Heiko Mell

Fünf Jahre sind genug!

Antwort:

Ich weiß nicht, ob es auch Ihnen schon einmal aufgefallen ist: Kaum jemals, eigentlich nie, verlangen Arbeitgeber in ex- oder internen Stellenausschreibungen mehr als fünf Jahre Erfahrung, egal worin, egal ob fachlich oder in einer Managementfunktion.

Kürzere Zeiträume werden mitunter genannt, längere jedoch so gut wie nie. Worin eine Aussage enthalten ist: Zwölf Jahre gleicher Praxis verlangt niemand – was nicht so gut ist für den, der sie hat. Denn er muss in einer Marktwirtschaft „Käufer“ (einer Arbeitskraft) finden, die sein „Produkt“ dennoch kaufen, obwohl ihre Idealvorstellungen woanders liegen.

Dabei müssen Sie als Betroffener mit den Aussagen dieser Stellenanzeigen sehr kritisch umgehen: Wenn Sie jene zwölf Jahre Erfahrungen in Ihrem Job haben und eine Anzeige verlangt „mindestens zwei“ – dann sind Sie mit Ihrem Sechsfachen nicht etwa auf der sicheren Seite, sondern in Gefahr, schon wieder „draußen“ zu sein. So etwa wie ein Koch, der statt der zwei im Rezept geforderten Teelöffel Salz jetzt plötzlich deren zwölf in die Suppe gibt.

„Viel hilft viel“ gilt eben auch hier nicht. Weil Erfahrungszuwachs durch einen degressiven Kurvenverlauf darzustellen ist: Je mehr an Praxis bereits vorliegt, desto weniger „bringt“ jede weitere Zeiteinheit. Ob jemand das zwölf oder vierzehn Jahre macht, ist praktisch absolut egal.

Aber: Der Mensch mit den vielen Erfahrungsjahren ist inzwischen „teuer“ geworden, Tarif- und persönliche Gehaltserhöhungen addieren sich gewaltig – ein jüngerer mit weniger Praxis wäre preiswerter und würde schon aus dem Grund bevorzugt.

Hinzu kommt die nach langem gleichartigen Tun sinkende Flexibilität; die Fähigkeit und die Bereitschaft, sich auf Neues einzustellen (und seien es die neuen Arbeitsumstände in einem neuen Unternehmen), nehmen ab. Und von der vielgefragten Dynamik zeugen zwölf oder mehr Jahre im gleichen Job ja auch nicht unbedingt.

Und deshalb sagen Firmen in ihren Stellenangeboten so oft, fünf Jahre seien gewünscht. Was in etwa bedeutet: „Sieben sind unproblematisch, aber so ab zehn ist deutlich mehr Salz in der Suppe als wir mögen.“

Das gilt praktisch immer: Für Sachbearbeiter (bezogen auf die Verweildauer in dieser Position) und für Manager (bezogen auf die Tätigkeit in dieser Führungsebene). Jeder in- oder externe Wechsel, jede Übernahme völlig neuer Aufgaben setzt die „Zähluhr“ wieder neu in Gang, jede Beförderung desgleichen.Natürlich gilt auch: Für das derzeitige Unternehmen sind Mitarbeiter mit vielen Jahren Erfahrung im gleichen Rahmen durchaus wertvoll, ja oft sogar tragende „Säulen“ des ganzen Firmengebäudes. Und dieser Arbeitgeber denkt nicht im Traum daran, ihnen etwa deshalb Vorwürfe zu machen (außer vielleicht, es gibt plötzlichen Kostendruck und jemand kommt auf die Idee, dass Jüngere auch billiger wären). Nur wenn Mitarbeiter selbst wechseln wollen oder unfreiwillig müssen, stoßen sie auf einen Markt, auf dem die Käuferseite meint, ihr reiche ein bestimmtes Maß an Erfahrung völlig aus. Und Käufern „mehr“ zu bieten als sie fordern, ist fast so wenig erfolgversprechend wie das Gegenteil.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 119
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 23
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-06-05

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