.“

Das alles ist falsch, total falsch! Denn man kann sehr wohl:Ich vergleiche den Versuch, sich in einer Bewerbung interessant und aussichtsreich darzustellen, mit dem Bemühen, einen Gebrauchtwagen gut zu verkaufen (Beispiele mit Autos sind immer gut und „gebraucht“ sind wir ab 20 sowieso). Glauben Sie, ein guter Gebrauchtwagenverkäufer resigniert, nur weil das Auto einige Roststellen hat oder einen hohen Kilometerstand? Er gibt sich Mühe, versetzt sich in die Gedankenwelt des potenziellen Käufers, informiert sich über seinen Markt – und dann kämpft er! Er engagiert sich, spielt Varianten durch. Er muss wissen, aus welchen Gründen die ersten fünf Interessenten nicht gekauft haben – damit er dem sechsten gegenüber einmal anders argumentiert, Schwächen des Produkts anders erläutert und andere Stärken in den Vordergrund rückt. Mit der müden Darbietung von Fakten allein kommt er nicht weit.

Natürlich enthält auch jeder Werdegang – wie das Auto – unveränderbare Fakten, z. B. den Namen, das Geburtsdatum, Arbeitgeber und Positionen dortselbst. Aber schon mit den letzten beiden Aspekten geht es los: Wie be- oder umschreibt man die Unternehmen, wie bezeichnet man die Position? Hier besteht Spielraum in ungeahnter Größe! Sie wollen natürlich ein Beispiel: Nach dem Zeitrahmen („von … bis …“) könnte man schreiben

a) „Geschäftsführer der Müller & Sohn GmbH“

b) „Leiter des Vertriebs der Müller & Sohn GmbH (aus formalen Gründen auch als Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen, dem Status kommt aber neben dem aktiven Inhaber keine besondere Bedeutung zu)“.

Die Konsequenz dieser einen Kleinigkeit (es gibt sehr viele entsprechende Ansatzpunkte in jeder Bewerbung): Der Kandidat nach a) hat nie mehr eine Chance bei „Nur-Vertriebsleiter“-Positionen. Der nach b) hat.

Kurzantwort:

Was mag in einem anspruchsvollen, akademisch gebildeten Menschen vorgehen, wenn er sich bewirbt – und keine Einladung, sondern eine Absage erhält? Nach so vielen Jahren in diesem Metier, in denen ich alle möglichen Theorien in diesem Zusammenhang gewälzt und selbst „geboren“ habe, glaube ich, jetzt vor dem Durchbruch zu stehen: nichts geht in ihm vor. Unterstellt man diese Annahme als richtig, versteht man plötzlich vieles.

Frage-Nr.: 189
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 5
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-02-05

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