Heiko Mell

Besitzstand – mit „fliegenden Fahnen“ in den Abgrund?

Antwort:

Dieses System hat nie den Anspruch erhoben, auch noch gerecht zu sein. Hätte es das, müssten wir uns mit der Definition von Gerechtigkeit herumschlagen. Aber es hat nicht.

Also sind auch Ihre 62.350 oder 187.325 EUR pro Jahr mit Sicherheit kein gerechtes Entgelt. Man verdient ohnehin stets weniger als man erhoffte.Wie entsteht denn eine Gehaltshöhe im Einzelfall, wovon hängt sie ab? Halten wir es mit den Juristen: Es kommt darauf an. Und lassen wir es für diesen Zweck dabei.

So weit werden Sie mir gerade noch folgen. Aber nun wird es haarig: Ihr Einkommen ergibt sich aus Faktoren, die Sie z. T. beeinflussen können, z. T. auch nicht. Marktlage, Glück, Zufall, zur rechten Zeit am recht Ort gewesen, alles das spielt mit hinein – von Ihnen akzeptiert. Aber wenn ich Ihnen einen einzigen Euro abziehe und erwarte, dass Sie mit weniger zufrieden sind als Sie gestern hatten, ist mir Ihre tiefe Abneigung sicher.

Was Sie verdienen möchten, erstreben Sie durchaus nicht mit allerletzter Kraft. Wenn der Arbeitgeber nun partout nicht 800, sondern nach längeren Kämpfen dann doch nur 600 EUR an Erhöhung herausrückt: sei’s drum, das Leben geht weiter.Aber die eben noch vermisste allerletzte Kraft wird mobilisiert, wenn es darum geht, dass Sie demnächst 200 EUR weniger bekommen sollen, in welchem Zeitraum auch immer.

Wenn die Zeiten gut sind, wollen alle „mehr“, sie fordern es im Brustton der Überzeugung. Und was ist mit „weniger“, wenn die Lage danach wäre? Der – zufällige – Besitzstand wird mit Zähnen und Klauen verteidigt. Warum eigentlich? Ist das logisch begründbar oder nur eine menschliche Grundeigenschaft? Ist es vor allem auch vernünftig?

Dabei gibt es eine große Gruppe der Leistungsträger in diesem Land, die leben mit erheblichem Auf und Ab als selbstverständlichem Bestandteil ihres beruflichen Lebens: Unternehmer, Selbstständige, leitende Angestellte mit erheblichen variablen Einkommensbestandteilen, Provisionsempfänger u. ä. Die verstehen meist auch nicht, dass viele Angestellte lieber arbeitslos am alten Standort sind als eine Sicherung von Job und Einkommen um den Preis eines Umzugs in Kauf zu nehmen, beispielsweise.

Sehen Sie die Dinge also nicht so unflexibel – und fordern Sie nicht stur Ihr heutiges Einkommen als Basis. Vor allem nicht, wenn das doch ganz offensichtlich Bestandteile als Ausgleich für eine Belastung enthielt, die mit dem Wechsel entfällt (Berater wechselt zum „stationären“ Arbeitgeber). Ein Unternehmen kalkuliert seine Preise doch auch je nach Marktlage – notfalls geht es runter damit. Und der Preis des Angestellten ist sein Gehalt, auch da gibt es „Marktlagen“.

Der Appell zur Flexibilität gilt aber auch den Unternehmen. Muss ein Bewerber „verdächtig“ sein, der 100.000 EUR hatte und jetzt aus wohlerwogenem Grund eine breite Einstellchance für „nur“ geforderte 90.000 EUR sucht? Absolut nicht! Gratulieren Sie sich zu solch einem klug vorgehenden Kandidaten. Der vielleicht seine langfristigen Chancen optimiert und dafür kurzfristig einen Verlust einsteckt: Man könnte das glatt „Investition in die persönliche Zukunft“ nennen.

Kurzantwort:

Dieses System hat nie den Anspruch erhoben, auch noch gerecht zu sein. Hätte es das, müssten wir uns mit der Definition von Gerechtigkeit herumschlagen. Aber es hat nicht.

Frage-Nr.: 175
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 41
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-10-10

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