Heiko Mell

Die Schlüssel, für die es kein Schloss gibt

Antwort:

Die Zeitungen dieser Tage sind voller Stellenanzeigen. Wir wissen aus der Langzeitbeobachtung: Mehr offene Positionen wird es kaum geben in den nächsten Jahren. Niemand sollte auf bessere Zeiten hoffen – sie sind nämlich schon da; wenn es anders wird, dann eher schlechter.

Und dennoch trifft man auf zahlreiche Angestellte aller Kategorien und Ebenen, die zwar intensiv suchen, aber letztlich auch den dicksten Stellenanzeigenteil verzweifelt zur Seite legen: „Was immer gesucht wird, für mich ist nichts dabei.“

Wobei durchaus ein deutlicher Vorwurf mitschwingt an die Inserenten, die so gar nicht haben wollen, was man ist. Oder auch Resignation im Sinne von: „Man kann ja nichts dagegen tun.“

Beides ist falsch. In der Marktwirtschaft ist kaum ein Fehler tödlicher als der, am Kundenwunsch vorbei zu produzieren. Die Positionen, die da in den Zeitungen stehen, sind wie Schlösser, die Türen öffnen sollen – und die Qualifikation des Bewerbers ist der Schlüssel. Und der wiederum hat keinen Vorteil, wenn er schön, technisch brillant oder auf Hochglanz poliert ist. Er muss hingegen in das jeweilige Schloss passen, möglichst reibungslos und ohne Nacharbeit. Sonst kauft ihn niemand.

Und Schlösser von heute sind nicht mehr vergleichbar mit denen von gestern. Wer Schlüssel anbietet, muss nachziehen.

Jeder Angestellte feilt ein Arbeitsleben lang an seinem persönlichen Schlüssel. Niemals darf er erst dann feststellen, dass es für sein Produkt gar keine Schlösser gibt, wenn er verkaufen will oder muss. Der ständige Abgleich mit den aktuellen Anforderungen ist angesagt, im Stellenteil der Zeitungen stehen sie drin.

Wer also merkt, dass seine Qualifikation auf keine Anzeige passt, muss rechtzeitig etwas tun – und notfalls auch „nur deshalb“ eine Veränderung ins Auge fassen, weil sein bisheriger Weg immer tiefer in eine Sackgasse führt. Firmen geben sehr viel Geld aus für Marktforschung und Kundenwunschanalyse. Angestellten werden die Daten immerhin frei Haus geliefert.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 16
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 11
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-03-17

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