Heiko Mell

Leserreaktion – Kollateralschäden

Mit großem Vergnügen lese ich Ihre Karriereberatung in den VDI nachrichten. Zu „Notizen aus der Praxis“ Nr. 171 (Kollateralschäden) möchte ich ein Erlebnis aus unserem Hause mitteilen:

Wir suchen für unser Werk in … einen Verfahrensingenieur.

1. Akt: Nach Auswertung der eingegangenen Bewerbungen haben wir eine Kandidatenliste aufgestellt. Ein Kandidat, der in der Nähe des Werkes wohnt, soll als erster eingeladen werden.

2. Akt: Am Tag der offenen Tür besuchte dieser Kandidat das Werk. Das war gut. An der Biertheke kam er ins Erzählen. U. a. fiel von ihm die Bemerkung, dass unsere Sicherheitsstandards eigentlich viel zu hoch, diverse Exschutz-Richtlinien unnötig seien usw. Das war schlecht. Am Zapfhahn stand nämlich zu diesem Zeitpunkt mein Kollege, der den neuen Mitarbeiter für seinen Ex-Bereich suchte.Fazit: Kollateralschaden.

Antwort:

Danke für dieses anschauliche Beispiel.

Und zur Erläuterung für eventuell auch lesende etwas einfacher denkende Gemüter: Die Moral von der Geschichte lautet nicht etwa „Du sollst dem Mann am Zapfhahn nichts erzählen, er könnte dein künftiger Chef sein“. Das griffe zu kurz.

Ich wundere mich immer wieder, dass unsere so umfassend ausgebildeten jungen Akademiker so selten ihre ja doch zweifelsfrei vorhandene Intelligenz nutzen, um ein paar grundlegende Überlegungen anzustellen, die doch nun wirklich kein Hexenwerk sind. Was nützen geistige Fähigkeiten, wenn sie nicht einmal für simple, noch dazu auf der Hand liegende „lebensrettende“ Maßnahmen eingesetzt werden?

Ich tue es ungern, entschließe mich aber doch vorsichtshalber zu einer Interpretation dieses „hochkomplexen“ Vorgangs – bei der ich ein schlechtes Gefühl habe: Eigentlich müssten alle Leser etwas irritiert auflachen und „Kindergarten-Niveau“ murmeln. Nur scheitern, siehe dieses Beispiel und meinen damaligen Beitrag, immer wieder Akademiker an Problemen, die tatsächlich kurz nach Verlassen „frühkindlicher Schulungseinrichtungen“ aus dem Handgelenk heraus gelöst werden könnten. Eigentlich ohne nachzudenken. Aber andererseits: mit gezielt eingesetztem Nachdenken todsicher.

Also dann 1.: Wenn man sich auf dem Gelände eines Unternehmens befindet, dann muss man „automatisch“ davon ausgehen, dass alle dort angetroffenen Menschen zu diesem Unternehmen gehören, dass sie von seinen Zahlungen leben und sich als Angehörige der großen Unternehmensfamilie fühlen. Jegliche Kritik während eines solchen Aufenthaltes auf dem Werksgelände ist also etwa ebenso angebracht wie der Kommentar anlässlich einer Einladung im privaten Bereich gegenüber dem Gastgeber: „Komischen Einrichtungsgeschmack haben Sie, ich finde die Möbel hässlich.“ Das ist einfach ein Vorgang aus der Kategorie „schlechte Erziehung“.

2. Ein kluger Mensch hätte sich vorsichtig-fragend an das Thema herangetastet, wenn er sich denn dazu hätte äußern müssen/wollen: „Ich sehe hier sehr viele Beispiele für einen sehr stark ausgebauten Exschutz. Vermutlich ist der Bedarf dafür größer als ich als Außenstehender es auf den ersten Blick erkennen kann(?).“ Und schon wäre er in ein anregendes Fachgespräch verwickelt gewesen.

3. Wenn man sich auf dem Gelände eines Unternehmens befindet, von dem man etwas will(!), nämlich als Arbeitnehmer angestellt werden, dann ist jegliche Kritik gegenüber unbekannten Personen bzw. jegliche als arrogante Besserwisserei (eines Anfängers!) zu interpretierende ungebetene Beurteilung von irgendetwas schlicht ziemlich dumm. Was ich noch immer nicht so ganz verstehe: Warum kommt so oft bei so viel Studium so wenig heraus? Und wer da meint, Beiträge wie dieser seien überflüssig, der wandelt auf sehr dünnem Eis. Hören Sie sich einmal um.

 

Frage-Nr.: 1809
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 48
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-12-01

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