Heiko Mell

Maßstäbe in der Spaßgesellschaft

Antwort:

Wir sind ein ziemlich freies Land: Sie können weitgehend tun, was Sie wollen – und die Leute auf Arbeitgeberseite können weitgehend denken, was sie wollen. Ersteres macht Spaß, letzteres ist der Haken an der Geschichte. Mein Job ist es, Sie vor demselben rechtzeitig vorher zu warnen.

Nehmen wir das Thema Urlaub. Eine heilige Kuh, keine Frage. Nun, jedem sei er gegönnt. Auch Arbeitslosen. Nur: Wenn jemand als Akademiker mit beruflichem Anspruch, letzterer dokumentiert durch Hierarchiestatus und sechsstelliges Einkommen (in Euro), seit einigen Monaten ohne Arbeit ist, dann unterstellt man auf Arbeitgeberseite gern, die Wiederbeschaffung einer angemessenen Position habe für den Betroffenen Priorität. Höchste sogar. Und man wundert sich doch sehr, wenn ein solcher Bewerber dann eine Einladung zum Vorstellungsgespräch nicht annimmt, weil er in Urlaub ist.

Daraus schließt die – stets bösartige – Arbeitgeberseite dann natürlich, so wichtig sei diesem Bewerber ein neuer Job nun auch wieder nicht. Urlaubsfreuden seien wichtiger. Noch einmal: Jeder kann tun, was er will – aber die jeweilige Partnerseite darf das auch einstufen, wie sie will. Und sie sieht in gesetzten Prioritäten eben Signale.

Also: Wenn jemand in beruflich schwierigen Zeiten in Urlaub fährt, dann vielleicht doch eher so, dass er in der Nähe bleibt, erreichbar ist und zum Vorstellungsgespräch zur Verfügung steht. Falls der berufliche Sektor tatsächlich Priorität genießt – sonst eben eher nicht, keine Frage.

Dann die Berufseinsteiger mit gerade abgeschlossenem Studium. Die sich eigentlich drei bis sechs Monate vor Studienende hätten bewerben soll. Die das aber nicht tun, sondern in Ruhe abwarten, bis alles vorbei ist – und dann erst einmal zur Weltreise aufbrechen. Wobei sie entweder vorher ein paar lustlose Bewerbungen absenden und dann nicht für Vorstellungen zur Verfügung stehen oder überhaupt erst hinterher so allmählich beginnen mit der Jobsuche. Hauptsache Spaß. Schön, das ist erlaubt, die Reaktionen der Arbeitgeber in Zeiten eines Überangebots von Absolventen aber sind auch deren gutes Recht. Darüber dürfen sich die Einsteiger dann wieder wundern

…Dreizehn Jahre Schule bis zum Abitur, sechs Jahre Studium, fallweise Lehre dazwischen oder Promotion danach – da könnte es den Betroffenen ja durchaus ein Anliegen sein, jetzt – endlich – einmal die Ärmel aufzukrempeln, ja sie könnten geradezu darauf brennen, mit der praktischen Umsetzung des Gelernten anzufangen. Könnten sie. Eigentlich.Wobei zusätzlich gewarnt werden muss: Jede beschäftigungslose Zeit im Lebenslauf fällt berufslebenslang auf. Und weitere „Vorkommnisse“ aller Art addieren sich dazu. Und niemand, absolut niemand kann sicher sein, dass da später nicht noch etwas kommt in der Art. Die nächste „betriebsbedingte“ Kündigung lauert schon irgendwo. Und eines Tages waren es die „arbeitslosen“ Monate nach dem Studium und die „arbeitslosen“ Monate drei Jahre später und die „arbeitslosen“ …

Kurzantwort:

Wir sind ein ziemlich freies Land: Sie können weitgehend tun, was Sie wollen – und die Leute auf Arbeitgeberseite können weitgehend denken, was sie wollen. Ersteres macht Spaß, letzteres ist der Haken an der Geschichte. Mein Job ist es, Sie vor demselben rechtzeitig vorher zu warnen…

Frage-Nr.: 139
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 48
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-11-29

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