Heiko Mell

Am Anfang war das Ende

Antwort:

Ich war gerade wieder gezwungen, 212 Bewerbungen zu lesen, die auf eine(!) Ausschreibung hin eingegangen waren. Dabei kamen mir natürlich auch die zugegebenermaßen ungeliebten „amerikanischen“ Lebensläufe unter – die hinten beginnen und vorn enden.

Und wieder bemühte ich mich verzweifelt, hinter den Sinn des Ganzen zu kommen. Und wieder vergeblich. Das kann, ja muss an mir liegen, woran auch sonst. Ich will eben verkalkterweise immer noch wissen, wie der „Lauf des Lebens“ war, wie sich der beruflich relevante Weg des Kandidaten entwickelt hat. Ich will die Begründung für die einzelnen Schritte erkennen, die Logik nachvollziehen, den „Fortschritt“ des Werdeganges von Schritt zu Schritt sehen – und bewerten. Ich weiß immer noch nicht, welchen Sinn es hat, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Andere haben es vielleicht herausgefunden …

Aber bitte, vielleicht haben mir andere auch etwas voraus. Außerdem hatten wir das alles schon an dieser Stelle. Aber jetzt habe ich die deutschen Nachahmer der Amerikaner bei einem fatalen Denkfehler erwischt. Und das geht so:
In diesem unserem Lande liefert der Lebenslauf einen wichtigen Abriss der beruflichen Entwicklung und damit der Qualifikation des Bewerbers. Er wird gestützt durch die hierzulande üblichen, durchaus bedeutsamen Arbeitgeberzeugnisse aus den einzelnen Arbeitsverhältnissen.Sie stimmen mir sicher zu: Zeugnisse dieser Art sind wichtig, gute sind eine gute Empfehlung, schlechte sind schlecht für die Erfolgsaussichten. Der Lebenslauf mit seiner reinen Eigendarstellung wird also durch die nach ihrer Fertigstellung unveränderbaren Zeugnis-Dokumente gestützt. Und der Bewerbungsanalytiker vergleicht beides: Daten, innegehabte Positionen, Beförderungen, Prokuren, sonstige Kompetenzen und Verantwortlichkeiten sowie oft aufgelistete Arbeitsresultate aus dem Lebenslauf mit den adäquaten Angaben im Zeugnis („war er, wie er behauptet, von 1993 bis 1998 Geschäftsführer oder nur Mitglied der Geschäftsleitung, wie zu vermuten ist?“ oder „war er in jener Phase wirklich Projektleiter oder ‚nur‘ Sachbearbeiter?“).

Ja und wenn dann der Lebenslauf „falsch herum“ (umgekehrt chronologisch) aufgebaut ist, die Zeugnisse jedoch „richtig herum“ (chronologisch) abgefasst sind, sucht man mit doppeltem Zeitaufwand und blättert man mit steigender Wut zwischen beiden Dokumenten hin und her. Das muss absolut nicht zu Gunsten des Bewerbers ausgehen!

Da natürlich die „amerikanische“ Version des Lebenslaufs die allein richtige ist, bringen Sie Ihre Arbeitgeber doch bitte dazu, ihre Zeugnisse dem Lebenslauf anzupassen. Die Einleitung lautete dann etwa so: „Herr Max Müller, geboren am …, schied am 31.12.2002 aus betrieblichen Gründen bei uns aus. Vorher war er als … tätig. Davor, vom … bis … (oder heißt es „bis … vom …“?) war er als … eingesetzt worden.“ Dazwischen steht die Beurteilung und am Schluss heißt es: „Eingetreten war er am 01.04.1997. Schulze & Sohn GmbH.“

Viel Spaß bei der Diskussion mit der Personalabteilung. Aber Sie haben ja gute Argumente …“Die Amerikaner“ übrigens können gar nichts dafür. Sie kennen schlicht unsere Zeugnisse nicht. Und ich fürchte, sie werden sie auch nicht einführen. Irgendwie sind sie immun gegen blinde Nachahmung. Ein stolzes Volk eben.

Kurzantwort:

Ich war gerade wieder gezwungen, 212 Bewerbungen zu lesen, die auf eine(!) Ausschreibung hin eingegangen waren. Dabei kamen mir natürlich auch die zugegebenermaßen ungeliebten „amerikanischen“ Lebensläufe unter – die hinten beginnen und vorn enden.

Frage-Nr.: 146
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 6
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-06-02

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