Heiko Mell

Und nichts als die Wahrheit …

Antwort:

Man soll ja im gesamten Bewerbungsprozess immer nur die Wahrheit sagen, heißt es. Einmal abgesehen von dem ungeheuren Problem, den Begriff überhaupt zu definieren, sei die Frage gestattet: Warum eigentlich?

Weil, so muss die Antwort lauten, man eine Menge Ärger bekommt, wenn man – jetzt oder später(!) – bei einer unwahren Aussage ertappt wird. Um dieses Ertappen also geht es beim Wahrheitsbegriff in Bewerbungsangelegenheiten. Weitergehende Forderungen zu stellen, wäre fast schon naiv.

Sagen wir es also kurz, einfach und leicht merkbar: Man soll nichts von sich geben, das als unwahr entlarvt werden könnte. Da man sich in der schriftlichen Bewerbung eben schriftlich und damit „aktenkundig“ äußert, ist dieser Bereich besonders heikel. Es geht also keineswegs an, etwa im Mai einen Lebenslauf zu versenden, in dem beim letzten Beschäftigungsverhältnis angegeben wird „… bis heute“, wenn in Wirklichkeit seit Januar Arbeitslosigkeit vorliegt. Das ist kein Versehen, das ist aktiv gelogen! Und wer mag so jemanden schon einstellen?

Bleibt das Vorstellungsgespräch. Ich frage den Kandidaten für eine Managementposition nach seiner Motivation für den angestrebten Wechsel für diese Bewerbung. Und höre mir längere Erklärungen über interne Zu- und Umstände, fehlende Perspektiven und schwierige Führungsverhältnisse an. So weit, so gut. Ein paar Minuten später frage ich routinemäßig, ob das Arbeitsverhältnis ungekündigt ist. Nein, man hat ihm längst gekündigt, in sechs Wochen ist er arbeitslos.

Da kommt nun überhaupt keine Freude auf! Der ganze Unsinn über die Verhältnisse dort war doch drittrangig! Die korrekte Antwort hätte gelautet: „Ich bewerbe mich um eine neue Position, weil ich meine heutige in Kürze verliere.“ Und dann darf man sich durchaus über die Zu- und Umstände dort – angemessen – äußern. Anders herum überzeugt man nicht.

Denn das verstößt gegen die Regel, nur solche Aussagen zu machen, bei denen nicht nachweisbar ist, dass sie falsch waren. Also besteht bei Daten und Fakten höchster Wahrheitsanspruch. Bei Motiven, Wünschen und Hintergründen sieht das schon anders aus. Hier freut sich der Zuhörer oft geradezu über eine kluge, zum Anliegen passende Antwort. Soll ein Ingenieur unbedingt sagen, dass er eigentlich Medizin hatte studieren wollen, aber keinen Studienplatz bekam? Und damit zugeben, dass er einen Beruf ausübt, der nur II. Wahl war?

Sagt man seiner Verlobten, dass man eigentlich hatte Angelika heiraten wollen, die dann aber nicht „ja“ sagen mochte und man deshalb – irgendwie muss es ja weitergehen – eben zur Nr. 2 auf der Liste gegriffen habe? Sehen Sie, man verkauft sich halt überall, so gut es geht …

Kurzantwort:

Man soll ja im gesamten Bewerbungsprozess immer nur die Wahrheit sagen, heißt es. Einmal abgesehen von dem ungeheuren Problem, den Begriff überhaupt zu definieren, sei die Frage gestattet: Warum eigentlich?

Frage-Nr.: 163
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 25
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-06-19

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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