Heiko Mell

Zu kurz gesprungen

Antwort:

Auf einem dieser Teiche spielte die Dorfjugend im beginnenden Vorfrühling ein interessantes Spiel: Die noch recht dicke Eisdecke wurde mit der Axt in Schollen zerschlagen, diese wurden jeweils unter eine andere Scholle gestoßen, so dass am Schluss insgesamt die Hälfte der Wasserfläche frei und der Rest von doppelt starken Eisstücken bedeckt war, die frei im Teich herumtrieben. Diese „Doppelschollen“ trugen einen kräftigen Jungen – aber nur eine Weile. Sie gingen, blieb er zu lange darauf stehen, langsam unter.

Jetzt wurden zwei Mannschaften aufgestellt, die auf zwei gegenüberliegenden Ufern postiert wurden. Es galt, durch gezieltes Springen von Scholle zu Scholle das gegenseitige Ufer zu erreichen. Jeder, der sprang, brachte durch Ab- und Aufsprung Bewegung in die treibenden Eisstücke.

Schnell bildeten sich kluge und weniger kluge Springer heraus. Die weniger klugen sprangen auf jede erreichbare treibende „Insel“, wenn sie nur in Richtung auf das zu erreichende Ufer lag: wieder ein Stück näher ans Ziel gekommen. Aber dann folgten oft zwei, drei Meter offenes Wasser. Zu weit zum Springen. Die alte Absprungscholle war durch den eigenen Stoß längst abgetrieben – und die neue ging unter ihrer Last nun langsam unter. Ertrunken ist niemand, das Wasser reichte nur bis zur Brust. Aber bei Temperaturen um den Gefrierpunkt genügte das – Elternschelte ob der triefnassen Kleidung gab den Rest.

Die klügeren Springer hingegen bewiesen Weitblick: Sie sprangen nur auf solche Schollen, von denen aus es weiterging – notfalls kamen sie auf Umwegen ans Ziel, aber sie gingen nicht unter.

Sie, liebe Leser, ahnen natürlich längst, worauf ich hinauswill: Viele Lebensläufe zeigen, dass die Kandidaten beim letzten Wechsel unüberlegt gesprungen sind, nicht die ganze Strecke bis zum Ziel im Auge, sondern nur „kurzsichtig“ auf die vermeintlich interessante nächste Position geschaut hatten. Jetzt, wo es langsam weitergehen soll oder schnell weitergehen muss, zeigt es sich, dass von dieser „Scholle“ kein weiterer Weg nach vorn führt – überall nur „freies Wasser“.

Die Regel, die wir als Kind lernten, gilt noch heute: Bevor ich auf eine Scholle trete, muss klar sein, welcher Sprung als nächster kommt. Und wenn sich mir eine scheinbar interessante Chance bietet, schaue ich erst einmal, wie es danach weitergehen könnte. Ist das nicht absehbar, lasse ich die Füße von diesem „Angebot“ und springe auf diese Scholle schon einmal nicht.

Kurzantwort:

Ich bin als Flüchtlingskind in einem kleinen Bauerndorf im nördlichen Deutschland aufgewachsen. Die Winter waren kalt, Flüsse und Teiche regelmäßig vereist, wir liefen Schlittschuh darauf.
Frage-Nr.: 155
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 15
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-04-10

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