Heiko Mell

Termine müssen gehalten werden

Antwort:

Die Überschrift klingt gut, ist flüssig, geht ein (finde ich). Und schon ist sie da, die ewige Angst des Autors: Wo hast du das abgeschrieben, wer hatte die Idee dazu ursprünglich? Zu hoffen, dass es gut geht, hat keinen Zweck: Mindestens ein informierter Leser findet sich immer. Aber dann die Erlösung, als es mir selbst einfällt: Das Original kommt von den Juristen, ist im Original in Latein und heißt auf Deutsch: „Verträge müssen gehalten werden.“

Damit ist das geklärt, ich kann mich dem Thema widmen. Das nun ist auch für mich von besonderem Interesse, schließlich steht jeder dieser „Beiträge“ auch unter Termindruck; der Verlag wird meinetwegen nicht die Druckmaschinen anhalten oder weiße Flächen auf der Seite produzieren.

Und wenn mir die Herkunft dieser so merkwürdig bekannt vorkommenden Überschrift nun nicht eingefallen wäre, was dann? Notfalls alles umschreiben – aber rechtzeitig abgeben, da gibt es keinen Kompromiss, keine Ausnahme.

Und jetzt kann die Mehrheit der Leser nicht so tun als sei das selbstverständlich und sie hätte es ohnehin gewusst. Denn es sieht schlecht aus mit den gehaltenen Terminen in „diesem unserem Lande“ (nach Kohl, Helmut)!Worüber beklagen sich Professoren, wenn man sie nach besonders auffallenden Schwächen ihrer Studenten fragt? „Sie halten ihre Termine nicht.“ Warum nicht? Sehen Sie, das interessiert schon niemanden mehr. Weil es nicht heißt: „Du sollst gute Ausreden haben für deine Terminüberschreitungen“, sondern nur: „Termine müssen gehalten werden.“ Schön, man könnte vielleicht sogar besser „eingehalten“ sagen, aber so viel an dichterischer Freiheit muss sein – und was würde dann aus meiner schönen Einleitung. Umschreiben, neu durchdenken? Und der wöchentliche Abgabetermin? Also halten Sie Ihre Termine oder halten Sie sie ein – aber überschreiten Sie sie nicht! Niemals, überhaupt nicht, unter keinen Umständen.

Denn wer so anfängt, macht so weiter. In der Praxis der täglichen Berufsausübung gilt: Jede Ausarbeitung soll möglichst brillant sein – vor allem aber muss sie pünktlich abgegeben werden. Womit verärgert man seine Kunden besonders wirkungsvoll? Mit andauernden Terminüberschreitungen. Und seine Chefs? Mit zu spätem täglichem Dienstantritt, mit zu spätem Abgeben von Ausarbeitungen, mit zu spät fertig gewordenen Projekten etc. etc.

Was nützt dem Vorgesetzten ein Team aus Genies, wenn die niemals termingerecht fertig werden. Solide Arbeit, auftragsgemäß lt. Vorgabe abgeliefert, ist jedem Chef mehr wert als gelegentliche Superleistungen, die nie da sind, wenn man sie braucht.

Das fängt beim Antreten zum Vorstellungsgespräch an und hört bei der Karriere noch immer nicht auf: Lassen Sie ein Vorstandsmitglied warten – und es wartet in Zukunft auf einen anderen.

Und da ein guter Beitrag, wenn einem Autor sonst nichts einfällt, zum Schluss das Thema noch einmal aufgreift (damit auch rüberkommt, was gesagt sein sollte), hier die eindringliche Warnung „am Stück“: Termine müssen gehalten werden – „Pardon wird nich jejeben“. Ersteres lt. den bereits erwähnten Juristen, letzteres lt. Willem Zwo, ehemals Deutscher Kaiser (aus etwas anderem Zusammenhang, aber hier schön passend).

Kurzantwort:

Die Überschrift klingt gut, ist flüssig, geht ein (finde ich). Und schon ist sie da, die ewige Angst des Autors: Wo hast du das abgeschrieben, wer hatte die Idee dazu ursprünglich? Zu hoffen, dass es gut geht, hat keinen Zweck: Mindestens ein informierter Leser findet sich immer. Aber dann die Erlösung, als es mir selbst einfällt: Das Original kommt von den Juristen, ist im Original in Latein und heißt auf Deutsch: „Verträge müssen gehalten werden.“

Frage-Nr.: 160
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 20
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-05-15

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