Heiko Mell

Interessantes kann man tun oder werden

Das nicht im Bewusstsein aller berufstätigen Akademiker hinreichend verankerte Problem besteht darin, dass ihnen dieses Wörtchen „oder“ nicht bewusst ist: Sie hätten gern beides, interessante Aufgaben und einen konsequent erfolgreichen Aufstieg in interessante Spitzenpositionen.

Und das geht nicht! Oder sagen wir es so: Es gibt durchaus Fälle, in denen man innerhalb einer gewissen Phase sowohl an fachlich ungeheuer „spannenden“ (so formuliert die aufstrebende Jugend heute) Projekten arbeitet als auch in relativ kurzer Zeit eine Beförderungsstufe nach der anderen durcheilt. Aber dann kommt früher oder später der Punkt, wo die beiden „Schienen“ auseinanderlaufen – und man sich entscheiden muss: Eines der Ziele bekommt Priorität I, das andere rangiert dann darunter, notfalls auch deutlich.

Da viele, insbesondere viele jüngere Menschen gewohnt sind, „alles“ zu fordern, fällt ihnen das Setzen so klarer Prioritäten erfahrungsgemäß recht schwer. Als Ergebnis suchen sie ständig nach dem Kompromiss – und vermurksen schließlich beides.

Dieser Zwang, sich klar zu einer Priorität zu bekennen, ist fundamentaler Bestandteil unseres gesamten Systems, er gilt „auf breiter Front“: Ich bleibe entweder an meinem Lieblingswohnort hocken oder ich hole alles heraus, was beruflich in mir steckt. Ein Unternehmen strebt entweder nach deutlich mehr Marktanteil oder nach deutlich höheren Erträgen – aber nie geht beides zusammen.

Also tummele ich mich auch entweder nur in den interessantesten Aufgabenbereichen bzw. Branchen oder ich werde sehr schnell Abteilungsleiter bzw. Geschäftsführer. Es ist eine Frage der Hauptzielsetzung, der Prioritäten eben.

Nehmen Sie mich: Dieses hier hat mir immer Spaß gemacht, hat mich als hochinteressante fachliche Aufgabe herausgefordert. Und was ist dabei herausgekommen? Bin ich etwa zum „Ober-Serien-Autor“ befördert worden oder etwas in der Art? Zum Glück habe ich ja noch ein ganz anderes, umfangreicheres Betätigungsfeld, das als Ausgleich dienen kann. Aber Sie verstehen das Prinzip.

Relativ bald am Anfang Ihrer Laufbahn stellt sich Ihnen die Frage: Wollen Sie im Zweifelsfall lieber die interessante Tätigkeit oder die erfolgreichere Karriere? Und dann sind Sie gefordert.Zwei Anmerkungen noch dazu:

1. Schreiben Sie mir nicht mit 28, dass Sie „stets beides optimal“ miteinander verbinden konnten“, schreiben Sie mir das mit 64.

2. Begnadeten Persönlichkeiten gelingt etwas Besonderes: Die Karriere kommt auf Nr. I – und die verschiedenen Tätigkeiten, die sich daraus ergeben, empfinden sie ebenfalls als hochinteressant. Es ist eine Frage der inneren Einstellung zu den Dingen, sie ist der eigentliche Erfolgsfaktor überhaupt. „Was mich meinem Ziel näher bringt, macht mir auch Freude“ – das ist es! Nicht „Ich suche die Tätigkeit, die mir Freude macht“, sondern „ich gehe mit Freude an einen Job, der mich meinem Ziel näher bringt“. Fast ein Stück Lebensphilosophie.

Frage-Nr.: 157
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 17
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-04-24

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