Heiko Mell

Gute Erfahrungen mit Selbständigen

Ich las alle 1342 Fragen mit Ihren Kommentaren mit großem Vergnügen und großer Zustimmung. Einzige Ausnahme: Sehr gute Erfahrungen mit einem früher Selbständigen.

Antwort:

Alle 1342 Beiträge gelesen … also Sie waren das! Das ist, ich muß es einräumen, von Kishon entlehnt. Der traf eines Tages ein älteres Ehepaar, das ihm stolz erzählte, es hätte alle seine Bücher gekauft. Daraufhin Kishon: „Also Sie waren das!“

In jedem Fall freue ich mich über so treue Leser – und über die damit verbundene Anerkennung.

Nun zu dem einen früher Selbständigen, mit dem Sie gute Erfahrungen gemacht haben. Auch dazu gibt es eine Geschichte:

Ein Forscher berichtet über die Entdeckung eines bisher völlig unbekannten Eingeborenenstammes irgendwo im Busch. Hingerissen von seiner Großtat schildert er Details: „Die Angehörigen dieses Stammes haben eine auffallende Besonderheit: Sie gehen ausschließlich und bei jeder Gelegenheit im Gänsemarsch.“ Und dann findet sich unten im Bericht zu dieser Aussage eine Fußnote; wissenschaftlich korrekt steht da: „Jedenfalls der eine Eingeborene, den ich traf, ging immer so.“

Soviel zu statistisch aussagefähigen Basisgrößen.

Nun ganz ernsthaft: Ich bezweifle Ihre Erfahrung nicht nur keineswegs, ist stimme Ihnen sogar mehr als zu: Viele ehemals Selbständige müssen geradezu diverse für das Arbeitsleben wertvolle Eigenschaften mitbringen. Letztlich ist es schlicht so, daß die selb-ständige Tätigkeit eher mehr als weniger an Engagement, Einsatz, Vielseitigkeit, Kreativität etc. verlangt – gemessen am Standard-Angestellten.

Ein erstes Aber liegt darin, daß sie in diesem Tun gescheitert sind. Und da der Außenstehende nie die wirklichen Gründe dafür erfährt, bleiben nur Spekulationen. Und danach kann der ehemals Selbständige ja auch – beispielsweise – in Wirklichkeit kraß unterdurchschnittlich im obigen Sinne begabt gewesen sein und sich lediglich überschätzt haben. Da derartige berufliche Phasen gemeinhin auch nicht durch Zeugnisse belegt werden (können), bleibt der Betroffene meist ohne Chance, behauptete Talente auch zu bewei-sen.

Das zweite – gewichtigere – Aber ergibt sich aus der Struktur dieser Serie: Ich habe nie geraten, Unternehmen sollten ehemals Selbständige nicht einstellen, weil … Diese Karriereberatung richtet sich an Arbeitnehmer, die als Angestellte den beruflichen Fortschritt suchen. Und da muß ich diesen Leser-kreis pflichtgemäß warnen: Achtung, wenn Sie als ehemals Selbständiger wieder in das Angestelltendasein zurückkehren wollen, dann müssen Sie mit diesem und jenem Problem rechnen – und dann begründe ich, warum das so ist bzw. wie die jeweiligen Entscheidungsträger denken.

Bitte sehen Sie die bewußte Beschränkung dieser Serie auf die genannte Zielgruppe. Natürlich könnte ich hier auch sagen: „Selbständige haben heute Probleme, wenn sie sich wieder bewerben. Aber, liebe Arbeitgeber, das ist zu einfach gedacht; es können durchaus sehr wertvolle Arbeitskräfte dabei sein, also lehnt solche Kandidaten nicht pauschal ab.“

Bewußt habe ich das bisher vermieden. Ich kenne den sehr(!) flüchtigen Umgang sehr vieler Bewerber mit Daten, Fakten, vor allem aber allgemeinen Regeln und Empfehlungen. Daher müßte ich befürchten, daß eventuell von mir veröffentlichte Doppelaussagen dieser Art mehr Unheil als Gutes anrichteten. Ein Beispiel: Angenommen, ich schriebe wie oben angedeutet. Dann würden mit Sicherheit viele Leser denken: „Na, also, Mell sagt ja auch, die Selbständigen seien gute Leute – dann probiere ich den Schritt in diese Selbständigkeit; hinterher bekomme ich wohl meine Chance.“ Und das wäre fatal!

Ich muß die Grenzen meines Wirkens sehen: Wenn ich Arbeitnehmer vor Regelverstößen warne, kann ich einigen jetzt und anderen später damit helfen. Wenn ich aber in dieser Rubrik in dieser Zeitung Arbeitgeber zur Maßstabs und Verhaltensänderung aufrufe, erreiche ich – zunächst einmal gar nichts (wecke aber ungerechtfertigte Hoffnungen bei anderen). Daher lege ich mir hier bewußt diese Beschränkung auf.

Was man auch sehen muß: Mit dieser Zeitung erreicht man viele betriebliche Entscheidungsträger, auch in so mancher Personalabteilung wird beispielsweise diese Serie gelesen. Aber ein optimales Forum, um die große Masse aller(!) Entscheidungsträger der Wirtschaft und aller Personalleiter zu erreichen und bei ihnen ein anderes Verhalten in diesen „nichttechnischen“ Fragen auszulösen, ist diese Zeitung nicht. Daher beschränken wir uns hier auf die Zielgruppe (technisch orientierte) Arbeitnehmer und die Thematik „Regeldarstellung und interpretation“, vermeiden es aber, hier gleichzeitig neue Regeln zu propagieren.

Kurzantwort:

Aus wohlerwogenen Gründen, zu denen u. a. die strikte Ausrichtung auf die Ziel-gruppe gehört, interpretiert diese Serie die in der Praxis bestehenden Regeln, verzichtet aber bewußt auf Versuche, gleichzeitig zu einer Änderung dieser Regeln aufzurufen.

Frage-Nr.: 1349
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 49
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-12-10

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