Heiko Mell

Die nächste Krise kam bestimmt

Antwort:

Es heißt natürlich „kommt“ im Original – aber das wiederum entspräche derzeit nicht den Tatsachen: Die „nächste“ Krise ist schließlich schon da. Mit dramatischen Rückgängen im Bereich offener Stellen, laufenden oder angekündigten Entlassungsaktionen großer und größter Unternehmen – und Bewerbungseingängen pro Stellenanzeige, die in vielen Fällen bereits wieder die 200 überschreiten.

Nun lassen sich Krisen dieser Art ziemlich sicher vorhersagen – mit etwas Schwankungstoleranz in den Details „Zeitpunkt“ und „Ausmaß“, aber im Grundsatz recht zuverlässig. Wir hatten sie 1967, 1975, 1982, 1993 – und eben 2002. Alles, was wir wissen, ist: Es wird weitere geben, mindestens im bisherigen Abstand.Als Angestellte hätte man sich auf die jetzige vorbereiten können, wie man das auf die nächste und übernächste auch wieder kann. Das Prinzip ist ganz einfach: Wenn die Unternehmen wählen können, dann wählen sie wieder diejenigen Kandidaten aus, die ihren tief verwurzelten Vorstellungen entsprechen. Dass die Firmen in der Boomphase manchen Kompromiss schlossen, hängt weniger mit aufgeweichten Maßstäben zusammen als mit dem Grundsatz, dass der Teufel in der Not auch Fliegen frisst: Wenn es keine anderen Bewerber gibt, akzeptiert man auch „Ausreißer“. Jetzt aber gibt es (andere).

Und da kommen sie wieder ans Licht und zur Wirkung, die altvertrauten Auswahlgrundsätze:

– kurzes, mit gutem Ergebnis und in jungen Jahren abgeschlossenes Studium der passenden, gefragten Fachrichtung,

– viele, viele Praktika während des Studiums, möglichst viel an „Auslandstouch“ und mindestens Englisch sicher und fließend in Wort und Schrift,

– der klare „rote“ Faden im beruflichen Werdegang, wobei letzterer möglichst eindeutig auf die jetzt angestrebte Zielposition hinführt,

– keine „wilden Wechsel“ von Aufgabengebiet und Branche – gefragt ist der passend qualifizierte Fachmann (auch im Leitungsbereich) und nicht der Möchtegern-Universalist, der gar nichts mehr richtig kann,

– Dienstzeiten von etwa fünf Jahren pro Arbeitgeber statt jährlicher Wechsel (mit der Ausrede: „Da hatte ich jeweils ein Angebot“),

– gute, solide, möglichst „warmherzig“ formulierte Arbeitgeberzeugnisse (die man nicht einklagen kann, sondern nur bei überzeugenden Leistungen von einem Chef bekommt, mit dem man harmonisch zusammengearbeitet hat),

– ein Werdegang, der klar und übersichtlich ist, keine Fragen aufwirft (sondern alle beantwortet), den man verstehen und akzeptieren kann, der nach den Anforderungen des Marktes ausgerichtet ist und nicht mühsam erklärt werden muss mit einer Formulierung, die da beginnt mit „ich dachte“.

Warum ich das so breit ausführe? Um Sie wenn schon nicht auf diese, dann auf die nächste Krise vorzubereiten. Rechnen Sie spätestens um 2009 bis 2011 damit.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 142
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 50
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-12-20

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