Heiko Mell

Die 10 größten Fehler

Antwort:

Wie man konkret Karriere macht, ist recht schwer zu sagen, auch für mich. Wie so oft im Leben, lässt sich einfacher beschreiben, welche Fehler im beeinflussbaren Bereich sich besonders schnell als „tödlich“ erweisen – nicht zwangsläufig jeder einzelne, aber die Wahrscheinlichkeit steigt, je mehr davon Sie kombinieren. Als Warnung: Die Möglichkeiten, alle Träume und Hoffnungen wirksam zu ruinieren, sind mit dieser Aufzählung nicht erschöpft. Und von „Begabung/Talent“ und „Siegeswillen“ ist noch gar nicht die Rede:

1. Studium: Zu lange Dauer, zu schlechte Noten, Abbrüche, nicht gefragte Fachrichtungen, exotische Kombinationen ruinieren die Chance auf einen Top-Einstieg ins Berufsleben – und reduzieren noch zehn Jahre später die Erfolgsaussichten von Bewerbungen.

 

2. Zielsetzung: Sie fehlt oft im beruflichen Bereich ganz oder geht an den eigenen Fähigkeiten völlig vorbei. Wer nicht weiß, wohin er kommen will, kann niemals einen Weg als „richtig“ oder „falsch“ erkennen.

 

3. Startposition: Sie zeichnet eine Richtung vor, die später nicht mehr ohne Aufwand und Zeitverlust korrigiert werden kann – oder sie verbaut den Weg zu bestimmten Zielen ganz. Entscheidend sind Branche, Firmenart und -größe, Tätigkeitsbereich (nicht Ort und Gehalt!)

 

4. Werdegang allgemein: Es gibt Lücken zwischen einzelnen Beschäftigungsverhältnissen, Aufstiege/Beförderungen kommen für die Zielsetzung zu spät oder in zu großen Abständen (optimal bei weiterem Ehrgeiz: ca. alle fünf Jahre), Rückschritte werden erkennbar, Auslandsbezug ist zu extrem ausgebaut, die arbeitgebenden Firmen passen nicht zum Karriereziel.

 

5. „Roter Faden“: Die einzelnen Tätigkeiten, Branchen und Arbeitgeber eines Werdeganges bauen nicht systematisch aufeinander auf, lassen im Zusammenhang kein System erkennen. Achtung: Maßstab sind nicht eigene Gedanken dazu, sondern Anforderungen des Marktes.

 

6. Wechselhäufigkeit/Dienstzeiten pro Arbeitgeber: Zu viele Wechsel, die zu kurzen Dienstzeiten pro Firma führen, sind besonders gefährlich (fünf Jahre pro Arbeitgeber sind anzustreben, deutlich mehr als zehn reduzieren ebenfalls die Akzeptanz bei späteren Bewerbungsempfängern).

 

7. Arbeitszeugnisse: Trotz einschränkender Vorschriften dringen oft kritische Urteile früherer Arbeitgeber durch die Formulierungen. Besonders gefährlich: Schwache Bewertungen durch Top-Arbeitgeber, fehlende Kündigung auf eigenen Wunsch, mehrere „schlechte“ Dokumente nacheinander.

 

8. Privatbereich: Der falsche (Ehe-)Partner kann alles ruinieren und viel gefährden. Eine ungesunde Dominanz privater Interessen gegenüber beruflichen (Arbeitszeit, Dienstreisen, fehlende Mobilität/Umzugsbereitschaft) gehört ebenfalls in diese Rubrik. Wer ein hohes Ziel hat, muss bereit sein, den Preis zu zahlen, der gefordert wird.

 

9. Zusatzqualifikationen: Dass die überzeugende Fachqualifikation für eine Karriere unumgänglich ist, gilt als selbstverständlich. Mehr und mehr gefragt (Stellenanzeigen) sind zusätzliche Qualifikationen wie fließendes Englisch, die zweite Fremdsprache, Kenntnis fremder Kulturen, Sozialkompetenz, IT-Qualifikationen. Viele Lebensläufe zeigen hier Schwachstellen.

 

10. Regeln: Jedes „Spiel“ hat seine Regeln, gewinnen lässt sich ohne deren Beherrschung niemals. Auch das Berufsleben hat seine „Spielregeln“, allerdings ist der Wille eher unterentwickelt, sich damit auseinander zu setzen. Darin steht z. B. auch, dass ohne die Bereitschaft zur Anpassung (an Menschen, organisatorische und sachliche Gegebenheiten), nichts zu gewinnen ist. Denn geplant ist schließlich eine Laufbahn als „abhängig Beschäftigter“.

Kurzantwort:

Wie man konkret Karriere macht, ist recht schwer zu sagen, auch für mich. Wie so oft im Leben, lässt sich einfacher beschreiben, welche Fehler im beeinflussbaren Bereich sich besonders schnell als „tödlich“ erweisen – nicht zwangsläufig jeder einzelne, aber die Wahrscheinlichkeit steigt, je mehr davon Sie kombinieren. Als Warnung: Die Möglichkeiten, alle Träume und Hoffnungen wirksam zu ruinieren, sind mit dieser Aufzählung nicht erschöpft. Und von „Begabung/Talent“ und „Siegeswillen“ ist noch gar nicht die Rede:

Frage-Nr.: 126
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 33
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-08-17

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