Heiko Mell

Wie ein Auto ohne Rückwärtsgang

Antwort:

Hat es gegeben, solche Autos. Ein Freund von mir hatte in seinen Studententagen eines. Man konnte es notfalls quer in eine Parklücke heben (wenn man ausgestiegen war), aber rückwärts zu fahren war nicht drin. Es ging, wenn der Motor denn lief, immer nur weiter vorwärts – oder man hielt an.

…So ähnlich funktioniert Karriere auch. Wo Sie auch sind, wohin Sie auch kommen: Sie bleiben entweder da oder Sie fahren bald weiter. Aber ein Zurück gibt es nicht. Und Ihre „Straße“ trägt das Schild „Einbahn“ – Wenden verboten.

Das wäre ja alles nicht so schlimm, würde das Zurückfahren nicht immer wieder versucht. Da ist jemand ganz stolz auf den Allein-Geschäftsführer einer kleinen Gesellschaft – und bewirbt sich nun um die Ressort-Geschäftsführung einer nur wenig größeren. Was vom Rang her das Einlegen eines „Rückwärtsganges“ bedeutete – doch den gibt es nicht! Man kann das natürlich auch begründen: „Allein“ für „alles“ zuständig gewesen zu sein, ist etwas anderes, als sich jetzt im Team mit anderen Geschäftsführern abstimmen und auf einen Vorsitzenden hören zu müssen. Und nicht automatisch auch die Fragen regeln zu können, die bisher zum Tagesgeschäft gehörten, jetzt aber Teil des eifersüchtig bewachten Ressorts eines Kollegen sind.

Oder Ressort-Geschäftsführer gewesen zu sein und jetzt – warum auch immer – „nur“ noch Bereichsleiter werden zu wollen: Da befürchtet der potenzielle neue Chef (Geschäftsführer) doch glatt: „Dem fehlt es vielleicht an Respekt vor Geschäftsführern – der war ja selbst schon ein solcher.“

Auch beim Einkommen darf die Entwicklung zwar vorwärts laufen oder auf der Stelle treten, aber nicht zurück. Wegen drohender Frustration und fehlender Motivation.Wer also beim Fahren mit dem „Wagen ohne Rückwärtsgang“ ein Ziel hat, muss aufpassen, dass er nicht darüber hinaus schießt.

Dies als Warnung. Aber ein bisschen Hoffnung bleibt! Zwar kann man nicht rückwärts fahren – aber aussteigen und schieben, das geht. Wer das schon einmal gemacht hat, kennt die Tücken dieser Art von Fortbewegung. Vor allem im Regen, bei Dunkelheit oder gar auf Schlaglochwegen. Mit viel Aufwand aber ist etwas zu machen.

„Schieben“ heißt in der Bewerbungspraxis eben auch, sich ungewöhnlich anzustrengen und Ungewöhnliches zu tun. Beispielsweise nicht zu schreiben: „… bin ich heute Allein-Geschäftsführer der …, zuständig für alle unternehmerischen Aktivitäten von der Unternehmensstrategie über den Vertrieb, die Entwicklung, die Produktion bis hin zu allen kaufmännischen Funktionen inkl. Bankenkontakt und Jahresabschluss.“ Und sich dann um den Ressort-Geschäftsführer „Technik“ zu bewerben.

Stattdessen schreibt man ganz gezielt, etwa so: „… Leitung des Produktbereichs X, der innerhalb der Gruppe in einer eigenen kleinen Einheit zusammengefasst ist. Aufgabenschwerpunkt ist die Technik mit Entwicklung, Produktion und technischem Vertrieb.“ Und dann steht harmlos in Klammern dahinter (und hat ebenso viel Schweiß und Demut gekostet wie das Schieben des eigenen Autos unter den spöttischen Augen diverser Passanten): „(formaljuristisch wird die Einheit als GmbH geführt, ich bin als alleiniger Geschäftsführer eingetragen; dem kommt aber gruppenintern keine Bedeutung bei, da ich mich ständig mit den Fachbereichsleitern der Hauptverwaltung abstimme und den Weisungen des Geschäftsführungs-Vorsitzenden der Holding unterliege)“. Man hängt dabei die heutige Position „tief“ und ist nicht auch noch erkennbar stolz auf Rang und Titel.

Rechtzeitig zu bremsen ist die bessere Lösung: Wenn ich später einmal Ressort-Geschäftsführer werden will, vermeide ich es möglichst, vorher irgendwo anders bis zum Allein-Geschäftsführer vorzustoßen. So wie ich in der Einbahnstraße besser nicht erst bei Haus Nr. 180 anhalte, wo ich doch eigentlich bei Nr. 156 parken will. Das Schieben zurück ist mühsam.

Kurzantwort:

Hat es gegeben, solche Autos. Ein Freund von mir hatte in seinen Studententagen eines. Man konnte es notfalls quer in eine Parklücke heben (wenn man ausgestiegen war), aber rückwärts zu fahren war nicht drin. Es ging, wenn der Motor denn lief, immer nur weiter vorwärts – oder man hielt an. …

Frage-Nr.: 156
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 16
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-04-17

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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