Heiko Mell

Spuren auf der „Landkarte des Lebens“

Antwort:

Stellen Sie sich vor, Sie seien so zwanzig Jahre lang berufstätig. Und dann ginge jemand hin und zeichnete Ihren Weg von der Schule an in ein großes grafisches Schaubild ein, in der es für alles Darstellungsmöglichkeiten gäbe: Jede schlechte Note, jeder unmotiviert erscheinende Tätigkeits- und Branchenwechsel, jede zu kurze oder viel zu lange Dienstzeit, jedes schlechte Zeugnis oder jede schnelle Beförderung ließe sich irgendwie sichtbar machen. Das ganze wäre dann eine Art Weg zwischen Ihrem Startpunkt vor vielen Jahren und heute.

Das könnte bei sehr vielen Angestellten ein sehr verworrenes Bild werden. Bei vielen davon würde man nicht einmal eine halbwegs plausible Linie zwischen dem Anfang und „heute“ erkennen. Und dann wieder gibt es Menschen, auf deren persönlichem Schaubild ergäbe sich zwar keine „wie mit dem Lineal gezogene“ Linie, das lässt das Leben nicht zu, aber doch eine Kurve, die nicht mehr vom Ideal der kürzesten Verbindung zwischen A und B abweicht als eine deutsche Autobahn auf der Landkarte.

Mir aber geht es hier um die vielen „Irrgärten“, die man täglich kennen lernt. Selbst auf die einfachste Frage gibt es keine Antwort: Was hatte bei diesem „Weg“ eigentlich ursprünglich herauskommen sollen? Vermutlich nichts, denn darüber hatte sich der Betroffene keine Gedanken gemacht.

Oder die vielen Gesprächspartner, die mir in Karriereberatungsgesprächen stolz berichten: „Ich habe mich noch nie aktiv um eine Position bewerben müssen, alle meine neuen Aufgaben und Anstellungen ergaben sich aus Kontakten.“ Darauf gibt es nur eine Antwort: „Und Sie hatten gar keine eigenen Ziele, keine Pläne für sich, an deren Realisierung Sie systematisch herangingen? Ja schieben Sie auch oder gehören Sie bloß zu den Geschobenen?“

Nehmen wir an, Sie wollen ein Haus bauen. Dann können Sie ganz isoliert von allem anderen erst einmal einen schönen tiefen Keller mauern. Danach machen Sie am besten einen langen Urlaub. Eine Weltreise, zum Beispiel. Dann erkennen Sie, dass das Objekt Wände braucht. Schön, mauern Sie eben Wände. Dahin, wo es sich gerade anbietet und mit den Steinen, die verfügbar sind. So, dann hätten Sie dieses. Schöner Keller, schöne Wände, alles toll. Gut, jetzt wo die Wände stehen, sieht man, dass Sie den Keller eigentlich anders hätten machen sollen – Schwamm darüber. Fehlt ein Dach. Sie nehmen die Balken, die Sie gerade haben und fangen einfach einmal an. Hinterher passt das Dach nicht mehr zu den Wänden, beides nicht zum Keller. Aber es ist ein Haus.

Macht das jemand? Schlimmer: Kauft das jemand? Letzteres ist besonders interessant, wenn die Situation Sie plötzlich dazu zwingt.Dabei ist es bloß ein Haus. Das Berufsleben ist wichtiger – und „teurer“ (Sie verdienen mehr als ein Haus kostet). Und muss ich jetzt noch sagen, dass der „Keller“ für die Ausbildung, die „Wände“ für die fachliche Tätigkeit und das „Dach“ für die Krönung der Laufbahn durch sinnvolle Weiterentwicklung stehen?

Kurzantwort:

Stellen Sie sich vor, Sie seien so zwanzig Jahre lang berufstätig. Und dann ginge jemand hin und zeichnete Ihren Weg von der Schule an in ein großes grafisches Schaubild ein, in der es für alles Darstellungsmöglichkeiten gäbe: Jede schlechte Note, jeder unmotiviert erscheinende Tätigkeits- und Branchenwechsel, jede zu kurze oder viel zu lange Dienstzeit, jedes schlechte Zeugnis oder jede schnelle Beförderung ließe sich irgendwie sichtbar machen. Das ganze wäre dann eine Art Weg zwischen Ihrem Startpunkt vor vielen Jahren und heute. …

Frage-Nr.: 170
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 36
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-09-07

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