Heiko Mell

Wollen, Können, Regeln kennen

Antwort:

Die einfachsten Fragen sind ja oft die besonders tückischen. So auch diese: „Wie macht man denn nun Karriere?“ Und: „Lassen Sie die Details ruhig einmal weg, erläutern Sie das Prinzip.“ Sie ahnen es: Junge Menschen fragen so. Wer hingegen schon Geschäftsführer ist und vom Konzernvorstand träumt, geht nicht so furchtbar direkt auf den Kern der Sache los.Aber die Frage ist ja nicht etwa unberechtigt. Und eine Antwort muss es irgendwie geben. Schließlich gilt: Man kann alles erklären (ausgenommen die Politik unserer Regierung, aber das ist eine andere Baustelle).

Alsdann:

1. Sie müssen Karriere machen wollen.

Damit fängt alles an. Karriere muss Ihr Ziel sein; Sie wollen Macht, Entscheidung, etwas bewegen; ein Berufsleben ohne Führungsfunktion ist für Sie keine Lösung (bedenken Sie: Geführt wird immer; es geht nur darum, ob Sie dabei sind). Sie räumen dem Beruflichen neben dem Privaten einen hohen Stellenwert ein, kleben nicht an Wiesweiler West. Weil Sie wissen, dass man für etwas, das man will, auch einen angemessenen Preis zahlen muss.

2. Sie müssen das erforderliche Können mitbringen.Es gibt dafür immerhin Indizien, die auch schon vor dem Berufseintritt darauf hindeuten: So kann es keinesfalls schaden, schon während der Schule, der Ausbildung, während des Studiums und/oder der Promotion den Kopf aus der Masse gesteckt und mehr als andere mit gleicher Ausgangsbasis erreicht zu haben. Sie müssen gern Entscheidungen treffen, auch wenn die Informationsbasis schwach ist. Sie sind überzeugt, dass auch andere (Lehrer, Professoren, Kollegen, Chefs) bei Ihnen nicht nur gute Leistungen, sondern auch Potenzial für einen (weiteren) Aufstieg sehen. Und Sie stehen zu Begriffen wie „Ehrgeiz“ und „Elite““ positiv. Erfolgreiches Engagement in führender Position(!) im außerschulischen, außeruniversitären Bereich wäre ebenfalls ein gutes Zeichen. Sie setzen sich in Diskussionen oft durch, andere folgen Ihnen. Sie sind fähig, für Ihre Ziele auch zu kämpfen (ohne Kampf kein Sieg – nicht einmal im Tennis oder Fußball).

3. Sie müssen die Regeln dieses „Spiels“ kennen – und beachten.Denken Sie auch hier wieder an Wettkämpfe im Sport: Nur wer die Regeln kennt und danach handelt, hat eine Chance. Wer siegen will, muss sich um diese Kenntnisse kümmern, muss lesen, fragen, analysieren. Wobei es gleichgültig ist, was Sie von einzelnen Regeln halten – leben und arbeiten müssen Sie danach. Z. B. nach dieser: Ein guter Mitarbeiter im Sinne des Systems ist einer, den seine Vorgesetzten dafür halten. Sie müssen bereit sein, taktisch geschicktem Vorgehen eine hohe Priorität einzuräumen und „die Sache“ auch einmal zurückzustellen. Ihr Partner muss „mitspielen“. Sie dürfen nur bedingt Individualist sein wollen, „Anpassung“ darf kein Schimpfwort sein. Und Sie sind nicht der Mensch, der ständig bei Autoritätspersonen (Lehrer, Bundeswehr, Professoren, Chefs) aneckt.

4. Und wenn das alles stimmt, macht man Karriere?Nicht zwangsläufig – aber dann haben Sie eine sehr solide Chance.

5. Wo bleiben die Top-Leistungen im fachlichen Bereich?

Sie sind selbstverständlich, beweisen oder bewirken allein aber nichts. Fachlich hervorragende Leistungen sind so wichtig wie gesunde Beine für einen Weltklasse-Tennisspieler: Ohne sie läuft gar nichts – und mit gesunden Beinen allein werden Sie nicht einmal Vereinsmeister in Wiesweiler-West. Sie sehen, was an der Hochschule alles nicht gelehrt wird (dafür heißt sie auch nicht „Karriere-Institut“. Im übertragenen Sinne wäre sie eine Art „Lehrinstitut für gesunde Beine e. V.“, was nicht negativ gemeint ist: Nur in einem Volk mit sehr vielen sehr gesunden Beinen können sich hinreichend viele Weltklasse-Tennisspieler entwickeln. Warum habe ich jetzt bloß den Verdacht, irgendjemand wird sich über diese Bemerkung ärgern?).

Kurzantwort:

Die einfachsten Fragen sind ja oft die besonders tückischen. So auch diese: „Wie macht man denn nun Karriere?“ Und: „Lassen Sie die Details ruhig einmal weg, erläutern Sie das Prinzip.“

Sie ahnen es: Junge Menschen fragen so. Wer hingegen schon Geschäftsführer ist und vom Konzernvorstand träumt, geht nicht so furchtbar direkt auf den Kern der Sache los. …

Frage-Nr.: 145
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 5
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-01-30

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