Heiko Mell

Deutsch, deutscher, am deutschesten

Antwort:

Es steht nicht gut um die Deutschkenntnisse unserer Akademiker. Man muss keine (Pisa-) Studien erstellen, um diese Erkenntnis zu gewinnen; es reicht, die schriftlichen Ergüsse dieser Bevölkerungsgruppe aufmerksam zu lesen. Dabei spreche ich nicht einmal von der Rechtschreibung. Die ist im Zweifelsfall bloß peinlich, schlimmstenfalls schiebt man sie der diesbezüglichen Reform in die Schuhe.

Aber es wäre doch schön, wenn Akademiker keine Wortkombinationen verwendeten, bei denen man einen Stich im Magen verspürt – weil es so schlicht nicht „geht“. Und man könnte doch verlangen, dass der Empfänger wenigstens hinter den Sinn des Geschriebenen kommt: Mir liegen Einsendungen zu dieser Serie vor, bei denen man trotz intensiver Bemühungen das Anliegen des Schreibers nicht versteht, ja bei denen man trotz des engagierten Stils seines gesamten Briefes nicht dahinter kommt, ob der Verfasser jetzt dafür oder dagegen ist. Von Sätzen, die irgendwo im Nichts beginnen und woanders in der Unbestimmtheit enden, ganz zu schweigen, Bewerbungsempfänger können ein Lied davon singen.

Ich stehe mit diesen Feststellungen nicht allein, viele hochrangige Entscheidungsträger teilen sie. Was mich immer wieder zu der Warnung veranlasst: Wenn Sie mit schriftlich vorgebrachten Anliegen (Verbesserungsvorschlag, Investitionsantrag, Projektbericht) nicht den gewünschten Erfolg hatten, kann das daran liegen, dass der Adressat Ihres Schreibens Ihre Argumentation einfach nicht verstehen konnte und das Machwerk angewidert in den Papierkorb warf.

Gibt es etwas, das man tun kann, um besser zu werden im Gebrauch seiner Muttersprache? Ich bin zutiefst davon überzeugt! Wenig bis nichts halte ich von der Idee, sich Regelbücher über Grammatik oder Stilistik zu kaufen. Kein „Anwender“ arbeitet in seiner Muttersprache mit Regeln oder kennt überhaupt eine nennenswerte Zahl davon.

Was jedoch hilft, ist Sprachgefühl! Und das lässt sich vorzüglich trainieren. Das Training ist zusätzlich unterhaltsam, spannend, bildend, preiswert und leicht auf Ihren Anspruch und Ihr Niveau abzustimmen: Lesen. Lesen Sie, was immer Sie wollen; Krimis, SF-Romane, Zeitschriften, Klassiker (nur keine moderne Lyrik wie etwa „Krawehl, Krawehl“ lt. Loriot), von mir aus Jerry Cotton oder Liebesromane und Zeitungen (letztere häufig fehlerverseucht). Am besten viel und vieles durcheinander. Dabei speichern Sie „automatisch“ Wortkombinationen, Ausdrücke, sprachliche Wendungen – und erkennen eines Tages: Das geht so nicht, das sagt kein Mensch, das taugt nichts.

So wie man ja auch durch viel Übung und Erfahrung im Straßenverkehr sofort erkennt: Was der da macht, ist falsch! Aber wer könnte schon den Paragraphen zitieren, gegen den er verstoßen hat. Also lesen Sie. E-Mails werden jedoch nicht empfohlen. Es sei denn, Sie suchen schlechte Beispiele …

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 141
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 50
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-12-13

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