Heiko Mell

Dienst- und andere Wagen

Antwort:

Manager ab einer gewissen Ebene aufwärts fahren Dienstwagen. Wer sich die Firmenparkplätze ansieht, erkennt schnell: Es steckt ein System dahinter, wer welches Auto hat oder haben darf. Dieses System nun ist ganz einfach: Der Ranghöchste fährt das „größte“ Auto, wobei Größe sowohl für das Prestige des Modells als auch für den Hubraum der Maschine steht, in jedem Fall für den Kaufpreis des Wagens.

Bei dem hierarchischen Grundaufbau der Unternehmen mit der von oben nach unten verlaufenden Entscheidungskette ist die folgende Aussage eigentlich typisch: Wenn die Dienstwagen-Struktur im Top- und oberen Management so ist, dann ist sie fester Bestandteil des Denkens der Führungskräfte überhaupt, also auch in Bereichen, die über die Dienstwagen-Strukturen hinausgehen. Also durchaus auch im Bereich der privat von Mitarbeitern gefahrenen Autos.

Natürlich darf, solange er nicht gegen Gesetze verstößt, der Mitarbeiter mit seinem Geld machen, was er will. Nun dürfen aber auch seine Vorgesetzten über dieses „Machen nach eigenem Willen“ wiederum denken, was sie wollen. Und sie denken allgemein in der Kategorie: Wer ranghöher ist, fährt das größere Auto. Weil die Dienstwagenordnung des Hauses das so vorschreibt.

Natürlich wird ein Mitarbeiter nicht entlassen, nur weil er ein Auto fährt, das über dem Dienstwagen seines Chefs rangiert – so weit geht wohl niemand. Und schließlich leben wir in einer aufgeklärten Zeit und Toleranz ist allenthalben angesagt. Aber ärgern kann der Vorgesetzte sich immer noch; über einen Bewerber beispielsweise, der mit einem ungewöhnlich hoch in der Autohierarchie rangierenden Modell auf den Hof fährt.

So muss denn auch ein Kandidat, der noch ziemlich jung ist, ledig, mit auch verdienender Freundin und der einen Wagen aus deutscher Produktion fährt, in dessen Modellbezeichnung erst eine 7 steht und dann eine 4, mit Vorbehalten rechnen. Weil er natürlich machen darf, was er will, aber weil auch der Vorgesetzte die Dinge betrachten darf, wie er mag. Und er sieht in dem Auto vielleicht noch eine tolerierbare Jugendsünde. Aber wenn das Thema angesprochen wird und der Kandidat jedes Verständnis für das Problem vermissen lässt, wird der potenzielle Chef sich vielleicht fragen, welche der zahlreichen geschriebenen sowie ungeschriebenen Gesetze und Regeln dieser Bewerber vielleicht noch übertreten würde. Oder wie vernünftig er wohl mit betrieblichen Budgetmitteln umginge. Sofern man ihn denn einstellte.

Nun will ich nicht wieder von den Zwängen sprechen, denen der abhängig Beschäftigte (= Angestellte) unterworfen ist. Ich, beispielsweise, bin selbstständig und wähle meinen Dienstwagen selbst. Dabei achte ich sogar auf zwei Grenzbereiche: Der Wagen darf nicht größer sein als die typischen Dienstautos meiner Kunden, die mich bezahlen. Er muss auch wieder so groß sein, dass er für Erfolg und wirtschaftliche Solidität meines Geschäfts steht. Und über den deutlich größeren Wagen meines Steuerberaters würde ich mich wohl auch ärgern – wäre er nicht ein so netter Mensch und mir seit vielen Jahren vertraut. Aber wenn er nächstens im Ferrari kommt – dann handle ich sein Honorar herunter.

Kurzantwort:

Manager ab einer gewissen Ebene aufwärts fahren Dienstwagen. Wer sich die Firmenparkplätze ansieht, erkennt schnell: Es steckt ein System dahinter, wer welches Auto hat oder haben darf. Dieses System nun ist ganz einfach: Der Ranghöchste fährt das „größte“ Auto, wobei Größe sowohl für das Prestige des Modells als auch für den Hubraum der Maschine steht, in jedem Fall für den Kaufpreis des Wagens.

Frage-Nr.: 176
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 42
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-10-16

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