Heiko Mell

Format

Antwort:

Es wird empfohlen, möglichst sogar Charisma zu haben, wenn Karriere angestrebt wird. Wir brauchen uns jedoch nicht damit zu beschäftigen, wie das denn definiert wird: Haben Sie es, merken es die anderen und Sie registrieren deren – positive – Reaktionen darauf. Haben Sie es nicht, ist daran nichts zu ändern – es ist nicht erlernbar. Und es geht auch ohne – weil es muss! Wir haben viel mehr Karrierepositionen im Land als Leute mit Charisma (siehe auch: Politik). Also bloß keine Panik deswegen.

Aber eine Stufe darunter schwebt die Forderung nach „Format“. Das nun muss es mindestens sein, daran führt kein Weg vorbei: Wie alle diese Begriffe ist auch der hier schwer zu definieren. Leichter sind Negativbeispiele:Kein überzeugendes Format in diesem Sinne hat beispielsweise jemand, der- nach vielen Jahren Berufserfahrung in seiner Bewerbung noch immer Details zu Schule und Studium breittritt, die inzwischen – in Relation zur erworbenen Praxis – jede Bedeutung verloren haben;

– in seiner Bewerbung Informationen verbreitet, von denen selbst er nicht sagen kann, welche Schlüsse der Leser daraus ziehen kann („Eltern: Karl Müller und Eva M. geborene Schulze“; Einzelheiten zu einer Tätigkeit als gewerblicher Mitarbeiter von vor siebzehn Jahren);

– an denselben Empfänger Bewerbungen um grundverschiedene Positionen verschickt („Assistent des Bereichsleiters“ ebenso wie „Bereichsleiter“);

– beim Vorstellungsgespräch Reisekosten von drei Euro fünfundvierzig geltend macht (der Verwaltungsaufwand dafür übersteigt die Summe um ein Mehrfaches);

– im Gespräch „Verluste sozialisiert“, also die Ursachen für die selbstgemachten Fehler zu verallgemeinern sucht („man ist ja meist faul in dem Alter“), statt mannhaft von „meinen Fehlern“ zu sprechen;

– im betrieblichen Alltag auch dann in einem Detailpunkt Recht haben will oder seine Macht durchsetzt, wenn der Anlass vollständig unbedeutend ist („Kleinlichkeitskrämer“, der hinter lauter unwichtigen Einzelheiten die große Linie völlig aus den Augen verliert);

– auf strikter Einhaltung von Dienstwegen, hierarchisch bedingten Abständen oder Formvorschriften besteht, statt souverän das Ziel des Tuns/der Aktion im Blick zu haben;

– ängstlich darauf bedacht ist, nur ja nichts von Belang zu entscheiden.

 

Noch interessanter: Format zu haben oder doch zu zeigen, ist – in Maßen – lern- bzw. antrainierbar. Man kann sehr wohl einen Filter vor seine beruflich relevanten Handlungen oder hinter niedergeschriebene Textkonzeptionen schalten, indem man fragt: Ist das die Handlung oder Aussage eines Menschen mit Format, der sofort das große Ganze sieht, um das es geht, der Unwichtiges als solches erkennt und einordnet, der zu seiner Überzeugung steht und nicht sofort beim ersten Widerstand einknickt, dessen Argumente und Handlungen Hand und Fuß haben, der jederzeit Verantwortung übernimmt und zu seinen Handlungen steht? Und dann korrigiert man sich (vor der Tat).

Sie könnten jetzt sagen: Das wäre ja im besten Falle nur alter Wein in neuen (auf Format getrimmten) Schläuchen. Na und? Im Supermarkt verkauft sich ein mittelmäßiges Produkt in 1a Verpackung deutlich besser als die umgekehrte Kombination. Und dort herrscht „Marktwirtschaft pur“! Jedes Produkt, jede Leistung muss sich vor allem gut verkaufen. Ob es oder sie auch gut ist, kann als Sekundärfrage eingestuft werden. Außerdem ist „gut“ nicht absolut zu definieren.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 131
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-09-29

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