Heiko Mell

„Man erheitere mich“

Antwort:

Spaß machen soll der neue Job. Wobei Positionen eigentlich gar nichts machen – auch Spaß nicht -, aber gut, dann ist eben die Tätigkeit entsprechend gefordert. Darauf soll es jetzt ausnahmsweise nicht ankommen.“Ich will eine Arbeit tun, die mir Spaß macht“, lautet die überaus beliebte Forderung insbesondere jüngerer Akademiker im Vorstellungsgespräch. Man hört sie, wenn man als Arbeitgebervertreter so leichtsinnig ist, nach Zielen zu fragen. Ich bin. Und höre also.

Die Forderung ist schnell erhoben – aber von Firmen ungeheuer schwer zu erfüllen. Wie definiert man die Maßstäbe, die da gelten sollen, woher soll das einstellende Unternehmen vorher wissen, was diesem ganz speziellen Menschen nachher jenes angestrebte Gefühl beschert? Da jeder Job irgendwie besetzbar ist und da alle Menschen zwar nicht gleich sind, aber doch die gleichen Rechte haben (sollen), gibt es offensichtlich keine Tätigkeiten, die gar keinen Spaß machen. Es gibt nur solche, die genau diesem Bewerber nichts in der Art vermitteln, einem anderen aber durchaus vermitteln würden.

Also ist schon die Definition der Details schwierig, die einen bestimmten Bewerber denn auch dauerhaft erheitern würden. Ein Überprüfen wäre nur durch Ausprobieren möglich, anders geht es nicht: Und täglich zittert der Vorgesetzte, ob denn der mühsam gewonnene neue Mitarbeiter auch hinreichend Spaß hat. Sonst kündigt er womöglich sofort wieder. Ein Albtraum.

Sie merken es schon: So geht es nicht, die Forderung ist falsch gestellt, weil so im Arbeitsleben rein theoretisch gar nicht zu erfüllen. Nicht einmal im Grundgesetz steht irgendetwas vom Recht auf permanente Erheiterung des Angestellten nach seinem individuellen Empfinden.

Aber praktisch ist es möglich, grundsätzlich Spaß zu haben an dem, was man tut! Aber nicht, indem man eine solche Forderung erhebt („man erheitere mich“), sondern als Folge einer positiven inneren Einstellung: „Mir macht Spaß, was ich tue“, das als generelle Devise ist möglich, hat Stil und bringt Erfolg. Die Aussage kann nicht für jedes Detail des Tagesgeschäfts gelten, aber im Großen und Ganzen schon.

Versuchen Sie es einmal: Studium macht ohnehin Spaß – so schön wird es nie wieder im Leben. Und der Beruf? Aus allem lässt sich etwas machen – wenn man mit der richtigen Einstellung herangeht. Ich habe nun wirklich schon sehr viele grundverschiedene Dinge für ebenso grundverschiedene Chefs und Kunden gemacht – warum sollte nur ich dies alles als „rundum interessant“ einstufen, Freude daran gehabt und weiter haben? Ich war ja nicht immer Berater, daran liegt es nicht. Da waren auch zwei Jahre eines Maschinenbaupraktikums, in denen man Altgesellen Cola und Brötchen holen, ihre Maschinen abends putzen musste und U-Eisen zu feilen hatte. Und kommissarischer Beauftragter für das Betriebliche Vorschlagswesen im Konzern war ich auch schon und mehr als 25 Jahre Angestellter und dabei und später sowohl Mitarbeiter als auch Vorgesetzter. Na und? Es hat irgendwie alles – auch – Spaß gemacht. Macht es unverändert weiter. Aber ich habe nie gesagt, ich wollte Spaß, ich hatte ihn. Ob darin die Lösung liegt? Probieren Sie es – da ist kein erkennbarer Grund, warum das nicht auch bei Ihnen klappen sollte.

Nicht „man erheitere mich“, ist die Devise, sondern ein „Mit mir gewinnen Sie einen Mitarbeiter, der gern tut, was er tut“.

Kurzantwort:

Spaß machen soll der neue Job. Wobei Positionen eigentlich gar nichts machen – auch Spaß nicht -, aber gut, dann ist eben die Tätigkeit entsprechend gefordert. Darauf soll es jetzt ausnahmsweise nicht ankommen. …

Frage-Nr.: 183
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 49
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-12-04

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