Heiko Mell

Können Sie kochen??, Nr. 3 und Schluß

(Es geht hier um die inzwischen zu einiger Berühmtheit gelangte junge Dame, die sich als Multitalent erwies, aber Orientierungsprobleme hatte. Was wiederum Anfragen nach ihrem Foto auslöste, ihr ein Praktikumsangebot eines Unternehmens und weitere Hilfsangebote von Lesern einbrachte. Ihre Ursprungsfrage war Nr. 1.360; jetzt liegt ihre eigene Reaktion auf meine Antwort und die Leserbriefe dazu vor; d. Autor):

Es ist wie ein Puzzlespiel. Durch die Veröffentlichung meines Briefes und Ihrer Antwort in den VDI nachrichten setzte bei mir ein noch intensiverer Denkprozeß ein. Ich habe begonnen, noch viel mehr Menschen um ihre Meinung und ihre persönlichen Erfahrungen bei der Berufswahl zu bitten. Langsam setzt sich aus diesen vielen Ideen das Puzzle zusammen.

Was Ihre Antwort betrifft, hat mir Ihre erstaunliche Menschenkenntnis imponiert. Sie haben den Nagel in fast allen Punkten auf den Kopf getroffen. Vor allem waren Sie der erste, der mir offen meine eigenen Fähigkeiten vorhielt. Alles das wußte ich wohl schon immer, habe es aber nie zugeben wollen (vielleicht eine typisch weiblich anerzogene Unfähigkeit?!).

Durch die vielen Anregungen finde ich jetzt ganz allmählich zu einem Weg, der zu mir paßt. Vielen Dank.

Was die Sprachen und die Entscheidungsfähigkeit betrifft, bin ich mir noch nicht so ganz klar darüber geworden, ob ich mich in Ihre Beobachtungen einreihen muß. Ich forsche intensiv in mir selbst und auch bei Familienmitgliedern, die ebenfalls mit so einem Talent bescholten sind. Richtig ist auf jeden Fall, daß es mir sehr schwer fällt, Entscheidungen zu treffen.

Mit der Firma …, die mir als Reaktion auf die Veröffentlichung meines Falles spontan ein Praktikum anbot, habe ich schon Kontakt aufgenommen und hoffe, daß ich den internationalen Vertrieb in diesem Unternehmen kennenlernen kann. Eine Promotion werde ich nach derzeitigem Stand meiner Pläne einige Jahre nach hinten verschieben, mich in der Wirtschaft umsehen, um dann zu entscheiden, ob ich die Promotion – und wenn, in welchem Bereich – noch machen möchte.

Aber die Idee, eine Professorenlaufbahn zu verfolgen, werde ich weiterhin im Auge behalten. Denn mir wird gerade jetzt auch durch den Bewerbungsprozeß klar, daß Lehren zu meinen „Kernkompetenzen“ im Sportverein gehört hat.

Noch einmal möchte ich für all diese Anregungen und auch für Ihre Mühen danken, daß Sie mir die Briefe mit den Reaktionen der Leser haben zukommen lassen.

PS. Eines Tages werde ich nicht wegen mangelnder Kochkünste eine Haushälterin einstellen müssen, sondern wohl eher, weil ich keine Zeit für meine Kinder haben werde!?

Antwort:

Ich nutze die – relativ selten gegebene – Chance, hier mit Frage Antwort, Leserreaktionen und dem Bericht des betroffenen Lesers / der Leserin einmal einen kompletten Fall zu dokumentieren.Kommentieren will ich die Aussagen unserer Einsenderin nun nicht mehr. Obwohl, reizen würde es mich schon. Also vielleicht doch ein Detail, ein winziges:

Hübsch und aufschlußreich finde ich die Klammer am Schluß Ihres zweiten Absatzes: Da wird etwas eingestanden. Aber vorsichtshalber nicht ganz, sondern mit der Einleitung „vielleicht“, also doch eher im unverbindlichen Bereich bleibend. Und dann kommt dahinter zur Absicherung erst einmal ein Fragezeichen. Schlimmstenfalls hat man gar nichts zugegeben, sondern eine Frage gestellt. So, und wenn das alles nichts hilft, dann waren es nicht Sie, dann waren es Ihre Eltern. Die Ihnen eben die paar Unfähigkeiten – leider, leider – anerzogen haben. Oder die Kindergärtnerin. Wer sonst?

Also, liebe Leser, damit ist klar: Sollten Frauen tatsächlich irgendwelche Schwächen haben, dann können sie nichts dafür – man hat sie ihnen von außen aufoktroyiert! Ach ja: Kindergärtnerinnen sind immer Frauen, Eltern zur Hälfte. Damit bilden Frauen die klare Mehrheit derer, die Frauen etwas Negatives anerziehen könnten. Oder in männlicher Logik (ohne vielleicht, ohne Fragezeichen, sondern in der klaren Aussagesprache eines derartigen Entscheidungsträgers), abgeleitet aus der „Klammeraussage“ dieser Einsenderin:

Eventuelle Unfähigkeiten von Frauen haben Frauen zu verantworten.

Nun höre ich aber auf, bevor es schlimmer wird.

Ihnen, geehrte Einsenderin, von Herzen viel Glück. Und als letzten Rat: In der Diskussion mit Männern kann man nicht vorsichtig genug sein. Passen Sie also gut auf sich auf.

Damit beenden wir die öffentliche Diskussion um Frage 1.360.

Frage-Nr.: 1374
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 12
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-03-26

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