Heiko Mell

Später fragt niemand …

Antwort:

Jetzt, so erzählte der Ratsuchende, stehe er eigentlich vor der großen Chance seines Lebens. Die langersehnte Beförderung zum …-Leiter war ihm bereits angekündigt worden.

Aber er sei ernsthaft entschlossen, dem Arbeitgeber einen Korb zu geben. Nein, dafür stünde er nicht zur Verfügung. „So“ wolle er nicht Karriere machen.Man hatte seinen langjährigen Chef, dem er viel verdankte, kurzfristig gefeuert. Keine große Sache letztlich: Es gab nicht einmal direkte Vorwürfe gegen ihn – der Mann hatte lediglich gegen die Person seines neuen Vorgesetzten opponiert, beide konnten nicht miteinander (wie man so sagt – was aber falsch ist: Es ist nicht Aufgabe des Ranghöheren, mit der ihm unterstellten Führungskraft zu harmonieren. Es ist hingegen die Pflicht des Nachgeordneten, mit seinem Vorgesetzten so zusammenzuwirken, dass Letzterer zufrieden ist).

Wie auch immer, die Position war frei und meinem Gesprächspartner angeboten worden. Der aber wollte nicht vom Unglück eines anderen profitieren, den er noch dazu geschätzt hatte.

Kann man das verstehen? Ich meine schon. Dieser Impuls, dann lieber zu verzichten, ehrt den Mann sogar. Aber klug ist das nicht, vernünftig auch nicht. Und später fragt niemand, welchen Umständen Sie Ihre Karriere verdanken.

Schlimmer noch: Dächten alle so, drohte bald das absolute Chaos wegen massenhaft verwaister Chefsessel. Der eine Positionsinhaber erkrankt unheilbar, der andere stirbt, der dritte verliert seinen Job durch einen Eigentümerwechsel. Und stets entsteht eine Lücke, die wieder geschlossen werden muss!

Was sollte denn in solchen Fällen wohl geschehen? Auch externe Bewerber, die ihre Vorgänger nie gesehen haben, profitieren ja oft vom Unglück anderer. Pflegten sie alle solche Vorbehalte, blieben viele Stühle auf Dauer leer. Und da nicht sein kann, was nicht sein darf …Also, liebe Leser, bloß keine unangebrachte Zurückhaltung. Sehen Sie nicht das Schicksal des Ihnen mehr oder minder bekannten Vorgängers, werten Sie nur die freie Position als solche. Dieses System honoriert keine falschen Skrupel. (Der Satz gehört in Erz gegossen.)

Wobei zwei Einschränkungen gelten:

1. Das Schicksal des Vorgängers sollte in jedem Fall als Sachargument in die Betrachtung einbezogen werden, ob man das Angebot als solches annimmt oder nicht. Schied der aus nach „Krach mit seinem Chef“, ist das ein Warnsignal erster Güte. Nicht wegen etwaiger Skrupel, sondern aus Vorsicht sollte man sich die Person des potenziellen Vorgesetzten sehr genau betrachten – der könnte es wieder tun („Krach“ machen).

 

2. Hätte man aktiv daran mitgewirkt, den Chef „abzuschießen“, wären moralische Skrupel durchaus angebracht, sich auf seinen Stuhl zu setzen. Nur: „Abschießer“ haben keine solchen. Aber: „Höheren Orts“ ist man erfreulich oft zurückhaltend, solche Kandidaten zu befördern. Weil man den Verrat liebt, jedoch nicht den Verräter. Also ist dies von Seiten der Unternehmensleitung mehr Zurückhaltung aus Vorsicht und weniger wegen moralischer Bedenken. Weil der „Abschießer“ ja als nächsten den Vorgesetzten seines Chefs aufs Korn nehmen könnte („Sie tun es immer wieder“).

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 121
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 25
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-06-20

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