Heiko Mell

Die Kette ist nur so stark …

Antwort:

Ich bin ein großer Anhänger anschaulicher Beispiele. Wer mich kennt, weiß das. Ich wiederum weiß, dass diese meine Leidenschaft nicht von jedem geteilt wird – insbesondere nicht von jenen, die gewohnt sind, die Dinge wissenschaftlich zu betrachten und ihnen gestellte Aufgaben auch auf jener Basis zu lösen. In meinem Fachgebiet, in dem es um Menschen geht, hat sich jedoch gezeigt, dass auftretende Probleme zwar ungeheuer komplex und vielschichtig zu sein scheinen – dass die Kunst jedoch darin besteht, so lange zu bohren oder Zwiebel-Schichten abzupellen, bis man auf den Kern gestoßen ist. Und der ist fast immer ganz einfach. Man muss nur darauf kommen (und sich getrauen, letztlich banal erscheinende Rezepte als Lösungsmöglichkeit zu offerieren).

Hier also nun die Idee mit der Kette, die eben nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied. Ich kam auf sechs wesentliche Glieder – an jedem davon kann die Konstruktion scheitern. Oder der Mensch ist so klug, kritische Glieder vorher als Schwachstellen zu erkennen und die Kette nicht allzu großen Belastungen auszusetzen.Nehmen wir einen karriereinteressierten Akademiker von 40 Jahren, bei dem es schon alle Kettenglieder dieses Beispiels gibt. Nehmen wir weiter an, der hätte „damals“ nach einem elend langen, mit extrem schlechten Noten bewerteten Studium doch noch einen Job beim heutigen Arbeitgeber gefunden. Dort geriet die Schwäche des Kettenglieds „SQ“ in Vergessenheit, seine Persönlichkeit wurde positiv gewertet, die fachliche Qualifikation auch, es ging vorwärts mit ihm.

Nun aber muss er sich extern bewerben. Und schon fällt sein Problem wieder auf, „SQ“ erweist sich als Schwachstelle. So gut wie er in den anderen Punkten des Anforderungsprofils ist, sind andere auch, kopfschüttelnd könnte der Bewerbungsanalytiker die Unterlagen auf den Stapel „Reserve“ legen und andere Kandidaten zum Gespräch laden.

Oder: Weil beim Berufsstart „SQ“ schwach ist, lässt sich keiner der in der Branche wirklich interessanten Arbeitgeber begeistern, bei späteren Bewerbungen fehlt die Schubkraft, die ein Top-Unternehmen Kandidaten verleiht, die von dort kommen.

Fazit: Eine schwache „SQ“ hat in diesem Fall noch ein schwaches Glied „AG“ zur Folge.

Der Rest des Schaubildes erklärt sich, so hoffe ich, von selbst. Ach ja: Eigentlich verläuft der Weg, der hier als „Laufbahn“ dargestellt ist, nicht so schön gerade, sondern in Stufen. Jeder Schritt nach oben ist eine solche Stufe. Und bevor Sie Ihren „Wagen“ jeweils dort hinaufbekommen, wird die Kette extrem beansprucht. Wenn Sie sich dann noch jeden Arbeitgeberwechsel als besonders große Stufe vorstellen, kommen wir der Realität noch näher.

Aber Sie wissen ja ohnehin: Irgendwie hinkt jedes Beispiel etwas. Dafür bleibt es meist besser im Gedächtnis als eine rein sachliche Problembeschreibung. Und als Trost: Im Gegensatz zur reinen technischen Lehre von der Kette ist es in der Praxis dieses Metiers dann doch schon einmal möglich, Bewerbungsempfänger mit fünf extrem starken Kettengliedern so zu beeindrucken, dass sie die Schwäche des sechsten übersehen oder zumindest teilweise tolerieren. Schön, dass auch dort Menschen sitzen – die u. a. den Begriff des Kompromisses kennen bzw. die gelegentlich akzeptieren, dass Problemlösungen oft etwas unterhalb denkbarer Ideale liegen (müssen).

Kurzantwort:

Ich bin ein großer Anhänger anschaulicher Beispiele. Wer mich kennt, weiß das. Ich wiederum weiß, dass diese meine Leidenschaft nicht von jedem geteilt wird – insbesondere nicht von jenen, die gewohnt sind, die Dinge wissenschaftlich zu betrachten und ihnen gestellte Aufgaben auch auf jener Basis zu lösen. In meinem Fachgebiet, in dem es um Menschen geht, hat sich jedoch gezeigt, dass auftretende Probleme zwar ungeheuer komplex und vielschichtig zu sein scheinen – dass die Kunst jedoch darin besteht, so lange zu bohren oder Zwiebel-Schichten abzupellen, bis man auf den Kern gestoßen ist. Und der ist fast immer ganz einfach. Man muss nur darauf kommen (und sich getrauen, letztlich banal erscheinende Rezepte als Lösungsmöglichkeit zu offerieren).

Frage-Nr.: 178
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-11-06

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