Heiko Mell

Lob – sprachlich und inhaltlich

Frage/Leser A: Von der ersten Folge an lese ich Ihre Karriereberatung. Heute jedoch (wieso jedoch, d. Autor) haben Sie mich zum Schmunzeln gebracht. In der 1.735. Frage schreiben Sie: „Andererseits veröffentliche ich hier sehr gern kritische Briefe – weil sie das Salz in der Suppe sind und ich die Leser mit ständig abgedrucktem Lob (es gibt sehr viel davon) zu leicht ermüde.“

Wollten Sie wirklich damit sagen, dass es sehr viel ständig abgedrucktes Lob für Sie gibt? Ich denke, Sie meinten damit, dass es sehr viel Lob für Sie gibt. Nehmen Sie den Fehler nicht zu tragisch. Vielleicht werden Sie dadurch sogar etwas nachsichtiger gegenüber Ihren Fragestellern.

Leser B: Mich kennen Sie nicht, ich Sie seit langem. Sie sind mir vertraut durch das Lesen Ihrer Beiträge in den VDI nachrichten von Beginn an. Bis auf einzelne Bewertungen, an die ich mich nicht erinnern kann, teile ich mit Ihnen die berufsrelevante Sicht und schätzungsweise das Lebensalter.

Als Vater von zwei Söhnen (20/34) habe ich häufig vor Fragen und Aufgaben gestanden, die ich so oder ähnlich beantworten bzw. lösen würde wie Sie. Nun gibt es Phasen im Leben von Söhnen, in denen der gute Rat eher weniger gefragt ist. Mit der Rückendeckung einer verständnisvollen Mutter – die als Psychoanalytikerein tätig ist – lag die Schwelle besonders hoch. Ich bin sicher, Sie verstehen das.Mein „trojanisches Pferd“ waren Ausrisse Ihrer Texte. Mell sei Dank, es hat funktioniert. Das Gespräch kam in Gang. Die Jungs sind auf guten Wegen. Daran haben Sie Anteil. Ob er nun marginal ist oder größer, ist nicht wichtig. Mir ist er bedeutend und dafür ehrlichen und herzlichen Dank.

Antwort:

Antwort zu A: So leicht gebe ich mich nicht geschlagen! Nehmen wir meinen beanstandeten Satz und vereinfachen ihn etwas (aber zulässig): „Mit ständig abgedrucktem Lob ermüde ich die Leser.“

Dann gibt es zwei mögliche Interpretationen:

1. Ich berichte über meinen Schreibstil und sage etwa: „Ich ermüde meine Leser. Als Stilmittel dazu dient mir ständig abgedrucktes Lob.“ Voraussetzung dafür wäre, dass ich auch ständig Lob abdrucke. Dies war – natürlich – nicht gemeint.

2. Ich habe in der Vergangenheit öfter als heute Lob abgedruckt. Zum Beispiel dasjenige, das einleitend am Beginn vieler Zuschriften steht. Dies ist eine Tatsache (dass ich dieses Lob früher oft abgedruckt habe). Daraufhin haben einige Leser gemurrt, sich „ermüdet gezeigt“. Etwa so: „Das kann ich schon nicht mehr lesen!“ Daraufhin habe ich das reduziert.

Fakt ist also: Ich habe erfahren, dass ich mit ständig abgedrucktem Lob meine Leser ermüde. Nicht zwingend „ermüden würde“ (Konjunktiv), denn es ist ja tatsächlich geschehen. Es muss auch nicht zwangsläufig heißen, „habe ich die Leser ermüdet“ (Perfekt), denn es sind ja immer noch dieselben Leser (mit statistisch nicht relevanten Verschiebungen). Ich weiß, dass diese Ermüdung eine Tatsache ist. Das gilt auch dann, wenn ich es nicht täglich neu ausprobiere (durch Abdrucken).

Nein, geehrter Einsender, ich glaube, dass dieses Stilmittel des Ausdrucks an der Stelle und in dem Zusammenhang durchaus noch erlaubt war.

PS. Zwei mir nahestehende Mitarbeiter meines Büros vermuten, dass etwa 80 % der Leser weder den Sinn dieser Auseinandersetzung verstehen, noch das geringste Interesse daran haben. Einer vermutet sogar, genau damit würden sie ermüdet. Nun ja. Mir macht es Spaß – und 20 % dürfen schmunzeln.

Antwort zu B: Für Resultate und Reaktionen dieser Art schreibe ich hier. Ich danke Ihnen für diese Ermunterung.

Frage-Nr.: 1749
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 16
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-04-17

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