Heiko Mell

Heute ist, sag ich mal, Freitag

Antwort:

Nach erfolgreichem Abschluss des ersten Teils meines Lebenswerkes widme ich mich nun dem zweiten.Bei jenem ersten ging es um die möglichst vollständige Ausmerzung des falschen Adjektivs „mittelständig“ bei Substantiven wie „Wirtschaft“ oder „Betrieb/Unternehmen“. Dabei gelangen mir Höhepunkte wie die Eselsbrücke „mittelständig = Botanik“. Da ich dafür jedoch fast neunzehn Jahre gebraucht habe, muss ich jetzt schneller werden, effizienter arbeiten.

Also habe ich mir diesmal auch nicht das anspruchsvolle Ziel gesetzt, die Menschen über den richtigen Gebrauch eines Wortes aufzuklären, das man leicht mit einem falschen Begriff verwechseln kann. Sondern ich folge dem Rat großer Geister, die da sagen, alles was wirklich etwas tauge, sei eher ganz einfach. Einfach ist nun auch meine dringende Empfehlung, eine Redewendung gar nicht (mehr) zu gebrauchen. Nicht richtig, nicht falsch, einfach gar nicht. Das müsste diesmal doch schneller gehen, oder?

Mussten Sie schon einmal aufmerksam einem Menschen lauschen, der sich permanent outet? Also, damit wir uns recht verstehen, nur als „Sag ich mal“-Sager, aber immerhin. Und der zur Sicherheit in jedem Satz – in manchen auch mehrfach – immer wieder neu bestätigt, dass dies die Formulierung ist, die er am besten beherrscht und am liebsten verwendet?

Das geht etwa so (und ich schwöre, dass ich hier ebenso wenig übertreibe wie sonst auch):“Also da bin ich 1974 eingeschult worden, sag ich mal. Dann kam ich, sag ich mal, vier Jahre später auf das Gymnasium, sag ich mal (‚Zweifach-Salto‘ d. Autor). Dann rief die Bundeswehr, sag ich mal, was mich, sag ich mal, nicht so froh gestimmt hat, sag ich mal (‚Dreifacher Salto‘, d. Autor).“

Das macht jeden Zuhörer schier wahnsinnig. Weiter macht es keinen wie auch immer gearteten Sinn und es bläht, sag ich mal, nur die Ausführungen auf. Sag ich mal.

Also lautet die dringende Empfehlung: Schildern Sie einmal einem Sprachaufzeichnungsgerät Ihren Werdegang (beispielsweise) und hören Sie das später wieder ab: Ganz ohne „Sag ich mal“ = vielversprechend. Alle drei Minuten einmal = Grenzfall. Einmal pro Satz = Nervensäge. Mehrfach pro Satz = Sie nerven gewaltig.Also lautet die Regel: Nie sollst du „sag ich mal“ sagen.

Für speziell gebildete Leser kann ich das auch als Hexameter formulieren, wenn es gewünscht wird – Sie müssen es nur richtig, sprich an den fettgedruckten Stellen, betonen:“Ich will in Zukunft ganz sicher nicht jemals mehr ‚Sag ich mal‘ sagen.“ Wobei ich eingestehe: Homer konnte das besser. Aber er steht leider nicht mehr zur Verfügung.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 147
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 7
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-02-13

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