Heiko Mell

Die unendliche Geschichte: Telefonieren

Antwort:

Dass man als potenzieller Bewerber vorsichtig sein soll mit unmotivierten Anrufen beim suchenden Unternehmen oder Berater, hatten wir hier schon. Aber „aus gegebenem Anlass“ (wir durften gerade wieder einmal eine größere Anzeige mit Anfänger-/Führungsnachwuchspositionen veröffentlichen) gibt es etwas nachzutragen, das sich insbesondere an junge Menschen richtet:

Wenn Sie sich entgegen gutgemeinter Ratschläge letztlich doch zum Anruf durchgerungen haben – dann machen Sie sich wenigstens Gedanken darüber, was Sie auf Ihrer Seite der Leitung so in den Apparat sprechen wollen. Weil es schließlich nicht hilfreich ist, harmlose arbeitende Menschen auf der anderen Seite reihenweise zur Verzweiflung zu treiben.

Das ist beispielsweise der Fall, wenn 79 von 80 Anrufern an einem dem Insertionswochenende folgenden Montag fragen: „Ist die Angelegenheit noch aktuell?“ Vierzehn Tage nach Erscheinen der Anzeige ist sie das absolut – und vier bis sechs Wochen danach ist immer noch kein Vertrag mit einem Mitbewerber geschlossen worden. Also ist die Frage so kurz nach der Veröffentlichung überflüssig – und nervt.

Sehr hübsch ist auch die Einleitung: „Ich hatte gestern schon einmal angerufen. Jetzt ist mir noch etwas eingefallen, das ich vergessen hatte.“ Schaudernd denkt der so Angesprochene an morgen und übermorgen – wer einmal vergisst, wird es wieder tun.

Da erfahrungsgemäß schlechte Beispiele zwar stets belächelt, aber vom Leser kaum je mit seinem eigenen Verhalten in Verbindung gebracht werden, versuche ich es einmal mit einer Positiv-Liste:

1. Lesen Sie die Anzeige sehr sorgfältig durch. Von vorne bis hinten. Berücksichtigen Sie dabei: Der Inserent hat dort gesagt, was er a) für wichtig hielt und b) sagen wollte(!). Außerdem ist er in der Regel c) kein Idiot. Also hat er keine Information von Belang „vergessen“, sondern gemeint, ein Mensch Ihrer Qualifikationsklasse müsse mit diesen Informationen zurechtkommen – und auf der Basis grundsätzlich entscheiden, ob eine schriftliche Bewerbung interessant ist.

Von letzteren müssten Sie im Durchschnitt etwa dreißig oder mehr Exemplare absenden, um fünf bis sechs Einladungen zu Vorstellungsgesprächen zu bekommen, nach deren Abschluss dann etwa ein Vertragsangebot übrigbleibt, das für beide Seiten interessant ist. Als Regel: Es gibt gerade für Berufsanfänger kaum eine realistische Chance, über das Telefon die veröffentlichen Angebote offener Stellen wirksam zu selektieren und so die Zahl abzusendender Bewerbungen zu reduzieren.

Ganz offen gesagt: Wegen fehlender Erfahrung wüssten Sie nicht, welche Fragen Sie stellen müssten und dürften – und wegen fehlender Erfahrungen wüssten Sie nicht, wie die Antworten zu interpretieren wären.Also fragen Sie sich am Ende dieser Phase: „Ist es in diesem Falle so, dass nach dem sorgfältigen Studium der Anzeige für mich noch eine oder zwei konkrete, mit meiner besonderen Situation zusammenhängende Fragen unverzichtbar sind?“ Im positiven Fall rufen Sie an.Sollten Sie jedoch nur gern noch „etwas Näheres über die Angelegenheit“ oder etwas zur „Unternehmenspolitik des Inserenten in den nächsten Jahren“ hören wollen (beides wäre ja grundsätzlich legitim), lassen Sie es. Das kommt später im Vorstellungsgespräch, so etwas überfordert das Instrument „Vorab-Anruf“ (Sie können auch mit einem/r neu per Internet gefundenen potenziellen Partner/in noch so viele E-Mails austauschen – die entscheidenden Informationen erhalten Sie erst beim persönlichen Kennenlernen).

 

2. Denken Sie daran, dass eventuell noch hundert andere Anrufer ähnlich unbeholfen mit dem Instrument umgehen – und was das für den Angerufenen vermutlich bedeutet, wenn Sie der 83. in der Reihe sind.

 

3. Falls Sie dann anrufen wollen, nehmen Sie sich vorher einen Zettel, auf dem Sie Ihre konkreten Fragen notieren. Auch hier wieder gilt: Es geht nicht darum, was Sie eigentlich alles gern wissen wollen, sondern welche Information gerade Sie in Ihrer besonderen Situation unbedingt noch benötigen – um zu entscheiden, ob Sie diese Anzeige in den Kreis der dreißig bis fünfzig aufnehmen, auf die Sie mit einer schriftlichen Bewerbung reagieren (damit am Schluss ein Vertrag übrigbleibt).

Hinter meiner Aussage steht die Erkenntnis, dass die weitaus meisten potenziellen Bewerber anrufen, weil sie Zweifel haben, ob sie zur Position passen – und dass man die weitaus(!) meisten Zweifler in dieser Haltung bestätigen muss.

Kurzantwort:

Dass man als potenzieller Bewerber vorsichtig sein soll mit unmotivierten Anrufen beim suchenden Unternehmen oder Berater, hatten wir hier schon. Aber „aus gegebenem Anlass“ (wir durften gerade wieder einmal eine größere Anzeige mit Anfänger-/Führungsnachwuchspositionen veröffentlichen) gibt es etwas nachzutragen, das sich insbesondere an junge Menschen richtet: …

Frage-Nr.: 137
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 46
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-11-16

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