Heiko Mell

Tipps für die Personalabteilung

Warum soll ich hier nicht eine Gebrauchsanweisung für personalsuchende Unternehmen veröffentlichen?

Angenommen, Sie sind der zuständige Entscheidungsträger eines Unternehmens, das – wie üblich, händeringend – einen neuen Mitarbeiter sucht. Natürlich einen besonders guten, dynamischen, kreativen – eben den üblichen Super-Bewerber. Und nun ahnen Sie, dass Ihr Unternehmen inklusive seiner Branche und eventueller sonstiger Details (Größe, Bekanntheitsgrad) nicht den Standard-Erwartungen dieser Bewerber entspricht.

Dennoch möchten Sie mithalten im Kampf um die besten Kandidaten. Was können Sie tun? Deutlich mehr Geld bezahlen als andere? Das nun gilt als gerader Weg in rote Zahlen und verbietet sich.Aber hoffnungslos ist die Sache nicht. Wenn Sie die Bewerber mit gut gemachten Inseraten erst einmal aus der Reserve gelockt und zur Absendung ihrer Unterlagen motiviert haben, können Sie sich einen soliden Vorsprung vor anderen suchenden Firmen herausarbeiten. Auf einer Schiene, die nichts kostet – außer dem unbedingten Willen des Managements Ihres Hauses. Die Devise lautet ganz schlicht: Seien Sie schneller als andere – je deutlicher Sie weniger attraktiv sein können, desto schneller sollten Sie sein:

Geschwindigkeit im Auswahl- und Einstellprozess versetzt Berge. Durch nichts können Sie Bewerber mehr und nachhaltiger begeistern als durch extrem schnelles Handeln. Diese sind von anderen Firmen derart langwierige Entscheidungsprozesse gewohnt, dass sie eigentlich „normale“ Geschwindigkeiten als pures Geschenk empfinden. Und, das weiß man ja: kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.

Drei Monate seit Insertionstermin verstrichen und immer noch kein Vertrag geschlossen, das ist durchaus nicht Ungewöhnliches. Gründe? Weiß der Teufel, sonst weiß das wirklich niemand. „Jetzt ist Herr Meier nicht da, dann geht Frau Schulze in Urlaub, dann ist die Geschäftsführung in Urlaub. Die nächsten vierzehn Tage sind bei allen benötigten Entscheidungsträgern völlig ausgebucht.“ Oder etwas in der Art. Nicht böswillig, nicht einmal absichtlich, es ist einfach so.

Mein Rat dazu: Die Anzeige erscheint am Samstag, eingehende Bewerbungen werden täglich gelesen, am darauf folgenden Mittwoch der ersten Woche danach haben Sie etwa die Hälfte aller zu erwartenden Zuschriften. Donnerstags gehen die ersten Einladungen hinaus – auf der Basis der Hälfte aller Bewerbungen die Hälfte aller Einladungen. Termin: eine Woche später; Karenz für Terminverschiebungen durch Bewerber: noch zwei oder drei Tage. Fazit: Am Anfang der dritten Woche haben Sie die Hälfte aller Gespräche geführt, bis spätestens Mitte der vierten Woche den Rest. Spätestens zwei Tage nach dem ersten Gespräch geht die Einladung für das zweite hinaus, zum Ende der vierten Woche haben Sie die Hälfte aller zweiten Gespräche geführt (vielleicht ist das nur eines), zum Ende der fünften Woche den Rest. Anfang der sechsten Woche geht der Vertragsentwurf an den Spitzenkandidaten hinaus.

Das geht – wenn alle mitspielen (und die Kandidaten nicht nach Absenden ihrer Unterlagen ohne Hinweis in den Urlaub entschwinden). Sie haben damit eine Chance, die Bewerber restlos zu entzücken. Und Sie hätten 50 % der sonst erforderlichen Zeit für den Prozess „Wir stellen einen neuen Mitarbeiter ein“ ohne großen Aufwand eingespart. Der Hintergrund: Der Bewerber versteht nicht, warum eine Entscheidung für ihn (eine gegen ihn interessiert nicht) mehr als einen Tag dauert – wo man doch ihn (ihn!) kennt, aus den Unterlagen oder gar persönlich!

Und was hat derjenige Leser davon, der nicht Entscheider in diesem Prozess, sondern nur irgendwann Bewerber ist und auch „schnelle Entscheidungen“ so überaus positiv bewertet? Er sollte seine Maßstäbe noch einmal überdenken: Weder ist ein „schnelles“ Unternehmen finanziell solider, noch sind die Chefs dort netter oder die Perspektiven besser. Auch Gehaltserhöhungen werden dort nicht leichter gewährt. Geschwindigkeit bei dieser speziellen Art von Personalentscheidungen ist ein isoliert stehendes Einzelkriterium. Das vermutlich Bewerbern imponiert, weil es ihrer Eitelkeit schmeichelt. Sonst bedeutet es leider nichts. Schade eigentlich.

 

Frage-Nr.: 162
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 23
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-12-06

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