Heiko Mell

Wenn die Praxis nicht hält, was die Werbung versprach

Antwort:

„Ich bin“, so schrieb der engagierte Dipl.-Ing. enttäuscht, „seit nunmehr 3,5 Jahren im Beruf. Wie bei so vielen anderen Konzernen auch, bleiben bei uns die klangvollen Schlagwörter aus Stellenanzeigen wie Innovation, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Teamgeist etc. in der Praxis aufgrund etablierter Strukturen unbeachtet.“ Soweit er.

Ich nun fahre ein Auto – das in der Werbung immer einsam und souverän auf leeren Landstraßen in idyllischer Umgebung seine Bahnen zieht, seine überlegene Beschleunigung und Kurventechnik ausspielt sowie als Kontrast zur weitgehend unverfälschten Natur einfach toll aussieht. Bei mir hingegen quält es sich auf den stets vollen Fahrbahnen im Umfeld einer bedeutenden Großstadt vorwärts, in seiner Entfaltung durch immer vorhandene andere, sehr viel hässlicher wirkende Blechkästen wirkungsvoll behindert. Ehrlich gesagt, wäre ein Drittel seiner Motorleistung dafür immer noch zu viel.

Auch ich finde für meine Klage, die Realität bleibe hinter der Reklame beträchtlich zurück, keinen sich zuständig fühlenden Ansprechpartner. Ihnen droht ein ähnliches Schicksal.

Es ist eben Werbung, die uns unter Vorspiegelung idealisierter „Tatsachen“ etwas suggeriert, das wir nicht allzu ernst nehmen dürfen. Als Autokäufer nicht und auch nicht als Bewerber und frischgebackener Mitarbeiter. „Ein bisschen Schwund ist immer“, sagt der Volksmund.

Aber im Ernst: Es wird in Ihrem Unternehmen schon Innovationen geben. Mit den Produkten von gestern und der Produktionstechnologie von vorgestern wäre es heute schon pleite. Und selbstverständlich gibt es interdisziplinäre Zusammenarbeit – wenn die Entwicklung nicht mehr mit der Fertigung redet und beide nicht mit dem Einkauf, ist ebenfalls kein Blumentopf zu gewinnen. So ganz ohne Teams (z. B. Projektgruppen) wird man auch bei Ihnen nicht auskommen, da bin ich mir absolut sicher.

Dass man andererseits bei Ihnen keine Idealvorstellungen jüngerer Mitarbeiter in Bezug auf „moderne“ Instrumente erfüllt, glaube ich sofort. Erstens sind letztere ja kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck und zweitens haben eingefahrene Organisationen und Strukturen es meistens schwer, den häufig „auf Optimum getrimmten“ Vorstellungen der Jugend zu genügen.

Konkret: Sagen Sie einem Menschen mit zwanzig Berufsjahren, die Firma X sei nicht so wie sie es in ihrer Personalwerbung behauptet. „Ach“, wird er antworten und auf ein interessanteres Thema übergehen. Wie dieses: Ab 49, so haben die Werbeleute im Fernsehen herausgefunden, ist der Mensch völlig immun gegen Reklame. Das spricht, so finde ich, enorm für die älteren unter uns. Wobei das auch etwas über die leichte Beeinflussbarkeit der Jugend aussagt. Die gesunde Mischung aus jung und alt hat schon einen Sinn, finde ich. „Wir sind ein junges Team“ ist weder das Ideal – noch ein Dauerzustand. Und ein bisschen gesunde Skepsis gegen Werbung, Wahlkampfgetöse und Wettervorhersagen schadet nicht.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 118
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 22
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-05-31

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