Heiko Mell

Der typische Kandidat

Antwort:

Zum Durchschnitt zu gehören ist der Güter höchstes eher nicht. Aber es kann außerordentlich hilfreich sein, möglichst viel über die typischen anderen Bewerber zu wissen, die in vergleichbarer Lage sind, ähnliche Ziele haben und mit denen man sich in den üblichen Unterlagenstapeln trifft. Und auch zur eigenen Standortbestimmung ist es förderlich, Informationen darüber zu haben, wo man sich von Mitbewerbern unterscheidet.

Wir haben eine größere Anzahl von Bewerbern analysiert, die sich um Führungs- und -nachwuchspositionen im industrierelevanten Bereich bemühten und mindestens drei Jahre Praxis (aber auch deutlich mehr) hatten. Ausgewertet wurden nur solche Kandidaten, die wir im Vorstellungsgespräch kennen gelernt hatten (wobei viele der zu nennenden Kriterien nicht für die Einladung relevant gewesen waren, weil wir sie erst im Gespräch erfahren konnten):
Beim Alter dominiert mit 39 % die Gruppe 36 – 40 Jahre deutlich, angrenzende Gruppen gehen sofort auf den halben Anteil zurück. Und was alle schon wissen: über 45 wird es sehr dünn.

Beim Studium führt die Uni/TH/TU mit 52 %, eine FH hatten 35 % besucht, die Gesamthochschule kam nur auf 3 %.

Ein „sehr gutes“ Studienresultat erzielten 16 % der eingeladenen Kandidaten. 58 % konnten ein „gutes“ Ergebnis vorweisen, sie bilden das „Rückgrat“ der interessanten Bewerber. Der Rest liegt bei „befriedigenden“ Abschlüssen, schlechtere sind statistisch nicht relevant.

Immerhin 43 % konnten eine Lehre vorweisen, meist vor dem Studium absolviert.

Bei der Dienstzeit beim heutigen (bzw. letzten) Arbeitgeber liegt der Schwerpunkt mit 51 % auf „bis zu vier Jahren“, dann nimmt die Quote deutlich ab – erreicht aber bei „mehr als zehn Jahren“ noch einmal 15 %.Das heutige Arbeitsverhältnis ist bei 84 % ungekündigt, 68 % bezeichnen es zusätzlich als „unbelastet“ (keinen Ärger mit dem Arbeitgeber, keine besondere Drucksituation).

Mit 50 % liegt die Quote der „sehr gut“ (fließend, verhandlungserfahren, in Wort und Schrift) Englisch sprechenden Kandidaten schon recht hoch, weitere 38 % können immerhin noch „gut“ Englisch (fließende Verständigung möglich), der Rest zieht sich auf „Grundkenntnisse“ zurück.

52 % kennen darüber hinaus mindestens eine weitere Fremdsprache, wobei es oft aber nur zur Grundverständigung reicht (gehobene Schulkenntnisse).

Nur in 26 % der Fälle waren auch die Eltern Akademiker, die überwältigende Mehrheit ist jedoch Bildungs-Aufsteiger!

82 % haben Geschwister, der Rest sind Einzelkinder (das hat beispielsweise bei der Vertriebsbegabung durchaus auch Aussagekraft).

79 % sind verheiratet, 64 % der Verheirateten haben Kinder.

Bei 36 % der Verheirateten ist der Ehepartner berufstätig – in 64 % also nicht. Das deckt sich zufällig mit der Quote der Verheirateten mit Kindern, es wird hier aber Überschneidungen geben (manche „kinderlosen“ Partner sind nicht berufstätig, dafür arbeiten in anderen Fällen beide Eltern).

Politische Ämter oder Mandate sowie auch nur engagiert ausgeübte Partei-Mitgliedschaften wurden nur in 4 % der Fälle genannt! Die Standard-Führungskraft ist interessiert, aber nicht engagiert in diesen Fragen.

Bei den Hobbys (Freizeitbeschäftigungen) dominiert Sport mit 89 % – wer hier nichts nennen kann, fällt schon auf. Mit 20 % folgt bereits die Familie, Reisen bringt es auf 16 %, Musik wird von 14 % genannt, Lesen kommt etwa auch auf 14 %, „Freunde“ erreichen 9 %.

 

Fazit: Der berufserfahrene Standardbewerber um karriererelevante Positionen ist in der zweiten Hälfte der Dreißiger, hat ein Uni/TH-Studium mit „Gut“ abgeschlossen, bringt keine Lehre mit, ist „bis zu vier Jahren“ beim heutigen Arbeitgeber tätig, sein Arbeitsverhältnis ist ungekündigt und unbelastet. Er spricht und schreibt fließend Englisch, verständigt sich auch noch in einer weiteren Fremdsprache etwas. Er ist sozialer Aufsteiger, hat Geschwister, ist verheiratet, hat Kinder, der Ehepartner ist derzeit nicht berufstätig. Er ist nicht politisch engagiert (aber interessiert) – und er treibt Sport (wenn man es ihm auch nicht immer so spontan ansieht). Niemand muss um jeden Preis diesem Profil nacheifern – und schließlich stimmt ja auch kaum jemand zu 100 % damit überein. Aber dies können Orientierungspunkte sein.

PS: Das ist natürlich keine Auswertung, die höheren wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Allein schon die verschiedenen offenen Positionen, die zu den Bewerbungen geführt hatten und hier nicht mit einbezogen wurden, beeinflussen das Ergebnis. Dennoch dürfte die Analyse hinreichend genau den Durchschnittsbewerber für Industriepositionen im genannten Segment umreißen.

Kurzantwort:

Zum Durchschnitt zu gehören ist der Güter höchstes eher nicht. Aber es kann außerordentlich hilfreich sein, möglichst viel über die typischen anderen Bewerber zu wissen, die in vergleichbarer Lage sind, ähnliche Ziele haben und mit denen man sich in den üblichen Unterlagenstapeln trifft. Und auch zur eigenen Standortbestimmung ist es förderlich, Informationen darüber zu haben, wo man sich von Mitbewerbern unterscheidet.

Frage-Nr.: 158
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 18
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-01-05

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