Heiko Mell

Wenn das Primärziel schon besetzt ist …

Antwort:

Gesetzmäßigkeiten sind auch dann ebenso existent wie nicht ungestraft zu ignorieren, wenn man sie nur empirisch nachweisen, jedoch nicht überzeugend begründen kann. Womit ich zu einer überleiten will, die unbedingt beachtet werden muss, ohne dass ich sagen könnte, warum die Zusammenhänge genau so sind. Allerdings ist der Rat, die vorhandenen Kräfte auf ein Ziel zu konzentrieren und nicht zu zersplittern, schon lange und tief im menschlichen Erfahrungsbereich verwurzelt.

Und nun muss etwas Konkretes kommen: Mit jedem Arbeitgeberwechsel, also mit jeder erfolgreichen Bewerbungsaktion, kann man ein(!) Problem lösen, alles andere muss sich unterordnen, kommt erst an zweiter, dritter oder vierter Stelle. Aber auf dem alles dominierenden ersten Platz ist nur Raum für ein erstrebenswertes Ziel.

Das hat nicht nur sich tausendfach in der Praxis gezeigt, sondern auch Konsequenzen:- Zwei Ziele bei einer Aktion gemeinsam und gleichberechtigt auf Nr. 1 zu setzen, „funktioniert“ nicht. Ein Primärziel trägt die Aktion, bei mehreren geht nicht nur eines unter, sondern das ganze Vorhaben ist vom Scheitern bedroht.

Beispiel: Bewerber X hat eine gute Position, will aber jetzt eine bessere, sucht den Aufstieg, der in seinen Werdegang passt.

Das geht in Ordnung, lässt sich realisieren. Es wird zum Fiasko, setzt X zusätzlich auf Nr. 1: „Ich will in Wiesweiler West wohnen bleiben.“ Oder: „An dem neuen Ort muss auch meine Freundin einen Traumjob finden.“ Oder: „Bei der Gelegenheit will ich in eine ganz andere Branche.“

Das klappt nicht nur nicht -man merkt es leider auch erst viel zu spät. Weil X sich beispielsweise den gefundenen Job vor lauter Begeisterung über die endlich gefundene scheinbar gelungene Quadratur des Kreises „schön redet“ und gravierende Nachteile zunächst übersieht. Drei, sechs oder zwölf Monate später weiß er das dann auch.

– Wenn dem Bewerber schon gekündigt wurde oder er bereits arbeitslos geworden ist, hat sich der erste Platz der Prioritätenliste „automatisch“, also ganz von selbst besetzt: Die Hauptsache ist, er findet überhaupt einen akzeptablen, dem letzten (verlorenen) vergleichbaren Job. Die besonders hochwertige, die hierarchisch höher stehende, „tolle“ Aufstiegsposition kommt frühestens auf Platz 2, wo sie das Hauptziel nicht gefährden kann. Wenn man dann noch „Wiesweiler West“ ins Spiel bringt, bleibt dem nur Platz 3 mit den Chancen von „ferner liefen“.

Das wiederum heißt: Unter der Belastung einer Arbeitslosigkeit (auch einer vorerst nur drohenden) ist die „supertolle“ Top-Position kaum zu erringen. Überhaupt einen Job zu bekommen, der dem letzten gleicht, ist schon ein klarer Fortschritt gegenüber der derzeitigen Situation. Tatsächlich kann man die hier angesprochene Regel auch so formulieren: Mit jeder Bewerbungsaktion ist ein(!) „Fortschritt“ erzielbar, mehr nicht. So herum hat die Geschichte einen zusätzlichen Vorteil – sie wird nämlich rein sprachlich gestützt: Fortschritt hat keinen „bestimmten“, an Zahlen geknüpften Plural (es gibt nicht „zwei Fortschritte“). Also: „Es kann nur einen geben“ (auf so etwas muss man erst einmal kommen, auch wenn es vom „Highlander“ entlehnt ist).

Und daraus wiederum folgt: Wer wirklich etwas will auf dem Arbeitsmarkt, muss bemüht sein, sich möglichst aus ungekündigter Position und ohne Druck zu bewerben. Dann ist die Nr. 1 auf der Prioritätenliste absolut frei und Sie können die „tolle Position“ auf diese Stelle setzen.

In einem Cartoon weist ein Verdurstender in der Wüste eine angebotene Flasche Wasser entrüstet zurück: Es ist nicht seine bevorzugte Marke. Auch hier war das Prioritätsprinzip im Spiel. Aber ich gebe zu: Es wurde zu Tode geritten.

Kurzantwort:

Gesetzmäßigkeiten sind auch dann ebenso existent wie nicht ungestraft zu ignorieren, wenn man sie nur empirisch nachweisen, jedoch nicht überzeugend begründen kann. Womit ich zu einer überleiten will, die unbedingt beachtet werden muss, ohne dass ich sagen könnte, warum die Zusammenhänge genau so sind. Allerdings ist der Rat, die vorhandenen Kräfte auf ein Ziel zu konzentrieren und nicht zu zersplittern, schon lange und tief im menschlichen Erfahrungsbereich verwurzelt. …

Frage-Nr.: 140
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 49
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-06-12

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